Geht es um den Ausbau bestehender oder die Errichtung neuer Wasserkraftwerke, begegnet man im Wesentlichen zwei Argumentationslinien: Erstere verweist auf die Versorgungssicherheit und die Notwendigkeit, auf erneuerbare Energien umzusteigen, während zweitere kritische Überlegungen hinsichtlich Landschaftsbild, Ökologie und Naturschutz bündelt.
Weniger prominent diskutiert wird dagegen bislang der Aspekt, ob Wasserkraft in Zeiten des Klimawandels ganz grundsätzlich eine zukunftsfähige Form der Energiegewinnung darstellt. Angesichts der vorherrschenden Trockenheit im laufenden Jahr ist es aber genau diese Fragestellung, die zunehmend aufpoppt.

Verbund: 30 Prozent weniger Erzeugung
So meldet etwa der teilstaatliche Verbund als größter Kraftwerksbetreiber Österreichs im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinneinbruch von mehr als einem Drittel. Zentrale Ursache dafür: Die Wasserkrafterzeugung liegt aufgrund der fehlenden Niederschläge „sogar noch unter dem schlechten Vergleichswert aus dem Vorjahr“, wie eine Sprecherin mitteilt. Konkret befinde sich die Erzeugung aktuell rund 30 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.
Osttirol: ebenfalls 30 Prozent Rückgang
Mit einem ähnlichen Rückgang sehen sich Kraftwerksbetreiber in Osttirol konfrontiert. So teilt etwa Clemens Obkircher, Geschäftsführer des E-Werks Hopfgarten, auf Anfrage von Dolomitenstadt mit, dass die Stromproduktion der vier eigenen Wasserkraftwerke zwischen 25 bis 30 Prozent unter dem langjährigen Schnitt liege und man definitiv „einen Ausreißer nach unten“ bemerke. Ursächlich dafür seien schlichtweg zu wenig Niederschlag im Frühling sowie fehlender Schnee im Winter.
Ähnliche Daten liefert Josef Mair, Bürgermeister von Außervillgraten: Im gemeindeeigenen Kraftwerk Winkeltal habe man im ersten Quartal dieses Jahres nur etwa die Hälfte der Strommenge vom Vorjahr produziert. Im zweiten Quartal erfolgte dann zwar eine leichte Erholung, insgesamt sehe man im ersten Halbjahr aber dennoch eine Abnahme von genau einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr.
Auch Harald Stocker, Geschäftsführer des Elektrowerks Assling, stellt Auswirkungen eines „extrem trockenen Jahres“ fest, die er für das erste Halbjahr mit einer Reduktion von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr beziffert.
Tiwag: Planwert deutlich unterschritten
Für die Tiwag als größten Kraftwerksbetreiber in der Region sind die Auswirkungen der Hitze in Osttirol ebenfalls deutlich erkennbar: Während in den Sommermonaten normalerweise mehr Strom erzeugt als verbraucht wird und der entstehende Überschuss in das Netz eingespeist wird, fiel diese Rückspeisung im laufenden Jahr deutlich geringer aus. In den ersten sieben Monaten lag die tatsächliche Stromerzeugung in den Osttiroler Tiwag-Kraftwerken daher 33 Prozent unter dem Planwert.
Dabei treffen zwei Faktoren zusammen: Einerseits resultieren aus weniger Niederschlag geringere Pegelstände und folglich eine niedrigere Stromproduktion, andererseits steigt aber ausgerechnet an heißen Tagen der Strombedarf: Besonders bemerkbar mache sich der höhere Bedarf am frühen Abend, „wenn viele Menschen nach Hause kommen, Kühlgeräte verstärkt nutzen und elektrische Geräte gleichzeitig in Betrieb sind“, so Tiwag-Sprecherin Lisa Kuprian.
Besonders betroffen seien Laufkraftwerke, „weil sie nur die jeweils verfügbaren Wassermengen zur Stromerzeugung nutzen können und keine Speichermöglichkeiten haben“, so Kuprian. Eine „zentrale Rolle in einem zukunftsfähigen Energiesystem“ schreibt der Konzern vor diesem Hintergrund Speicher- und Pumpspeicherkraftwerken zu, die „Schwankungen in der Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie ausgleichen“ könnten und damit „einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit“ leisten würden.
Grundsätzlich bestehe für die Versorgungssicherheit in Tirol derzeit aber keine Gefahr, da sich die Pegelstände der großen Tiwag-Speicherseen im Gepatsch, Finstertal, Längental und am Achensee im Normalbereich befinden.
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