Große dunkle Augen, ein deutlich abgesetztes herzförmiges Gesicht: Kaum ein Nachtvogel ist in Europa so bekannt wie die Schleiereule. Die Tiere sind hochspezialisierte Jägerinnen, die mit ihrem weichen Gefieder und gefransten Flugfedern lautlos durch die Nacht fliegen. Ihr Gesichtsschleier bündelt dabei selbst leiseste Geräusche und ermöglicht eine präzise Ortung ihrer Beute. So kann sie im Tiefflug über Wiesen, Feldern und Lichtungen ihre Beute „aus dem Nichts“ überraschen.

Die Schleiereule wird auch „Katze der Lüfte“ genannt. Zu ihrer bevorzugten Nahrung zählen etwa Feldmäuse, Hausmäuse, Spitzmäuse und kleinere Ratten. Ein Brutpaar kann in einem guten Jahr tausende Nager erbeuten. Damit trägt der Nachtvogel zur natürlichen Regulierung von Nagerbeständen bei. Das kommt den Ernteerträgen der Landwirtschaft zugute und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht.
Als Gebäudebrüterin lebt die Schleiereule seit Jahrhunderten in enger Nachbarschaft zum Menschen. Sie baut keine eigenen Nester, sondern nutzt offene Dachnischen in Kirchtürmen, Scheunen oder Dachböden als Rückzugs- und Brutplätze. Doch bei der Sanierung alter Gebäude werden Einflugöffnungen und Dachnischen zunehmend verschlossen. Dadurch gehen wertvolle Brutplätze verloren.
In Österreich vom Aussterben bedroht
Während die wunderschönen Tiere in Europa insgesamt noch als „nicht gefährdet“ gelten, gibt es in Österreich nur noch isolierte Restvorkommen. Die Art gilt bundesweit als „vom Aussterben bedroht“. Sie ist daher dringend auf künstliche Nisthilfen angewiesen. Diese müssen regelmäßig gesäubert werden, um Infektionen vorzubeugen.
Nicht nur die Brutplätze, sondern auch die Jagdreviere stehen zunehmend unter Druck: Strukturreiche Wiesen, Brachen, Feldraine und extensive Weiden gehen mehr und mehr verloren. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft finden Eulen immer weniger artenreiche Jagdgebiete und müssen für die Nahrungssuche längere Strecken zurücklegen. Auch der Einsatz von Mäuse- und Rattengift gefährdet die „Katzen der Lüfte“. Werden vergiftete Nager von den Eulen gefressen oder an ihre Jungen verfüttert, endet das meist tödlich und kann innerhalb kurzer Zeit eine ganze lokale Population vernichten.

Bereits mit einfachen Maßnahmen kann man die Tiere unterstützen: „Artenreiche, extensive Flächen mit Wiesen und Hecken, der Erhalt von Brutplätzen sowie vor allem der Verzicht auf chemische Rattengifte und Mäuseköder können die fragilen Schleiereulen-Bestände stabilisieren. Zusätzliche Nistkästen helfen der bedrohten Eulenart ebenfalls beim Überleben“, sagt Carolina Trcka-Rojas, Expertin beim Naturschutzbund Österreich.
Auch Beobachtungen von Schleiereulen können zu ihrem Schutz beitragen. Der Naturschutzbund bittet daher, Sichtungen – möglichst mit Foto – auf www.naturbeobachtung.at oder in der gleichnamigen App zu melden. Die gesammelten Daten helfen Expert:innen dabei, mehr über die Verbreitung der bedrohten Nachtvögel zu erfahren.
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