Zwei international gefeierte Persönlichkeiten der klassischen Musik gaben sich im Gailtal ein Stelldichein – und machten den Konzertabend im bis auf den letzten Platz gefüllten Gailtaler Dom zu einem der eindrucksvollsten Höhepunkte des diesjährigen Kultursommers. Die Geigerin Laura Marzadori und der Bratschist Eugenio Silvestri, beide an der Mailänder Scala tätig, präsentierten ein fein abgestimmtes Programm, das durch musikalische Tiefe, Virtuosität und spürbare künstlerische Reife überzeugte.
Bemerkenswert war dabei nicht nur die künstlerische Qualität des Duos, sondern auch seine Haltung abseits der Bühne. Ohne jede Attitüde suchten Marzadori und Silvestri vor dem Konzert den Austausch mit Schülerinnen der Musikschule Lesachtal–Kötschach-Mauthen und bereiteten sich gemeinsam mit ihnen in der Sakristei auf den Auftritt vor – ein stiller, berührender Moment, der die Nähe zur nächsten Generation von Musikerinnen und Musikern unterstrich.
Eröffnet wurde der Abend von Matteo de Cecco (Kulturverein Paluzza), Massimo de Franceschi und Ingo Ortner, die im Namen der zahlreichen Mitwirkenden und Unterstützer das Publikum begrüßten. Schon hier wurde deutlich, dass dieses Konzert mehr war als ein reines Musikerlebnis: Es stand im Zeichen gelebter grenzüberschreitender Kulturarbeit zwischen Kärnten und Friaul.

Musikalisch spannten Marzadori und Silvestri einen Bogen von der Wiener Klassik bis zur virtuosen Romantik. Den Auftakt bildete Mozarts Duett KV 424, in dem Silvestri mit warmem, zurückhaltendem Ton einen tragfähigen Klanggrund schuf, während sich Marzadoris Violinstimme mit bemerkenswerter Klarheit und Eleganz darüber entfaltete. Die Geigerin, seit 2014 Konzertmeisterin an der Scala und eine der jüngsten in der Geschichte des Hauses, beeindruckte durch technische Souveränität, präzise Artikulation und einen ausdrucksstarken, leuchtenden Klang – Qualitäten, die auch Dirigent Zubin Mehta an ihr hervorhebt.
Mit Halvorsens „Sarabande und Variationen“ sowie der „Passacaglia“ nach Händel erreichte das Konzert virtuose Höhepunkte, die das perfekte Zusammenspiel der beiden Künstler eindrucksvoll zur Geltung brachten. Dazwischen sorgten lyrische Bearbeitungen aus Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ und Puccinis „Manon Lescaut“ für Momente inniger Klangschönheit und emotionaler Verdichtung.

Einen eigenständigen Akzent setzte in der Pause das Streichorchester der Musikschulen Hermagor, Kötschach-Mauthen und Lesachtal. Mit Werken von Henry Purcell und Kathryn Griesinger präsentierten sich die jungen Musikerinnen und Musiker mit bemerkenswerter Präzision und Spielfreude. Musikschuldirektor Gerald Kubin zeigte sich sichtlich bewegt von dieser besonderen Bühne für den musikalischen Nachwuchs.
Die nachhaltige Wirkung des Abends setzte sich am Folgetag im italienischen Paluzza fort, wo das Konzert im frisch renovierten Dom Santa Maria wiederholt wurde und erneut ein begeistertes Publikum fand – ein starkes Zeichen für die kulturelle Verbundenheit der Regionen beiderseits der Grenze.
Organisiert wurde die Veranstaltung unter maßgeblicher Beteiligung des Kiwanis Club Gailtal, der in seinem 25. Jubiläumsjahr nicht nur ein hochkarätiges Konzert ermöglichte, sondern zugleich einen sozialen Zweck verfolgte: Der Reinerlös kommt Kinder- und Jugendprojekten in der Region zugute und verbindet damit musikalischen Anspruch mit gesellschaftlicher Verantwortung.
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