Im heurigen Jahr gab es in Lienz laut dem Klimadashboard bereits 28 Hitzetage, also Tage, an denen die Temperatur mindestens 30 Grad Celsius erreicht. Im Vergleichszeitraum von 1991 bis 2020 waren es bis Mitte Juli im Schnitt sechs Hitzetage. Das zeigt: Auch in Lienz wird es zunehmend heißer. In einem Gespräch mit Bürgermeisterin Elisabeth Blanik und Jasmina Steiner, Abteilungsleiterin Standortentwicklung der Stadt Lienz, gehen wir der Frage nach: Was macht die Stadt, um die Klimaveränderungen zu meistern?
Im Zuge der Entwicklung des Klimaneutralitätsfahrplans bis 2040 wurde erhoben, in welchen Bereichen Lienz die meisten Treibhausgasemissionen produziert. Das Ergebnis zeigt, dass es vor allem in den Bereichen Mobilität, Gebäude und Kreislaufwirtschaft Aufholbedarf gibt. Zusätzlich liegt der Fokus auch auf Bäumen und Grünraumplanung.

Lienz setzt auf Schwammstadtprinzip
Bodenversiegelung, zu wenig Wurzelraum, Streusalz und Trockenheit erschweren die Entwicklung von Stadtbäumen. Dem soll das Schwammstadtprinzip entgegenwirken. Der Baum wird dabei in ein eigens entwickeltes Substrat eingepflanzt. Dieses soll den Wurzeln genügend lockeren Raum zum Wachsen bieten. Gleichzeitig kann das Substrat Wasser speichern und fungiert somit als der namensgebende Schwamm. Diese Speicherfunktion hilft, dass Wasser länger für den Baum zur Verfügung steht. Zusätzlich schützt es bei Starkregen.
In Lienz sind die ersten drei Bäume nach diesem Prinzip am Egger-Lienz-Platz gepflanzt worden. Das Substrat für die Lienzer Schwammstadtbäume wird zum Großteil aus regionalen Ressourcen gewonnen. Es besteht aus Komposterde, Erdmaterialien und zugekaufter Pflanzenkohle. Man wirke damit bereits im Bereich Kreislaufwirtschaft, erklärt Jasmina Steiner, Abteilungsleiterin Standortentwicklung.
Nach dem Pilotprojekt am Egger-Lienz-Platz wird überlegt, wo weitere Bäume nach demselben Prinzip gepflanzt werden können. Rund 15.000 Euro koste allein der Unterbau für einen Baum.

Begrünung in der Altstadt nur beschränkt möglich
Den Bäumen am Hauptplatz fehlt aktuell der Platz zum Wachsen. Hier könnten Schwammstadtbäume eine mögliche Lösung sein. „Man ist da immer in der Diskussion zwischen Baum, Grün und Nutzung“, erklärt Bürgermeisterin Elisabeth Blanik.
Unter dem Hauptplatz verlaufen viele Rohre und Leitungen, so etwa Fernwärme, Hauswasseranschlüsse, Breitband und Stromleitungen. „Der Platz ist unterirdisch eine Mega-Infrastruktur. Dazwischen müssen diese Schwämme für die Bäume Platz haben“, so die Bürgermeisterin. Das Ausmaß der künftigen Baumkrone sei relevant dafür, wie viel Platz für den Unterbau mit dem Substrat benötigt wird.
Zusätzlich ist der Hauptplatz ein belebter Ort, an dem Veranstaltungen stattfinden und Gastgärten sind. Es sei schwierig, dabei passende Plätze für die Bäume zu finden. Der Platz solle weiterhin für Veranstaltungen bespielbar sein und die Sicht auf Bühnen und Auftritte frei sein, erklärt die Bürgermeisterin die Herausforderung bei der Bepflanzung des Hauptplatzes.
Auch in der Rosengasse sei es aufgrund fehlenden Platzes schwer neue Bäume zu pflanzen. „Was sollte ich in so einer Altstadtgasse an Bepflanzung machen? Das ist eine Einkaufsstraße“, so Bürgermeisterin Blanik. „Eine Innenstadt funktioniert anders, als wenn ich irgendwo draußen einen neuen Stadtteil baue.“
Bäume sind nur ein Teil der Lösung
„Bäume pflanzen ist wichtig, aber nur ein Teil der Lösung“, betonte der Klimatologe Matthias Ratheiser in einem Interview mit dem „Standard“. Auch die Stadt Lienz setzt auf ein breites Spektrum an Klimaanpassungsstrategien.
Die Energieeffizienz-Richtlinie der EU sieht aktuell vor, dass alle Gemeinden Energieausweise für öffentliche Gebäude erstellen müssen. Daraus ergeben sich Maßnahmen, die gesetzt werden müssen, um Gebäude klimaneutral zu machen. Die große Herausforderung sei dabei, dass viele der öffentlichen Gebäude in Lienz denkmalgeschützt seien. Hingegen bei Sanierungen oder Neuerrichtungen von öffentlichen Gebäuden achte die Stadt darauf, alle Kriterien zu erfüllen, um so auch mögliche Klimaförderungen zu bekommen. Aktuelles Beispiel ist der Umbau der Tennishalle.

Großteil der Treibhausgasemissionen im Bereich Mobilität
Die Mobilität fällt in der Treibhausbilanz von Lienz jedoch am stärksten ins Gewicht. Regelmäßig kommt es zu Staus durch Lienz und Menschen fahren aus anderen Gemeinden nach und durch Lienz. „Die Mobilität ist tatsächlich eine Herausforderung. Die wird die Stadt alleine nicht lösen können.“, so Bürgermeisterin Blanik. Es brauche eine Bewusstseinsbildung bei jeder:jedem Einzelnen. Das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln sei da. Man könne niemanden dazu zwingen, auf das Auto zu verzichten. „Wo wir Einfluss haben, haben Begegnungszonen gemacht, um damit die Autos aus der Stadt zu bekommen.“, betont Bürgermeisterin Blanik.
Hitzeschutz für vulnerable Gruppen
Auch jede:r muss sich individuell an die Klimaveränderungen anpassen. Schwer tun sich dabei jedoch ältere Personen, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen. Diese vulnerablen Gruppen leiden besonders unter hohen Temperaturen. Sie brauchen kühle Orte, an denen sie sich erholen können.
In Lienz würden dies etwa die Kirchen, die meisten Geschäfte und das Mobilitätszentrum bieten. Auch Parks könnten für Schatten und Abkühlung sorgen. „Wenn du in der Innenstadt bist und dann die paar Schritte zum Iselpark gehst, dann spürst du sofort, wie sich die Temperaturen absenken. Gerade der Iselpark ist ganz sicher eine Kühlzone mitten in der Stadt.“, erklärt Bürgermeisterin Elisabeth Blanik. Während der Hitzewelle im Juni habe man auf den Kanälen der Stadt die Lienzer Bevölkerung über Hitze-Ratschläge informiert, etwa mit Tipps, genügend zu trinken oder schattige Plätze aufzusuchen.

Die steigende Zahl an Hitzetagen macht deutlich, Klimaanpassungen müssen geplant und umgesetzt werden. Wie schnell und konsequent Projekte und Anpassungsstrategien angegangen werden, wird darüber entscheiden, wie gut die Stadt mit den Folgen der Klimakrise zurechtkommen wird.
3 Postings
.... allein das verschämte Abmontieren des -Naturdenkmal- Schildes von der Linde beim Franzosendenkmal zeigt das herrschende Bewußtsein; tatsächlich vergab die Stadt eine Generationenchance nach der anderen um eine lebenswerte Umwelt für Menschen zu machen, die Autolobby beherrscht die Politik ...
"Es sei schwierig, dabei passende Plätze für die Bäume zu finden." Noch schwieriger wird sein, passende Bäume für die Plätze zu finden.
Und bitte was tut die Gemeinde fuer die bestehenden Baeume wenn trockenperioden sind???? Nichts!!!!Aber fest Blumen giessen wenns vorher ordentlich geregnet hat.
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