108.000 Rinder, 62.000 Schafe und 3.500 Pferde zählen zum Weidevieh, das im Sommer auf Tirols Weideflächen zuhause ist – das ist 3,5-mal so viel wie der Bezirk Lienz derzeit Einwohner zählt. Tirol ist Österreichs Almenland Nummer eins: Hier haben Wanderbegeisterte die Möglichkeit auf einer von über 2.000 bäuerlich bewirtschafteten Almen einzukehren.
Die Alpen sind bei Wandernden besonders beliebt – jedes Jahr sind in Tirols Bergen etliche Tausend Menschen unterwegs. Bei so vielen Wanderern kommt es nicht selten vor, dass Mensch und Weidetier aufeinandertreffen. Obwohl dieses Szenario meist unproblematisch ist, passieren hin und wieder Unfälle, wie das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit am Beispiel des Jahres 2025 darlegt. Von insgesamt 13 Unfällen im Zusammenhang mit Weidevieh in ganz Österreich ereigneten sich sieben in Tirol. Von den insgesamt 20 betroffenen Personen hatten fünf Glück - sie blieben unverletzt, 14 erlitten Verletzungen, eine Person kam ums Leben.

Respekt schützt vor Unfällen
Die Ursachen solcher Unfälle sind unterschiedlich. Im Zuge der Wandersaison wollen das Land Tirol und die Landwirtschaftskammer Tirol erneut darauf aufmerksam machen: „Weidetiere sind keine Selfie-Partner und die Alm kein Streichelzoo – es gilt, der Natur und den Tieren respektvoll zu begegnen!“ Auch Agrarreferent und LHStv. Josef Geisler sowie Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechberger sind sich einig, dass jeder Unfall einer zu viel ist. Daher werde man die Bevölkerung regelmäßig für einen achtsamen und respektvollen Umgang mit Weidevieh sensibilisieren, um kritische Situationen oder Zwischenfälle vielfach zu vermeiden.
Gutes Miteinander schützt Tirols Kulturgut am Berg
Geisler sieht Tirols Almen auch als unverzichtbares Kulturgut. Damit man auch in Zukunft weiterhin davon profitieren könne, sei das Miteinander von Mensch und Tier besonders wichtig. Für ein gutes Miteinander brauche es nicht nur den notwendigen Respekt vor den Tieren, sondern auch ein verantwortungsbewusstes Verhalten von Wanderern, ergänzte Geisler. Am Berg seien Wege, die durch Alm- oder Weidegebiete führen, nämlich nicht immer abgegrenzt.

Bitte nicht stören
Immer öfter werden Weidetiere zum beliebten Fotomotiv vieler Wanderbegeisterten. Für das perfekte Foto, kommen die Wanderer den Tieren immer näher. Dabei unterschätzen viele, dass selbst ruhige Tiere ihr Verhalten rasch ändern können, wenn sie Gefahr für sich selbst oder ihren Nachwuchs wittern. „Vor allem Mutterkühe verteidigen ihre Kälber instinktiv. Auch wenn ein besonderes Fotomotiv verlockend erscheint, sollte immer ausreichend Abstand zu Weidetieren eingehalten werden“, appelliert Hechenberger.

Wichtig für Wandernde
Ein sicheres Verhalten beginnt damit, die Tiere aufmerksam zu beobachten und Hinweisschilder ernst zu nehmen. Denn nicht jede Herde reagiert gleich: Mutterkühe schützen ihre Kälber besonders konsequent und werden bei vermeintlicher Gefahr rasch aufmerksam. Jungtiere hingegen sind oft neugierig und kommen Menschen schnell näher, Milchkühe sind den Kontakt mit Menschen gewohnt. Dennoch gilt für alle Tiere: Kühe, Schafe und Pferde sollten auf ihren Weideflächen nicht gestört werden. Hinweistafeln geben zusätzlich Auskunft über Weidegebiete und können auf alternative Routen hinweisen.
Hinweise zum sicheren Umgang mit Weidetieren

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