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Grundwehrdienst neu: Sechs plus drei Monate

Die Wehrdienstreform steht. Zivildienst mit freiwilliger Verlängerung bis auf Widerruf. 

Die Regierung hat sich beim Sommerministerrat auf eine Reform der Wehrpflicht geeinigt. Künftig soll der Grundwehrdienst sechs plus drei Monate dauern. Ebenfalls ausgeweitet wird der Zivildienst - und zwar auf neun plus zwei Monate. Die Verlängerung um zwei Monate soll zunächst auf freiwilliger Basis erfolgen. Falls sich jedoch zu wenige Stellungspflichtige für den Präsenzdienst melden, soll ein Mechanismus greifen und die zwei Monate obligatorisch werden.

Inkrafttreten soll die Neuregelung ab 1. Jänner des kommenden Jahres. Freilich sind dafür noch Verhandlungen mit der Opposition nötig, braucht es doch für die Verlängerung des Zivildienstes eine Zweidrittelmehrheit. Die Verlängerung um zwei Monate werde zunächst freiwillig sein und soll wissenschaftlich evaluiert werden. „Das eine (Verlängerung des Wehrdienstes; Anm.) kann ohne das andere (Verlängerung des Zivildienstes; Anm.) nicht beschlossen werden“, richtete Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) in Richtung Opposition aus.

Er zeigte sich über die erzielte Lösung zufrieden. Dieser seien „sehr lange und intensive Gespräche“ vorangegangen. „Leitprinzip“ sei „die Stärkung des Wehrdienstes und der Landesverteidigung“ gewesen. Mit dem „Stufenmodell“ folge man den Empfehlungen der Wehrdienstkommission, so Stocker: „Mit diesen Maßnahmen schützen wir unser Land und die Menschen in unserem Land“. Stocker dankte der Wehrdienstkommission und den Verhandlungspartnern. Gefragt nach der Finanzierung, meinte Stocker: „Wenn wir die Verteidigung ernst nehmen, müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass sie uns etwas wert ist. Wir werden eine Finanzierung finden.“

Ab 2028 „Wehrdienst-Garantie“

Ab 2028 soll eine sogenannte „Wehrdienst-Garantie“ greifen. Werde die jährliche Zahl der Grundwehrdiener von 15.000 um mehr als 7,5 Prozent unterschritten, soll der Zivildienst ab dem Folgejahr dauerhaft verpflichtend auf elf Monate angehoben werden. Die zusätzlichen zwei Monate können dann im Einvernehmen mit der jeweiligen Einrichtung - auch flexibel - geleistet werden.

Das Wehrdienst-Modell entspreche dem sogenannten Stufenmodell der Wehrdienstkommission, hieß es. Direkt im Anschluss an den Kern-Grundwehrdienst finden verpflichtende Truppenübungen statt. Zudem müssen innerhalb von zehn Jahren nachgelagerte Milizübungen absolviert werden. Darüber hinaus soll der Grundwehrdienst durch eine Anhebung der finanziellen Vergütung von derzeit rund 630 Euro auf 1.000 Euro und die Einführung von Urlaubstagen attraktiviert werden.

Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) ist es nach eigenen Worten wichtig gewesen, den Wehrdienst zu attraktivieren, wie er mit Verweis auf seine eigene Zeit als Grundwehrdiener und Berufssoldat sagte. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) betonte, dass die Wehrdiener auch inhaltlich etwas geboten bekommen müssen: „Wenn wir jungen Menschen vorschreiben, wie sie ihre Zeit zu verbringen haben, dann muss es sinnvoll sein“.

Hameseder nicht vollends überzeugt

Nicht vollends vom gefundenen Kompromiss überzeugt war der Vorsitzende der Wehrdienstkommission, Erwin Hameseder, der bei der Präsentation des Beschlusses dabei war - „keine Selbstverständlichkeit“, wie er selbst sagte. Die von ihm geleitete Kommission hatte sich ursprünglich für das Modell „Österreich Plus“ - also acht Monate Wehrdienst plus zwei Monate Milizdienst ausgesprochen. Die von den Regierungsparteien gefundene Einigung sei „in der Sache nicht die optimale Lösung“, aber „ein wesentlicher Fortschritt“ gegenüber dem Status quo.

„Es löst bei mir nicht Begeisterung aus, aber es ist schon ein Schritt, der das österreichische Bundesheer deutlich nach vorne bringen wird“, fasste Hameseder zusammen. Idealerweise sollte seiner Ansicht nach der Zivildienst zwölf Monate und damit deutlich länger als der Wehrdienst dauern. Unabdingbar ist seiner Ansicht nach die Umwandlung der derzeit freiwillig vorgesehenen Verlängerung der Zivildienstzeit auf insgesamt elf Monate in eine Verpflichtung, wenn die nötige Zahl der Grundwehrdiener nicht erreicht wird. „Das Modell ist ein politischer Kompromiss, der zu respektieren ist.“ Dieser habe auch einen Preis für die Wirtschaft, dazu werde die Organisation für das Heer komplizierter als im von der Kommission präferierten Modell.

10 Postings

oha
vor 3 Wochen

Alles egal, bis auf die sinnlose Geldvernichtung. Wir werden im Zentrum von Europa kaum das erste Angriffsziel sein. Und alle Armeen rund um unser Land sind besser aufgestellt als unsere. Und sollte es doch einmal Krieg geben, werden alle, die es sich leisten können, ihre wehrpflichtigen Söhne außer Landes schaffen.

 
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    griasenk
    vor 3 Wochen

    Naja, durchaus möglich, aber an Afghanistan haben sich die Russen und die Amis die Zähne ausgebissen und die sind mit Vorderlader und Sandalen in den Krieg gezogen. Also wir werden/wollen keinen Krieg gewinnen, das behaupte ich zumindest mal, und wenn es in unserem Österreich so weitergeht, dann ist das auch gar nicht mehr nötig. griasenk

     
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griasenk
vor 3 Wochen

Typisch österreichische Wehrpolitik: Seit 1955 drehen wir uns beim Grundwehrdienst im Kreis. 1955 gestartet mit 9 Monaten, 1971 verkürzt auf 6+2 Monate, 2006 im Zuge der Reformkommission zusammengestrichen auf reine 6 Monate (wobei die Miliz kaputtgespart wurde), und 2026 beschließt man wieder ein 6+3 Modell.

Was als „großer Wurf“ verkauft wird, ist in Wahrheit die Reparatur des Fehlers von 2006. Damals hat man die verpflichtenden Übungen gestrichen, um sparen zu können – heute merkt man, dass ein Heer ohne geübte Miliz im Ernstfall nicht funktioniert.

Und wie so oft ignoriert die Politik die eigenen Fachexperten: Selbst Kommissionsleiter Hameseder sagt offen, dass dieses Modell ein fauler politischer Kompromiss ist. Ob das Ganze ohne 2/3-Mehrheit im Parlament überhaupt Gesetz wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. griasenk

 
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lia
vor 3 Wochen

dienst in die 80-er jahren. ein einziger anzipf. fast zum mörder geworden.

 
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karlheinz
vor 3 Wochen

Milizübungen sind nach wie vor für Klein- und Mittelbetriebe eine teils enorme Belastung da diese meist ungelegen folgen. Diesbezüglich dürfte man wohl schon Erfahrung haben? Trotzdem glaubt man wieder an einen "gelungenen Wurf".

 
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amRande
vor 3 Wochen

Typisch österreichischer "Kompromiss": Zuerst eine Kommission einsetzen, dann einfach ignorieren. Und das einzig und allein zwecks Machterhalt! Die Opposition wird aller Voraussicht nach nicht zustimmen, dann geht das Werkl wieder von vorne los. Und der Steuerzahler darf blechen. Zum Speiben!

 
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    Outlandla
    vor 3 Wochen

    Du hast vollkommen recht. Der Schwarze Peter (oder auch der türkis-rot-pinke Peter) wurde nun dem umsetzenden Organ der Politik, dem Bundesheer zugeschoben und muss jetzt das beste daraus machen! Die Auswirkungen (positiv und/oder negativ) werden erst nach dieser Legislaturperiode messbar sein.

     
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Outlandla
vor 3 Wochen

Das ist ein sehr gutes Beispiel für eine funktionierende Demokratie und ihren Nachteilen. Bitte nicht falsch verstehen, ich halte diese Regierungsform hoch und bin froh Teil einer Demokratie zu sein, aber zu viele Köche (Regierungsarteien) verderben den Brei. Aus Angst am Verlust an Wählerstimmen hat man (schon wieder) den kleinsten gemeinsamen Nenner genommen, der keinem so richtig weh tut aber auch der Sache nicht so recht hilft. 3 Monate Milizübungen sind selbstverständlich ein quantensprung, nur fehlen die Verbandsübungen (Battalion +) in der Zeit davor. Das Bundesheer muss es nun schaffen die 6 Monate davor so zu straffen (zumindest Streichung der ganzen gut gemeinten Belehrungen wie soziale Betreuung, Fahrsicherheit, etc. ) , dass zumindest das letzte Monat für solche Verbandsübungen verwendet werden kann und in den Folgejahren genau zu diesen Übungen auch die Milizübungspflichtigen dazu einberufen werden. Der Wehrdiendiest ist jetzt neu zu denken. Weg von Ausbildung zu Assiatenzsoldaten, sondern Konzentration auf das Wesentliche,das Handwerk des Soldaten. Das Bundesheer muss den faulen Regierungskompromiss nun im Sinne der Sache nutzen!

 
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    unholdenbank
    vor 3 Wochen

    Warum der Zivildienst länger dauern muss, als der Wehrdienst, erschließt sich mir nicht. Der Wehrdienst ist keinesfalls fordernder, als der Zivildienst. Mir scheint, dass die Schießerpartie wieder die Oberhand gewonnen hat. Und dann jammert man wieder darüber, dass sich zu wenige Zivis melden. Mir ist sowieso schleierhaft, wie man sich zu diesem Bundesheer noch melden können soll. Nach dem Grundwehrdienst ist eh nur mehr Abdienen und Saufen der Fall. Wohin eine Aufrüstung welcher Art auch immer führt, sieht man seit etwa 3000 Jahren - also immer wieder zum Blutvergießen. Ich möchte noch anmerken, dass ich sehr wohl im Bundesheer gedient habe, sogar noch 9 Monate - 9 Monate verplempert mit inkompetenten Befehlshabern. Leider hat es die Möglichkeit zum Zivildienst zu meiner Zeit nicht gegeben, sonst hätte ich........... @Outlandia: Bitte, was ist ein "Assiatenzsoldat"?

     
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      Outlandla
      vor 3 Wochen

      Sorry automatisierte Rechtschreibung nicht "Assiatenzsoldaten" sondern "Assistenzsoldat"

       
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