Gemeinsam mit rund hundert weiteren Expert:innen hat Dr. Veit Krösslhuber, Kinder- und Jugendfacharzt in Lienz, den offenen Brief der Regionalgruppe Osttirol des Vereins „Smartphone Freie Kindheit“ unterzeichnet, die sich für ein Aufwachsen ohne Smartphones bis zum 14. Lebensjahr einsetzt. Im Rahmen einer Pressekonferenz hat er aus einer medizinischen Perspektive auf die drastischen Folgen hingewiesen, die extreme Bildschirmzeiten mitunter nach sich ziehen können. Wir haben berichtet.
Im Dolo Talk, unserem Video-Interviewformat, spricht der Mediziner nun ausführlich über Fälle aus seiner Praxis und den Umgang damit. So berichtet Krösslhuber etwa von zwei Patienten, die deutliche Zeichen von Autismus gezeigt hätten. Bei der weiteren Abklärung in Innsbruck stellte sich jedoch heraus, dass ein sogenannter Pseudoautismus vorlag. Dieser sei dadurch entstanden, „dass die Kinder einfach zu viel Bildschirmzeit und zu wenig Interaktion erlebt haben. Das heißt: Bildschirm und Smartphones machen nicht Autismus, aber sie können ganz ähnliche Symptome erzeugen“, so der Kinderarzt.
Darüber hinaus ordnet Krösslhuber ein, wann der Smartphonekonsum besonders gefährlich ist und unter welchen Voraussetzungen eine Nutzung mitunter auch ganz harmlos sein kann. Entscheidend ist aus seiner Sicht die Frage, ob es zu einer Interaktion des Kindes mit seiner realen Umwelt kommt: In jenen Fällen, in denen Kinder vor dem Bildschirm „geparkt“ werden, damit Eltern ihren täglichen Aufgaben nachgehen können, werden Gelegenheiten für zwischenmenschlichen Austausch versäumt.
Dadurch verpassen Kinder im schlechtesten Fall wichtige Entwicklungsschritte, die in späteren Phasen nicht immer vollständig nachgeholt werden können. Wird das Smartphone dagegen als Werkzeug genutzt, um Interaktion herzustellen, etwa durch Videotelefonie mit Verwandten oder beim gemeinsamen Ansehen eines digitalen Fotoalbums, ist das Schadenspotenzial wesentlich geringer.
2 Postings
Es ist wirklich erschreckend, aber es gibt bereits ein "Essensbrett mit Getränke- und Handyhalterung" für den Kinderwagen - und zwar nicht für die Person die schiebt, sondern fürs Kind. Ich war entsetzt, als ich das zufällig im Internet gesehen habe. Das ist einfach nur mehr irr, was da abläuft...
Zwei Daumen nach unten, ich glaub ich bin im falschen Film....
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