Was können Schutzgebiete in Österreich und Tadschikistan voneinander lernen? Dieser Frage ging eine neunköpfige Delegation aus dem zentralasiatischen Land bei ihrem Besuch im Nationalpark Hohe Tauern Tirol nach. Im Mittelpunkt des Treffens standen der Austausch über Schutzgebietsmanagement, regionale Förderinstrumente und nachhaltige Regionalentwicklung.
Empfangen wurde die Gruppe im Nationalparkhaus in Matrei in Osttirol von Nationalparkdirektor Florian Jurgeit. Fachvorträge gaben Einblicke in Organisation, Aufgaben und Finanzierung des Nationalparks und zeigten zugleich Parallelen und Unterschiede zu Schutzgebieten in Tadschikistan. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte das Treffen von Ruth Bstieler, der ersten Rangerin Österreichs, und Safarbi Davlatova, der einzigen Rangerin Tadschikistans.

Erfolgreicher Naturschutz braucht starke Regionen
Auch das Regionsmanagement Osttirol (RMO) war Teil des Programms. Geschäftsführer Philipp Schlemmer, stellte Aufgaben und Fördermöglichkeiten vor und betonte, wie nachhaltige Regionalentwicklung und Naturschutz zusammenspielen.
Nach einem Mittagessen mit regionalen Produkten führte der Weg weiter zum Figerhof in Kals am Großglockner. Dort erhielten die Gäste Einblicke in die landwirtschaftliche Arbeit und in die Initiative „Nationalpark-Regionsprodukte“, die die Vermarktung regionaler Qualitätsprodukte stärkt.
Zum Abschluss besuchte die Delegation mit Ranger Simon Zeiner das Besucherzentrum Glocknerwinkel und den barrierefrei adaptierten Themenweg „Berge.Denken“. Darüber hinaus standen die Ausbildung und die vielfältigen Aufgaben der Nationalpark-Ranger in Österreich im Fokus.
Neuer Blickwinkel auf das Hochgebirge
Besonders interessant war der unterschiedliche Blick auf die alpine Landschaft. Während der Großglockner 3.798 Meter hoch ist, kommen die tadschikischen Besucher aus einer der höchstgelegenen Gebirgsregionen der Welt. Der im tadschikischen Nationalpark gelegene Pik Ismoil Somoni misst 7.495 Meter. Dieser unterschiedliche Erfahrungshorizont machte den Austausch über das Leben und Arbeiten im Hochgebirge besonders spannend.

Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe
„Wenn Menschen aus unterschiedlichen Regionen zusammenkommen, entsteht oft mehr als nur ein Programmpunkt - es war schön zu sehen, mit wie viel Interesse und Offenheit die Delegation unsere Tätigkeitsfelder kennengelernt hat. Was mich besonders freut: Der Austausch hat auf beiden Seiten Wirkung gezeigt. Die Delegation reist mit einem Koffer voller Ideen für ihre eigene Arbeit ab – und wir bleiben mit neuen Denkanstößen aus den Gesprächen mit den tadschikischen Expert:innen zurück“, sagte Philipp Schlemmer resümierend.
Austausch soll bestehen bleiben
Der Besuch führte die Delegation auch in die Kärntner und Salzburger Teile des Nationalparks. Dabei wurde deutlich, dass internationaler Austausch neue Blickwinkel eröffnet. Ob Schutzgebietsmanagement, regionale Wertschöpfung oder die Frage, wie Menschen in sensiblen Hochgebirgsräumen leben und wirtschaften können: Viele Herausforderungen sind grenzüberschreitend. Sowohl die Delegation aus Tadschikistan als auch die Verantwortlichen aus Osttirol bekräftigten daher den Wunsch, auch künftig den Erfahrungsaustausch fortzusetzen.
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