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„Autoritäre Führung“? Neos werfen Dengler raus

Der Mitbegründer der Pinken verweigerte seine Zustimmung zum Budget. Ihm ist die Parteienförderung zu hoch.

Neos-Mitbegründer Veit Dengler hat nach seinem Ausschluss aus dem pinken Parlamentsklub und der Partei vom Freitag eine „autoritäre“ Führung der Neos beklagt. Diese gehe von Parteichefin Beate Meinl-Reisinger aus, erklärte Dengler am Samstag im Ö1-„Mittagsjournal“. Klubchef Yannick Shetty sprach hingegen von einem „Vertrauensbruch“ Denglers, der Ausschluss sei daher alternativlos gewesen.

Die Parteienförderung in Österreich ist ihm viel zu hoch, deshalb wollte er dem Budget nicht zustimmen. Konsequenz: Jetzt ist Veit Dengler parteilos. Foto: APA/Fohringer

Dem in einer vertraulichen Klubsitzung der Neos erfolgten Ausschluss Denglers war am Freitag in der Nationalratssitzung ein Aufruf des Neos-Mitbegründers vorangegangen, dem Budget wegen der aus seiner Sicht viel zu hohen Parteienförderung nicht zuzustimmen. Die von Dengler verlangte getrennte Abstimmung konnte allerdings keine weiteren Mandatare aus den Reihen der Koalition zu einem ablehnenden Stimmverhalten verleiten. In der entscheidenden dritten Lesung gab es dann keine Gegenstimmen aus den Reihen der Regierungsfraktionen.

Shetty: „Viele Alleingänge“ Denglers

Shetty erklärte dazu am Samstag im Ö1-Radio: „Das war ein Alleingang. So wie im letzten Jahr es ganz viele Alleingänge gab.“ Hierbei sei es in aller Regel nicht um inhaltliche Positionierungen gegangen, „sondern um die unkollegiale Vorgehensweise, eine Serie von unkollegialen Vorgehensweisen“.

In der Klubsitzung habe man das Verhalten Denglers erörtern wollen, hieß es bereits am Freitag aus Parteikreisen. Ein Ausschluss soll zu Beginn noch gar nicht zur Debatte gestanden sein. Allerdings hatte Dengler dann eine Tonbandaufzeichnung der Sitzung angefertigt - und das sei von Teilnehmern bemerkt worden. Dieses Vorgehen dürfte dann das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht haben und den Ausschluss Denglers ausgelöst haben.

Dengler: Tonbandmitschnitt „Vorwand“ für Ausschluss

Dengler beklagte nach seinem Ausschluss, er sei in der Klubsitzung einem „Tribunal“ gegenübergesessen, eine Darstellung, die er im „Mittagsjournal“ wiederholte: „Das war eine etwas nicht unstressige Situation.“ Er sei vor 20 Leuten gesessen, „wie vor einem Tribunal“, begründete er die Aufzeichnung. Dass der Tonbandmitschnitt nun als Grund für den Ausschluss genannt wird, hält Dengler für vorgeschoben: „Ich glaube, es ist wirklich schockierend, dass Neos das als Vorwand verwendet für diesen Ausschluss, wenn wir alle wissen, dass da eigentlich ganz was anderes dahinter liegt.“

Vielmehr sieht er seine inhaltliche Positionierung als Grund: „Ich glaube, dass diese Partei leider unter Beate Meinl-Reisinger ihre Diskussionskultur verloren hat. Es ist keine Diskussion erwünscht, keine Kritik erwünscht. Wenn, dann nur ganz streng intern, nicht nach außen.“ Es sei auch „bezeichnend“, dass Ex-Parteichef Matthias Strolz nicht mehr Parteimitglied ist. Auch verwies er auf das Ausscheiden von Stephanie Krisper und Gerald Loacker. „Ich glaube, das ist schon ein Zeichen, dass sehr gute, erfahrene Menschen in dieser Partei wenig Platz finden.“

Shetty ortet „massiven Vertrauensbruch“

Shetty wies diese Darstellungen zurück: „Fakt ist: Das ‚Tribunal‘, von dem er in seinem Statement gesprochen hat, das waren seine Kolleginnen und Kollegen. Und er hat sie heimlich mittels Tonband aufgenommen. Das ist erst am Ende der Sitzung aufgeflogen. Für die Dauer von einer halben Stunde wusste kein einziger der rund 20 Teilnehmer (…), dass jedes Wort dieser streng vertraulichen Sitzung heimlich von ihm mitgeschnitten wurde.“

Er glaube jedem Menschen würde einleuchten, „dass das ein massiver Vertrauensbruch ist.“ In keinem Verein, keiner Organisation würde ein solches Verhalten toleriert werden. Daher sei die Entscheidung zum Ausschluss auch alternativlos gewesen. „Sie wurde im Übrigen auch nicht von der Parteiführung, sondern von allen Abgeordneten einstimmig und gemeinsam getroffen.“

13 Postings

Medan
vor einem Monat

@ Tolliver Dass die jetzige Form der Parteienförderung vom Gesetz so geregelt ist, hat ja niemand in Zweifel gezogen. De Frage ist, ob die Regelung in dieser Form (Höhe) auch berechtigt ist!

 
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    Joe B. Tolliver
    vor einem Monat

    Ja, das ist in der Tat eine berechtigte Frage, die man durchaus stellen kann. Der österreichische Gesetzgeber hat sich für eine staatliche Parteienfinanzierung entschieden, um den Einfluss privater Interessenträger auf die Politik zurückzudrängen. Dem entsprechend müssen - als Gegengewicht zur staatlichen Förderung - private Zuwendungen offengelegt werden, und die Ausgaben der Parteien unterliegen der Kontrolle durch den Rechnungshof. Ob man das so haben will oder lieber anders ist eine Geschmackssache, auf einen ausreichend starken Willen des Elektorats wird der Gesetzgeber wohl reagieren (müssen). Das beliebte Lamento "De tuan nix und kriagn unsa Steuergeld" greift jedenfalls deutlich zu kurz.

     
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isnitwahr
vor einem Monat

die "Pink Lady" hat recht schnell von den "schwarzen Mandern" gelernt. Ich bin der Überzeugung, dass es äußerst wichtig ist, wählen zu gehen - aber leider ist keine einzige Partei mehr wählbar!

 
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ruhigblut
vor einem Monat

....erinnert mich irgendwie an den Ausschluss Dornauers, nachdem er der TIWAG eine Rückzahlung der Übergewinne nahegelegt hat. Aber abgesehen von den internen Querelen der NEOS stellt sich eine viel wichtigere Frage....warum haben wir in Österreich eine derart unanständig hohe staatliche Parteienförderung? Schon jetzt EU weit an der Spitze und mit der geplanten Erhöhung sind wir mit Abstand die Nummer 1 in der gesamten EU! Wasser predigen und Wein trinken.....

 
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    steuerzahler
    vor einem Monat

    Vielleicht sollte man die Parteienförderungen an den Erfolg koppeln? Bewertet vom Volk selbstverständlich.

     
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      ruhigblut
      vor einem Monat

      @steuerzahler...ja das wärs...sofort 90% Einsparung👍

       
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      Joe B. Tolliver
      vor einem Monat

      Ahnung haben Sie zwar keine, aber Ihr Argument klingt für ebenfalls uninformierte, schlichte Gemüter bestimmt verlockend. Und Sie haben Recht - eine griffige, wenn auch falsche Meinung soll man niemals von Fakten trüben lassen. Ihr Wunsch wurde nämlich schon längst erfüllt.

      Die Berechnung der Parteienförderung hängt davon ab, welches Fördermodell gilt: Auf Bundesebene wird die Parteienförderung nach dem § 1 PartFörG aus der Zahl der Wahlberechtigten zum Nationalrat und einem festen Euro-Betrag gebildet; danach wird sie nach Grundbetrag und Stimmenanteil aufgeteilt. Bei der Parteifinanzierung gibt es also typischerweise einen Sockel- bzw. Grundanteil und einen variablen Anteil nach Mandaten oder Stimmen. Das heißt die Parteienförderung ist - bewertet vom Volk selbstverständlich - an den Erfolg gekoppelt.

      Für die Bundesförderung nach § 1 PartFörG erhält jede im Nationalrat vertretene Partei mit mindestens fünf Abgeordneten zuerst einen Grundbetrag; der verbleibende Rest wird im Verhältnis der bei der letzten Nationalratswahl erzielten Stimmen verteilt. Nach § 2 PartFörG wird die EU-Parteienförderung ebenfalls aus der Zahl der Wahlberechtigten mit einem fixen Betrag errechnet und anschließend nach dem Stimmenverhältnis verteilt. Das heißt die Parteienförderung ist - bewertet vom Volk selbstverständlich - an den Erfolg gekoppelt.

      In den Ländern sind die Regeln ähnlich, aber nicht einheitlich: So besteht der Jahresbetrag nach § 4 sbg PFG aus Sockelbetrag und Steigerungsbetrag, wobei der Steigerungsbetrag an die Zahl der Landtagsmandate anknüpft. In Wien wird der Fördertopf nach § 3 wr PartFG je wahlberechtigter Person bei der letzten Wahl gebildet und dann nach dem Stimmenverhältnis bzw. bezirksbezogen aufgeteilt. Das heißt auch hier: die Parteienförderung ist - bewertet vom Volk selbstverständlich - an den Erfolg gekoppelt.

       
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      ruhigblut
      vor einem Monat

      @Joe B. Tolliver.....Kopplung an Stimmen heißt nur, wer mehr Stimmen bekommt, kriegt mehr vom Förderkuchen – aber der Kuchen selbst ist in Österreich so unsinnig überdimensioniert, dass wir schon bei einer ganzen Hochzeitstorte angekommen sind.... Und die Höhe der Torte wird nicht vom Volk bestimmt, sondern von genau den Parteien, die sich dann wundern, warum das Vertrauen in die Politik im Keller liegt... Soweit zu "Ahnung haben Sie zwar keine"… :-)

       
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      steuerzahler
      vor einem Monat

      Ich glaub fast, der Tolliver sitzt selber am Futtertrog.

       
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      ruhigblut
      vor einem Monat

      @steuerzahler.... :-))

       
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steuerzahler
vor einem Monat

Kaum rüttelt einer am Füllhorn, wird er rausgeworfen. Der Futtertrog ist heilig. Nicht nur wegen diesem Vorfall müssen Abstimmungen anonym sein. Nicht der Clubzwang soll entscheiden, sondern die eigene Meinung.

 
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    unholdenbank
    vor einem Monat

    Genau gesehen ist der Clubzwang ein Hochverrat, da er der in der Verfassung garantierten freien Mandatsausübung widerspricht. So also ist Dornauers und Denglers Verhalten begrüßenswert und zutiefst demokratisch. Bedenklich ist, dass solche mutigen Abgeordneten der volle Zorn des Parteiestablishements trifft - ein klares Zeichen für die undemokratische Gesinnung der Parteien. Politische Entscheidungen sollen, verfassungsgemäß, durch unabhängige Mandatare geschehen und nicht durch Vorgabe von machtbesessen Parteifunktionären. Eigentlicht ist jeder Koalitionspakt ein Verfassungsbruch! Dann bin ich wohl aufgewacht.

     
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    ruhigblut
    vor einem Monat

    @steuerzahler...ja seh ich auch soo...Clubzwang ist Gift in einer Demokratie...

     
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