Die Zahl der zugelassenen Motorräder in Österreich hat sich in den letzten 25 Jahren fast verdreifacht. Während zur Jahrtausendwende nur 280.000 Menschen ein Motorrad hatten, sind es mittlerweile schon rund 700.000. Mit der wachsenden Zahl an Motorradfahrer:innen gewinnt auch das Thema Schutzkleidung weiter an Bedeutung. Dennoch zeigen rund 13.900 Beobachtungen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), dass viel zu viele Biker:innen beim Motorradfahren unzureichend geschützt sind. Das Risiko, bei einem Unfall mit dem Motorrad verletzt zu werden, ist im Vergleich zum Auto rund 37-mal so hoch.
Fehlende Schutzkleidung als Problem
Eine aktuelle Erhebung des KFV zeigt alarmierende Zahlen: 45 Prozent der Biker:innen sind ohne angemessene Schutzkleidung unterwegs – im Ortsgebiet sogar 76 Prozent. Ein fataler Fehler, wie Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit, betont: „Es ist ein Irrglaube, dass einem bei geringem Tempo im Ortsgebiet nichts Schlimmes passieren kann.“ Vor allem an heißen Sommertagen wird die Ausrüstung oft vernachlässigt. Experten raten von Fahrten in T-Shirts oder kurzen Hosen ab und empfehlen Bekleidung mit integriertem Airbag-System.
Warum das nötig ist: Bereits im Vorjahr verzeichnete Österreich neue historische Höchststände bei den Verletztenzahlen. Die Bundesländer Kärnten, Steiermark, Niederösterreich und Wien waren hier die unglücklichen Spitzenreiter. Sie verzeichneten historische Höchststände bei verletzten Motorradfahrer:innen seit 1976. In Salzburg, Tirol, Burgenland, Vorarlberg und Oberösterreich lagen die Zahlen unter den bisherigen Rekordwerten.

Lebensretter Schutzkleidung
Um Beine und Oberkörper zu schützen, empfiehlt das KFV Motorradfahrer:innen das Tragen von Helm, Handschuhen, Stiefeln sowie einer Motorradbekleidung aus Textil oder Leder. Dies ist allerdings nur die Mindestausstattung und sollte keineswegs als Maß aller Dinge gelten. Robatsch legt großen Wert auf moderne Airbag-Schutzbekleidung, wie man sie schon aus der MotoGP oder dem Skisport kennt. Intelligente Sensoren erkennen Stürze binnen Sekunden und lösen dann den Airbag aus.
„Das Präventionspotenzial mit Jacken, Westen oder Hosen, die mit Airbags ausgestattet sind, wird noch viel zu wenig genutzt“, erklärt Robatsch. Selbst bei heißen Temperaturen sei es laut Experten unverzichtbar, passende Schutzkleidung anzuziehen: „Es gibt mittlerweile hervorragende, atmungsaktive Textilmaterialien als Alternative zu schwerem Leder.“ Auch Airbag-Westen gibt es mittlerweile zu kaufen. Details wie Lüftungsklappen, Mesh-Material oder eine clevere Luftführung schützen vor Sonnenbrand und kühlen den Körper zusätzlich ab.
2025 übertrumpft Rekordhoch aus 2024
Nach einem Rekordhoch im Jahr 2024 erreichte die Zahl der verunglückten Motorradfahrer:innen im Vorjahr mit 4.584 einen neuen Höchstwert. Besonders stark ist der Anstieg leichter Verletzungen, ihre Zahl hat sich seit 2000 um 55 Prozent erhöht. Gleichzeitig sank die Zahl der Schwerverletzten leicht. „Auch leichte Verletzungen können äußerst schmerzhaft sein. Gerade bei solchen Unfällen kann angemessene Schutzbekleidung – insbesondere mit Airbag-Systemen – dazu beitragen, Verletzungen zu vermeiden oder zumindest ihre Schwere zu reduzieren“, betont der Experte. Unter „leichte Verletzungen“ fallen laut KFV großflächige Hautabschürfungen, große Platzwunden und einfache Knochenbrüche. Sogar der Bruch von zwei Rippen wird nur als „leichte Verletzung“ eingestuft.
„Gerade bei leichten Unfällen kann angemessene Schutzbekleidung Verletzungen vermeiden“
Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit KFV
37-mal höheres Verletzungsrisiko
Wie gefährlich das Motorradfahren bleibt, zeigt der direkte Vergleich mit dem Auto. Während die Zahl der Toten bei Pkw-Unfällen von fast 1.000 Toten (1976) auf 166 im Vorjahr reduziert werden konnte, bleibt die Zahl der Motorradtoten schon seit Jahrzehnten konstant auf einem hohen Niveau. Vor rund 50 Jahren gab es in Österreich 94 Motorradtote, 2025 waren es immer noch 81. Auch dieses Jahr ist das Bild ähnlich tragisch: Im Zeitraum vom 1. Jänner bis 12. Juli verloren bereits 36 Menschen auf Österreichs Straßen ihr Leben und das, obwohl die Sommersaison erst in den Startlöchern steht. Trotz aller technologischen Fortschritte bei Helmen und Protektoren zählen Motorradfahrende weiterhin zu den am schlechtesten geschützten Verkehrsteilnehmern.

Tipps für Motorradfahrer:innen
Den ersten Schritt zu mehr Sicherheit sollten Zweiradfahrer:innen bereits beim Motorradkauf machen. Da in der EU nur Motorräder mit mehr als 125 cm³ Hubraum verpflichtend mit ABS ausgestattet sein müssen, sollte auch bei kleineren Modellen in puncto Sicherheit nicht gespart werden. Experten empfehlen, auch bei kleineren Hubraumklassen gezielt nach Modellen mit ABS zu suchen. Auf der Straße sollte gleichzeitig niemals auf Vollvisierhelm, Handschuhe, Schutzjacke und Stiefel verzichtet werden. Idealerweise ist die Schutzkleidung atmungsaktiv, abriebfest und hell, um sich zusätzlich vor der Hitze zu schützen. Wer an heißen Tagen zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt, ist weniger aufmerksam. Daher wird empfohlen, auch neben ausreichendem Trinken regelmäßige Pausen einzulegen. Zusätzlichen Schutz bietet moderne Airbag-Schutzbekleidung, die das Verletzungsausmaß auch bei niedriger Geschwindigkeit im Ortsgebiet drastisch reduziert.
Ein Posting
ich bin mir sicher, dass Motorradfahren eine tolle Sache ist. Dass unzureichende Kleidung die Verletzungsgefahr erhöht, leuchtet auch ein. Was hier nicht zur Sprache kommt ist das Verkehrsverhalten leider viel zu vieler Motorradfahrer. Manchmal habe ich den Eindruck, dass für sie überhaupt keine Verkehrsregeln gelten. Sperrlinien, egal ob einfach oder doppelt werden ignoriert, überholen auf entgegenkommender Einbiegespur (wie mir vor ein paar Tagen passiert, das war wirklich haarscharf, dass es keinen Kapitalunfall gegeben hat) wahnsinnige Geschwindigkeiten (siehe Iselsberg und Großglockner Hochalpenstrasse), Überholen in unübersichtlichen Kurven und in Tunnels. Mich wundern diese Zahlen wirklich nicht. Und dann gibt es sie noch, die Genußfahrer ohne Geschwindigkeitsrausch - TOP
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