„Sehr erstaunlich, dass Sie heute darauf verzichten, die Sonnenfinsternis zu sehen.“ So bedankte sich Andreas Schett, Mastermind der Musicbanda Franui, am Mittwochabend bei den Besucher:innen des „Hoch Kultur Festivals“ in Innervillgraten. Während seit dem bisher letzten derartigen Himmelsereignis in Österreich 27 Jahre vergangen waren, mussten die Franui-Fans auf die zweite Festivalauflage nur drei Jahre warten. Künftig soll das Osttiroler Festival jedes zweite Jahr stattfinden.
1.800 Plätze im Zirkuszelt
Eigentlich ist das Unikum des Musikfestivals die ungewöhnliche Location: Die Konzerte finden auf einer Open-Air-Bühne auf der Unterstalleralm in 1.673 Metern Seehöhe statt. Für heuer hat man als Schlechtwetter-Alternative jedoch in Norddeutschland ein riesiges Zirkuszelt gemietet und auf einer Wiese im Dorfzentrum von Innervillgraten aufgestellt.


Das Zelt wollte man zumindest einmal bespielen und hatte daher den Auftakt mit „Holzfällen“ indoor angesetzt. Schett zeigte sich glücklich, dass es gelungen sei, es zu füllen. Keine Kleinigkeit, denn mit 1.800 Plätzen ist die Kapazität doppelt so groß wie die Einwohnerzahl des Osttiroler Ortes - und auch deutlich größer als im Burgtheater, wo sich diese „Romanmusikalisierung“ von Nicholas Ofczarek und Franui seit der Premiere im September 2024 zum ausverkauften Hit mauserte.
55. Vorstellung des Burg-Renners
Die 55. Vorstellung dieser „Sprachpartitur für elf Stimmen in einem Lichtraum“, für die man das Lichtkonzept von Paul Grilj kongenial von der Nationalbühne ins Zirkuszelt transferiert hatte, wurde für die Besucher:innen zu dem, was Schetts Vater sich für gelungene Tage gewünscht hatte: „Es soll so sein, dass man sich daran erinnert.“

Der Burgtheater-Star Nicholas Ofczarek zauberte, immer wieder unterstützt von den Trauermarsch-Variationen der Musiker, die von Thomas Bernhard sarkastisch beschriebene Atmosphäre eines zu später Stunde mit einem Burgschauspieler stattfindenden „künstlerischen Abendessens“ in einem bürgerlichen Wiener Salon ins Osttiroler Zelt. Besonderen Anklang fand der Schluss, als der bitterböse Kommentator sich bei den Gastgebern (deren reale Vorbilder einst gegen das Buch klagten) für den unvergesslichen Abend bedankt - und ob seiner eigenen Verlogenheit anschließend in Raserei verfällt.
Nach der mit Standing Ovations gefeierten Vorstellung war die Sonne zwar bereits hinter den hohen Bergen verschwunden, doch die aus allen Himmelsrichtungen angereisten Gäste konnten mit den Sternschnuppen der Perseiden das nächste Himmelsspektakel verfolgen - weit abseits des großstädtischen Lichtsmogs.
Gute Wetterprognose für Open-Air-Bühne
Für die drei folgenden Alm-Nachmittage ist bestes Wetter angesagt, lediglich am letzten Tag mit dem französischen Starpianisten Pierre-Laurent Aimard ist wegen labiler Luftmassen das Open-Air-Ereignis noch nicht gänzlich gesichert.
Der Donnerstag und Freitag versprechen bei den Auftritten u.a. von Sopranistin Christiane Karg, dem Zymbal-Virtuosen Áron Horváth, der Akustik-Techno-Band Elektro Guzzi oder dem Ensemble The Erlkings ungewöhnliche Klangkombinationen vor traumhafter Kulisse und mit Kuhglocken als Hintergrundgeräusch. Nicht nur die Wanderschuhe stehen bereit: Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) habe angekündigt, mit dem Fahrrad anzureisen, berichtete Schett. Berechtigter Einwurf aus dem Publikum: „Von wo weg?“
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