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Maraskino ist nicht nur Band, sondern Performance-Art-Trio mit der Mission zu irritieren. Foto: Tiana Wirth/Dominik Plainer

Maraskino ist nicht nur Band, sondern Performance-Art-Trio mit der Mission zu irritieren. Foto: Tiana Wirth/Dominik Plainer

„Ink Fest“ – Premiere im Lienzer Festivalreigen

Was Oliver Deutsch und Katharina Zanon auf die Beine stellen, verdient Applaus und viel Publikum.

Lienz im Sommer – das ist eine dichte Abfolge von Events im öffentlichen Raum, Konzerte auf dem Hauptplatz jeden Dienstag, Mittwoch und Sonntag, Afterwork-Party in der Zwergergasse jeden Donnerstag, vier Tage Straßentheater Olala Ende Juli, drei Tage Stadtfest im August – und dann wäre da noch etwas ganz Neues: Das INK Fest, das bereits am Donnerstag, 16. Juli beginnt und ebenfalls drei Tage dauert.

Wer bei INK an Tinte denkt liegt falsch, es ist schlicht die Abkürzung für Inklusion und damit ist auch das Motto dieses außergewöhnlichen und jüngsten Events in Lienz definiert. Das INK Fest 2026 bringt von 16. bis 19. Juli einen dichten, inklusiven Parcours aus Musik, Kunst und offenen Formaten nach Lienz – barrierefrei, ohne Eintritt und mit einem spürbaren Lateinamerika‑Spirit.

Dafür gibt es eine Erklärung. Erfunden haben das neue Format nämlich zwei Kreative, die in den letzten Jahren immer wieder aus der lokalen Norm ausbrachen und die beide gerne durch die Welt reisen, unter anderem nach Lateinamerika. Aus den Reiseerfahrungen von Katharina Zanon und Oliver Deutsch in Bogotá und anderen lateinamerikanischen Kontexten entstand die Idee eines Festivals, in dem „gesellschaftliche Minderheiten“ nicht eigens thematisiert, sondern selbstverständlich Teil des künstlerischen Geschehens sind.

Oliver Deutsch und Katharina Zanon haben ein etwas anderes Festival konzipiert. Offen für alle, multikulturell und inklusiv, mit freiem Eintritt und viel Kreativität jenseits des Mainstreams. Fotos: Kunst & Kulturverein Roter Turm

Im April gründeten Zanon und Deutsch den Verein „Roter Turm“. Sie verstehen das INK Fest als Kick‑off und als Plattform, die Osttiroler und internationale Kunstschaffende zusammenbringt. Leitmotiv ist „die Buntheit des Lebens“: Inklusion soll so leichtfüßig gelebt werden, dass der Begriff irgendwann überflüssig wird.

Bespielt werden beim ersten INK Fest drei sehr unterschiedliche Orte: das Bildungshaus Osttirol, der MCI Campus Lienz und das Kolpinghaus, jeweils mit eigener Atmosphäre und dramaturgischem Schwerpunkt. Alles ist barrierefrei, kreative Workshops sind gratis, das Festival arbeitet mit freiwilligen Spenden statt Eintrittspreisen – ein bewusst niedrigschwelliger Zugang für Kinder, Erwachsene, Alt und Jung.

Eröffnungsabend im Bildungshaus

Den Auftakt bildet am 16. Juli um 19.00 Uhr ein Abend im Bildungshaus, der die Entstehungsgeschichte des Festivals nach Bogotá zurückverlegt. Eine fiktive Erzählung trifft auf Musik und Kulinarik. Die Performance von Katharina Zanon und Oliver Deutsch wird dramaturgisch von einer venezolanischen Off-Theatergruppe und musikalisch von südamerikanischen Klängen begleitet. Und was wäre ein Abend mit Oliver Deutsch, ohne Kostprobe seiner Kochkünste? Diesmal verwöhnt er das Publikum mit mit herzhaftem vegetarischen Locro, dem Geschmack der Anden.

Experimentelle Musik und zeitgenössischer Tanz – „Touching Grounds“ mit Maartje Pasman und Stefan Voglsinger. Foto: Guillermo Tellechea

Untertags verwandelt sich der MCI Campus Lienz am 17. und 18. Juli (von 12.00 bis 18.00 Uhr) in ein hybrides Straßenfestival mit Innen‑ und Außenräumen. Besucherinnen und Besucher können zwischen Handwerksmarkt, Workshops, Lesungen, Streetfood, Cafés und einem spontanen Tischtennisturnier flanieren, während Performances, Installationen und Visuals die Campusarchitektur bespielen. Die Atmosphäre zielt auf informelle Begegnung: Bildung, Spiel und Kunst überlagern sich, der Campus wird zur Bühne für eine offene, durchlässige Stadtgesellschaft.

Apropos Stadtgesellschaft – neben Künstler:innen und Performern von „auswärts“ wie Ulla Rauter und Stefan Voglsinger, präsentieren mit Paul Zinell, Katharina Zanon, Michael Takacs, Elena Reisinger und anderen auch heimische Kreative ihre aktuellsten Werke. Ergänzt wird das Programm durch einen Kunstmarkt, der lokalen Produzent:innen eine Bühne bietet und den Festivalbesuch mit Entdeckungen im Kleinen verbindet.

Akustische und elektronische Klänge verschmelzen nahtlos in der musikalischen Performance von Other:M:other. Foto: Ralph Kühne

Musikalisch spannt das INK Fest einen weiten Bogen zwischen experimentellen Sounds und tanzbaren Nachtprogrammen. Spannend Maraskino und Other:M:other, atmosphärisch stark wie immer Souph, wuchtig Jonas Schlichenmaier mit seinem Schlagzeug und anheizend die Prominenz der heimischen DJ-Szene.

Mister Rhythmus – Jonas Schlichenmaier. Foto: INK Fest

Das Kolpinghaus Lienz fungiert als nächtlicher Pol des Festivals: Hier verdichtet sich das Programm zu einem Abend aus Sound und Shows, der explizit zum Eintauchen, Entspannen oder Tanzen einlädt. Neben Kunst und Musik setzt das Festival auf „Open Mind“‑Formate, die Inklusion diskursiv und spielerisch öffnen: angekündigt werden etwa ein „Death Café“, eine Spielerunde, Tischtennisturnier, Soulpicknick sowie Workshops mit Franz Schmuck und Kathrin Schulz.

Alle Infos und Anmeldungen zu Workshops: ink-fest-lienz.info

Gerhard Pirkner

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis. Mehr von Gerhard Pirkner

2 Postings

ruhigblut
vor 2 Stunden

...wow....Inklusion nicht als Programmpunkt, sondern als Haltung..... auf das freu ich mich wirklich...Konzept, Atmosphäre.......alles trifft genau ins Herz...

 
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lia
vor 2 Stunden

wie überall, ohne publikum wird es nicht gehn.

 
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