Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hat sich für seine Aussage, dass Kinderbetreuung keine Arbeit sei, öffentlich entschuldigt. „Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch“, meinte der ÖVP-Obmann in einer Aussendung. Davor hatten sich nicht nur FPÖ und Grüne in zahlreichen Aussendungen empört gezeigt sondern auch der Koalitionspartner SPÖ.
Stocker hatte am Donnerstag bei einem Auftritt in Salzburg von einer Zuseherin darauf angesprochen, was er für Mütter zu tun gedenke, gemeint: „Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit.“ Er habe seine Kinder nicht als Rechenspiel erzogen, „was kriege ich dafür“.
„Entschuldigung in aller Deutlichkeit“
„Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit“, schrieb Stocker nun zu Mittag. „Kinderbetreuung ist Arbeit. Gerade Frauen, die in den allermeisten Familien immer noch den Großteil der Kindererziehung übernehmen, leisten damit Großartiges“, heißt es weiter in seiner Aussendung.

Stocker betont weiter, dass Mütter, Väter, Großeltern alle Großartiges leisten würden bei der Betreuung und Erziehung unserer Kinder und einen unermesslichen Beitrag für unsere Gesellschaft und die Zukunft unseres Landes. „Dafür verdienen sie unseren Dank, unsere Hochachtung und unsere Unterstützung“, so der Kanzler.
Mikl-Leitner verteidigt Kanzler
Die ÖVP-Landeshauptmann-Stellvertreterin der Steiermark, Manuela Khom, erklärte in einer Aussendung dass sie „über die Aussagen des Bundeskanzlers verwundert“ sei. Sie würden der heutigen Lebensrealität nicht gerecht werden. Kinderbetreuung sei vor allem Verantwortung, Zeit und Arbeit, die nach wie vor überwiegend von Frauen geleistet werde, so Khom. Diese Mehrfachbelastung dürfe man nicht romantisieren, sondern müsse sie stärker anerkennen, so die Landeshauptmann-Stellvertreterin.
VP-Frauenchefin Juliane Bogner-Strauß betonte in einer Aussendung die Klarstellung Stockers und meinte: „Unser Auftrag als Politik ist es, die Leistung der Mütter zu würdigen und Frauen bestmöglich zu unterstützen: mit einer guten Kinderbetreuung, echter Wahlfreiheit und einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“
Davor war schon Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) Stocker zur Seite gesprungen: „Ich kenne unseren Kanzler so, dass er meint, dass unsere Kinder für uns Eltern bei aller Arbeit, aber vor allem noch viel mehr Freude bedeuten. Und so würde ich ihn auch verstehen.“
Meinl-Reisinger findet „Richtigstellung gut“
Anders verstanden ihn die übrigen Parteien, so auch die Koalitionspartner. NEOS-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger fand es „gut, dass der Bundeskanzler die Aussage, Kinderbetreuung sei keine Arbeit, richtig gestellt hat“. Für sie als Mutter von drei Kindern sei klar, dass es besonders herausfordernd sei, Kinder groß zu ziehen und erwerbstätig zu sein. Deshalb würden die NEOS den Ausbau der Kinderbetreuung in ganz Österreich fördern, den Gratis-Kindergarten ab vier einführen und Schulen und Kindergärten stärken, so Meinl-Reisinger.
Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) beließ es bei indirekter Kritik. „Kinderbetreuung ist Arbeit“, schrieb er auf Bluesky. Millionen Eltern - vor allem Frauen - leisteten diese Arbeit jeden Tag: „Das dürfen wir weder kleinreden noch unsichtbar machen.“
Auch bei SPÖ-Frauensprecherin Sabine Schatz stießen Stockers ursprüngliche Äußerungen auf Unverständnis. Unbezahlte Arbeit solle man endlich sichtbar machen statt kleinzureden. „Wer so spricht, blendet die Lebensrealität vieler Frauen aus. Kinderbetreuung ist keine Nebensache, sondern harte Arbeit. Und zwar unbezahlt mit Folgen für Einkommen, Karriere und Pension.“
Gewessler: Entschuldigung als „guter erster Schritt“
Seitens der Grünen kam eine Reaktion von Bundessprecherin Leonore Gewessler. „Eine Entschuldigung ist ein guter erster Schritt. Aber Worte reichen nicht. Tun Sie etwas für jene Frauen, die Sie beleidigt haben“, so die Grüne-Chefin. Sie betont, dass die Liste lang wäre.
Laut Gewessler solle jedes Kind einen Kindergartenplatz bekommen, die Eltern sich die Karenz wirklich fair aufteilen können, wie es etwa in Skandinavien funktioniere. Zudem forderte Gewessler mehr Lohntransparenz und weniger Kürzungen bei Frauen, die in Teilzeit arbeiten. Sie hatte bereits am Vortrag entrüstet auf Stockers Aussagen reagiert und eine Entschuldigung verlangt, ebenso wie die Frauensprecherin der Grüne, Meri Disoski.
ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende sieht Realitätsferne
Laut der Bundesfrauenvorsitzenden des ÖGB Christa Hörmann offenbart Stocker ein Familienbild, „das Frauen seit Jahrzehnten benachteiligt“. Kindererziehung sei Arbeit, alles andere wäre Realitätsverweigerung, so Hörmann. Auch sie betonte, dass diese Aussage wenige Tage vor dem Equal Pension Day die Leistung von Müttern derart kleinrede, dass es an Realitätsferne kaum zu überbieten sei, so Hörmann.
26 Postings
Was gesagt ist, ist gesagt. Man kann verzeihen aber nicht vergessen. So is es im Leben Herr Bundeskanzler.
Mir ist dazu jetzt grad die "Herdprämie" unserer blauen Freunde eingefallen, war auch nicht viel besser....
Auch für mich sind die Äußerungen Stockers befremdlich und einigermaßen verstörend, ein vollkommen unnötiger politischer Lapsus. Aber ich wollte, die Wogen der Entrüstung wären bei verschiedenen Aschermitwochs- und Festzeltreden Kickl zumindest halb so hoch gegangen. Die waren zT wirklich menschenverachtend und von gesellschaftspolitischer Sprengkraft.
wie wahr, Herr Dr. Bahner. Ganz meine Meinung...
Die Österreicher jammern auf hohem Niveau. Man braucht nicht einmal die Saudis in Zell am See sehen, die den Ehefrauen mit Burka untersagen, dem Kellner in die Augen zu sehen um selbst zu bestellen. Es genügt die finanzielle Situation junger Familien in Italien zu betrachten, die dazu geführt hat, dass Italien eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt hat. Natürlich heisst das nicht, dass in Österr. Verbesserungen nicht nötig wären, wie zum Beispiel Ganztagesbetreuung. Bei 90% Staatsschulden sind die Möglichkeiten allerdings sehr eingeschränkt.
Wenn sich die ÖVP nicht endlich der modernen Welt öffnet und damit aufhört, sich mit erzkonservativen Ideen um Ewiggestrige zu bemühen, sehe ich bei der nächsten Nationalratswahl im wahrsten Sinne des Wortes schwarz für diese Partei. Ich hoffe nur, dass ihre Abwicklung uns dann nicht noch das allerletzte Hemd kostet.
Würd mich interessieren, welche Meinung Stocker seine Frau zu seiner Aussage hat! Hat sie ihm mit Rauswurf gedroht bevor er sich nicht entschuldigt? Wahrscheinlich musste sie die ganze Arbeit mit den Kindern übernehmen, damit er in Ruhe Karriere machen kann. Find ich aber toll, wenn es so funktioniert! Alte Schule und streng katholisch halt! Wenn Paare Kinder in die Welt setzen wollen, müssen sie sich aber schon vorher bewusst sein, was das an Arbeit, Zeit und Geld kostet! Die staatlichen Förderungen reichen da heutzutage nicht mehr aus, wenn Mann Alleinverdiener ist! Leider sind dann die Mamas gezwungen, bald wieder zu arbeiten, ausser der Mann verdient überdurchschnittlich gut! Und das ist glaub ich der Punkt wo etwas geändert werden muss! Wenn Kinderbetreuung von anderen übernommen werden muss, weil beide Elternteile arbeiten müssen, um sich die Lebenserhaltungskosten leisten zu können, braucht sich der Staat nicht wundern, wenn die Geburtenrate zurückgeht!
Jetzt sieht man erst einmal, wo dieses Hirngespinst lebt!
Erwerbstätigkeit und Arbeit haben unterschiedliche Bedeutungen.
Das Schlimme ist, dass ein Politiker nicht mehr sagen kann, was er denkt, ohne dass es in Empörung statt in Diskurs endet. Es wird zum Skandal hochgekocht und es kommt eine Pseudo-Entschuldigung. Wer die Stellungnahme genau liest, sieht dass er von der Position nicht abrückt und ja auch er hat ein Recht auf seine Sicht der Dinge, auch wenn sie vielleicht nicht populär sind. Das Thema ist aber auch Definitionssache: ganz basic - volkswirtschaftlich ist Arbeit Erwerbstätigkeit gegen Kapital, sozialwissenschaftlich ist die naturgemäß anders definiert.
Die Gesellschaft sollte Elternschaft als etwas schönes und wertvolles sehen, nicht als lästig und mühselig. Die Entscheidung Familie zu haben, war die beste meines Lebens, 2x ein Jahr Karenz als Papa war ein Luxus, ich bin dabei mit meinen Kindern enorm zusammengewachsen und diese Basis macht den Alltag bis heute leicht. Wir haben finanzielle Familienfördeungen, gute Bildungseinrichtungen und ein engmaschiges variables Betreuungsangebot einschließlich Ferienzeiten. Wer das nicht nutzen möchte wird es anders lösen. Vielleicht wären Menschen zufriedener, wenn sie mehr hätten: mehr qualitätsvolle Zeit mit den Kindern UND mehr Erwerbstätigkeit und damit mehr Einkommen. Ich denke mit Ausnahme von Härtefällen hat jeder die Wahl für seine persönliche Balance.
PS: Ich geh heute mit meinen Kindern ca. 8 Stunden ins Schwimmbad, am Abend wird gegrillt, danach fallen wir bestimmt todmüde ins Bett. Das wird ein echt harter Arbeitstag für alle
Unglaubwuerdig bis ins letzte!!!
genau so denken unsere (Top) Flop Politiker über ihr Fußvolk.
Wie man nur alles missverstehen kann, wenn man einer Partei schaden will! Stocker hat seine Aussage deutlich klar gestellt und sich sogar entschuldigt! Jetzt kritisieren viele seine Entschuldigung, hätte er dies nicht getan, würden die selben eine solche verlangen....
Wenn man keinen kompletten Blödsinn verzapft, muss man sich erst gar nicht entschuldigen. Es geht hier zudem nicht um irgendeinen illuminierten Musiker, sondern um den Bundeskanzler, der das nüchtern und ohne Zwang von sich gibt. Tickt so also die neue/alte ÖVP oder sind es nur die letzten Boomer, von denen einer halt den Kanzler macht?
...doch dem war kaum das Wort entfahren, möcht er´s im Busen gern bewahren... Nun Stocker wollte wohl nur andeuten, dass das Wirken der Frau als Gattin und Mutter über den Niederungen schnöder Lohnarbeit steht und mehr als ausreichend Befriedigung und Belohnung in der Erfüllung ihrer ureigensten Bestimmung findet. Natürlich wird das alles wieder bewusst missverstanden. Wenigstens kann man sich auf Stockers gesunden, politischen Instinkt verlassen.
Man stelle sich die Entpörung bei Hr. Bahner (oder anderen ewigschwarzen) vor, hätte das der Kickl gesagt! Dann wäre wohl zumindest ein Rücktritt gefordert, oder? Aber solange man sich auf Buddas Instinkt verlassen kann ist eh alles gut. Besser wäre wohl, dass er sich, wie bisher auch, eher bedeckt hält und die Legislaturperiode vorübergehen lässt.
Zynismus ist Empörung genug! Der Sinn dafür geht Ihnen wohl vollständig ab. Ich bin alles andere als ein Schwarzer, Sie aber wohl ein Kicklapologet.
Wer Sartire nicht erkennt...
Da ist Ihnen und manchen anderen etwas so vollkommen in die falsche Kehle gekommen. War meine Ironie doch etwas zu fein gesponnen ( oder mein Versuch zu unbeholfen ).
* der eine sagt ....wer kein geld hat soll zum Schachtelwirt * der andere meint ....Kinderbetreuung ist keine Arbeit
......schon verrückt unsere Welt
In diesem Fall nicht 'die Welt', wohl eher die einst wirklich staatstragende Partei!
Jössas, da ist einer in ein anständiges Fettnäpfchen gehüpft. Mit der Aussage, die ich im TV mitverfolgt habe, hat er nicht nur alle Mütter/Väter beleidigt, sondern auch die Großeltern, die viel Kindererziehung übernehmen, die Kindergartenpädagog:Innen, Lehrpersonen, Tagesmütter usw. Zumindest hatte er den Anstand, einzugestehen dass diese Aussage falsch war und sich entschuldigt. Hätte ich mir von ihm nicht erwartet!
Man kann sehen, was solche Politiker über Carearbeit denken. Gesagt ist gesagt, da kommt die späte Einsicht bei mir nicht mehr an.
Gesagt ist gesagt, und war auch sicher so gemeint. Da gibts jetzt kein Schönreden mehr.
Dank und Hochachtung wird für die Pension leider nicht angerechnet...
ja wird nicht angerechnet. Weils ja keine Arbeit ist.
So leicht kann man es sich machen. Aber da gibt es in dieser Partei mehrere.
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