Ihr Dolo Plus Vorteil:
Diesen Artikel jetzt anhören

Auf der Osttiroler Alm im siebenten Musikhimmel

Das Hoch Kultur Festival ist nicht nur wegen der Location außergewöhnlich. Das Musikprogramm ist es ebenfalls.

Bachrauschen und Kuhglocken, aber auch gelegentlich die Geräusche eines in der Nähe arbeitenden Baggers oder eines knatternd vorbeisausenden Motorrads - das ist die Begleitmusik der Konzerte beim „Hoch Kultur Festival“ vor einem „Bühnenbild, das es kein zweites Mal auf der Welt gibt“, wie es die Schweizer Akkordeonistin Viviane Chassot ausdrückte. Das am Mittwoch mit „Holzfällen“ im Zirkuszelt eröffnete Festival fand am Donnerstag und Freitag auf der Alm seine Fortsetzung.

Die Atmosphäre des 2023 von der Osttiroler Musicbanda Franui zu ihrem 30-Jahr-Jubiläum erstmals ausgerichteten Musikfestivals bleibt auch in der Wiederholung einzigartig. Auf der steil ansteigenden Almwiese vor der Open-Air-Bühne auf der Unterstalleralm in 1.673 Metern Seehöhe lagert ein buntes Völkchen in meist ebenso bunter Wander- oder Funktionskleidung (nicht wenige reisen mit Fahrrad oder E-Bike an), streckt alle Viere von sich, baumelt mit der Seele und lauscht der Musik.

Einzigartige Atmosphäre

Dass man in den Pausen bei Kaspressknödeln, Hirselaibchen und Geigenseer Hochkultur-Bier sofort mit anderen Besuchern ins Gespräch kommt und dabei entdeckt, dass ein Astrophysiker aus Wien ebenso den Weg ins hinterste Villgratental genommen hat wie Nordtiroler Ehepaare, die davon berichten, ob der vielen Festivals in ihrer Heimat regelrecht in den Kulturstress zu kommen, aber dabei braun gebrannt und glücklich wirken, zählt zu den vielen Besonderheiten des Hoch Kultur Festivals. 

Dass man von seinem Liegeplatz aus nicht mehr nur auf Almen, Bergspitzen und Wälder blickt, sondern auch auf nach Borkenkäfer-Befall und Windbruch gerodete Hänge, zählt zu den Neuerungen, auf die man gerne verzichten würde. Der Klimawandel richtet auch in Osttirol arge Schäden an, auch wenn die Almwiesen trotz langer Trockenheit noch immer in ein sattes Grün getaucht sind. 

Ein Bühnenbild, „das es kein zweites Mal auf der Welt gibt“. Hoch Kultur auf der Unterstalleralm.
Pianistin Johanna Summer am Freitag auf der Open-Air-Bühne in 1.673 Metern Seehöhe. Fotos: Bernhard Poscher

Und weil das Wetter bei einem Freiluft-Festival stets eine Rolle spielt: Dank gnädiger Wolken und früh hinter den hohen Bergen verschwindender Sonne, war die Hitze aushaltbar, und auch die Gewitter hielten sich zurück - womit das teure Schlechtwetter-Zelt bis auf den fulminanten Eröffnungsabend ungenützt blieb. 

Ungewöhnliche Kombinationen, unerwartete Zusammenhänge

Das Hoch Kultur Festival ist freilich nicht nur wegen der Location und seiner Begleitumstände außergewöhnlich. Das Musikprogramm ist es ebenfalls. Die Musicbanda Franui, die selbst programmatisch auf „Kontextverschiebung“ setzt und von Klassik bis Jazz, von Literatur bis zum Lied auf vielen Kirtagen tanzt und dort jeweils für Aufhorchen und Ohrenspitzen sorgt, versteht es auch als Festivalgestalter für ungewöhnliche Kombinationen zu sorgen, die Neues entstehen oder unerwartete Zusammenhänge wahrnehmen lassen.

Unvergesslich, wenn die Sopranistin Christiane Karg gemeinsam mit Franui Lieder von Gustav Mahler und Richard Strauss vorträgt und Zeilen wie „Die Sonne scheidet hinter dem Gebirge / In alle Täler steigt der Abend nieder“ (aus dem Lied von der Erde) über der Bergwelt schweben. Mit Strauss wolle man sich künftig unter dem Motto „Mehr Garmisch, weniger Walhalla!“ mehr beschäftigen, hatte Franui-Mastermind Andreas Schett im APA-Interview angekündigt, und wer weiß, vielleicht bekommt man ja 2028 bei der dritten Festival-Auflage gar seine „Alpensinfonie“ zu hören.

Am Donnerstag bezauberte auch die Kombination des aus Musikern aus China, Österreich und Norwegen gebildeten Simply Quartet, das Stücke von Hugo Wolf, Bedrich Smetana, Dmitri Schostakowitsch und Joseph Haydn spielte, und dem Budapester Zymbal-Virtuosen Áron Horváth, der als „Rising Star“ durch Europas Konzerthäuser tourt. Ähnlich glückhaft erwies sich am Freitag das Zusammenspiel der Improvisationskünstlerin Johanna Summer am Klavier und der Techno-Band Elektro Guzzi, die jeweils auf ganz eigene Art meditative Stimmung verbreiteten und die Gedanken des Publikums mit den Wolken in die Ferne ziehen ließen.

Pierre-Laurent Aimard als Festivalgast in Wanderkleidung

Auch Wort und Witz passen in dieses Alpen-Woodstock. Die von Bryan Benner und The Erlkings englisch dargebotenen Schubert-Lieder - von „Das Wandern ist des Müllers Lust“ bis zur „Forelle“ mit Jodelbegleitung durch das Publikum - wurden von Akkordeonistin Chassot u.a. mit Bach, Satie und einem bretonischen Volkslied kombiniert. Die letzten der jeweils drei Sets brachten die Band Ronin des Schweizer Jazzpianisten Nik Bärtsch, die auf der Alm Jazzclub-Atmosphäre verbreitete, sowie Franui selbst mit einer Kombination ihrer Klassiker von Trauermärschen bis Schubert-Liedern. Einer der Höhepunkte wurde die Vertonung eines Gedichts von Franz Hohler durch Markus Kraler und Andreas Schett als „Volkslied mit Flugzeug“ - während sich langsam ein Kondensstreifen über dem Himmel ausbreitete.

Am Samstag kommt - neben dem estnischen Vokalensemble Vox Clamantis, dem Gitarristen Wolfgang Muthspiel und Bariton Florian Boesch - auch jener prominente Pianist zum Einsatz, der in den vergangenen Tagen leger in Wanderkleidung als simpler Zuhörer die Atmosphäre genoss: Pierre-Laurent Aimard ist mit Schubert-Ländlern angekündigt. „Er spielt seit vielen Jahren grundsätzlich nie im August“, erzählte Schett im Vorfeld. „Auf unsere Bitte hat er gemeint: Man muss Grundsätze haben - aber man muss sie auch umwerfen können.“ Er dürfte es nicht bereuen.


Von Wolfgang Huber-Lang, APA

Ein Posting

Ein Osttiroler Mädel
vor 2 Stunden

hallo an alle!

ich habe leider gestern meinen Autoschlüssel beim konzert verloren. 😢 vielleicht hat ihn jemand zufällig gefunden. kein Anhänger nur ein kleines, schwarzes kastl.

 
0
0
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren