Traditionell wird der Hohe Frauentag in Tirol zum Anlass genommen, um verdiente Persönlichkeiten aus Tirol und Südtirol zu ehren. Im Rahmen des Festakts in der Kaiserlichen Hofburg zu Innsbruck vergaben Landeshauptmann Anton Mattle und Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher am Samstag insgesamt 46 Verdienstkreuze sowie 140 Verdienstmedaillen des Landes Tirol.
Darüber hinaus wurden 23 Personen für die Rettung von Menschen aus einer Lebensgefahr in elf Fällen mit der Tiroler Lebensrettungsmedaille ausgezeichnet. Der Ehrentitel „Erbhof“ wurde 14 Familien verliehen.
Selbstloses Handeln in Ausnahmesituationen
Die Tiroler Lebensrettungsmedaille würdigt das Engagement von Menschen, die in einer Ausnahmesituation selbstlos gehandelt und dadurch andere aus einer Lebensgefahr gerettet haben. Unter den geehrten Lebensretter:innen befindet sich auch Hildegard Granegger aus Lienz, die sich um die Rettung einer attackierten und schwerverletzten Person verdient gemacht hat.
Verdienstkreuz: Verdienste um Land und Menschen
Das Verdienstkreuz ist nach dem Ring und dem Ehrenzeichen die dritthöchste Auszeichnung des Landes, mit dem Persönlichkeiten gewürdigt werden, die sich in herausragender Weise um das Land und seine Menschen verdient gemacht haben.
Aus dem Bezirk Lienz wurde Theresia Monika Rainer aus Matrei für Verdienste um den regionalen Tourismus als Obfrau des Privatvermieterverbandes und Initiatorin von Weiterbildungsmaßnahmen ausgezeichnet.

Ebenfalls Ehrungen erhielten Franz Hopfgartner aus Hopfgarten in Defereggen für seine Verdienste um die kommunale Infrastruktur und die regionale Sicherheit im Defereggental sowie Egon Kleinlercher aus St. Jakob in Defereggen für sein Engagement rund um das Tiroler Rettungswesen auf Bezirks- und Landesebene sowie die Gründung und den Aufbau der Ortsstelle Defereggen. Für seine Verdienste um das Gemeinwohl und die Tourismusförderung in Iselsberg-Stronach wurde Thomas Tschapeller mit dem Verdienstkreuz gewürdigt.
Verdienstmedaille: Ehrenamt und Einsatz für Gemeinwohl
Die bronzevergoldete Verdienstmedaille erhielten Personen, die sich über viele Jahre mit ehrenamtlichem Einsatz und außergewöhnlichem Engagement für das Gemeinwohl eingesetzt haben.
Aus Osttirol wurden Harald Draxl aus Nikolsdorf für sein Engagement im Feuerwehrwesen, Reinhold Habernig aus Leisach für seine Verdienste um das Sozialwesen, Christine Hofmann aus Außervillgraten für ihre Bemühungen um das Gemeinwohl und die Pfarre, Franz Holzer aus Amlach für seine Tätigkeit in der Gemeinde, in Vereinen und der Kirche, Erwin Mattersberger aus Lienz für seine Verdienste um das Österreichische Bundesheer, die Sicherheit und den Katastrophenschutz in Lienz sowie Josef Robert Possenig für sein Engagement für das Gemeinwohl, das Vereinswesen und die Medienarbeit gewürdigt.

Weitere Verdienstmedaillen wurden an Dietmar Prantl aus Lienz für Verdienste um das Tiroler Sozial- und Gesundheitswesen, Robert Reiner aus Amlach für sein soziales Ehrenamt und das karitative Engagement in Tirol, Anton Riepler aus Kals für Bemühungen um die alpine Sicherheit und Jugendsensibilisierung und Markus Tönig aus Hopfgarten im Defereggen für Verdienste um das Feuerwehrwesen, insbesondere im Bereich der Ausbildung, vergeben.
Für ihre Tätigkeit im Bereich der alpinen Sicherheit bzw. Jugendarbeit in den Vorjahren wurde Franz Holzer aus Matrei sowie Martin Rainer aus Thurn die Verdienstmedaille überreicht.
Erbhof: mindestens 200 Jahre Familienbesitz
Darüber hinaus wurden landwirtschaftliche Betriebe zu „Erbhöfen“ erklärt. Voraussetzung für diese Auszeichnung ist, dass sich der Betrieb seit mindestens 200 Jahren in gerader Linie oder in der Seitenlinie bis zum zweiten Grad im Besitz derselben Familie befindet.

Das Recht, die Bezeichnung „Erbhof“ zu tragen, wurde der Familie Steiner aus Nußdorf-Debant („Gerlhof“), der Familie Jestl aus Virgen („Virger Messner“), der Familie Ladstätter aus St. Jakob in Defereggen („Jaggler“) sowie der Familie Pfurtscheller aus Kals am Großglockner („Egger“) verliehen.
Tiroler Grüne kreiden niedrigen Frauenanteil an
Kritik am Prozedere der Landesauszeichnungen kommt am Montag per Aussendung von den Tiroler Grünen, deren Frauensprecherin Zeliha Arslan sich am niedrigen Frauenanteil von 29 Prozent unter den Ausgezeichneten stößt. „Es ist zwar Hoher Frauentag, aber sobald es zu den Landesauszeichnungen kommt, herrscht ein extrem niedriger Frauenanteil vor. Das zeigt einmal mehr, wie weit wir in Tirol von echter Gleichstellung weg sind. Es fehlt nicht nur die faktische Gleichstellung in der Arbeitswelt und in der Care-Arbeit, sondern auch bei der öffentlichen Anerkennung von Leistungen", so Arslan.
Eine Auswertung der veröffentlichten Liste der diesjährig ausgezeichneten Personen zeige, von insgesamt 201 mit Verdienstmedaille, Verdienstkreuz oder Lebensrettungsmedaille ausgezeichneten Personen sind lediglich 58 Frauen und 143 Männer. Der Frauenanteil liegt damit bei 28,9 Prozent. Bei den Verdienstmedaillen wurden 38 Frauen und 98 Männern geehrt- nicht einmal drei von zehn Geehrten sind Frauen. Bei den Verdienstkreuzen liegt der Frauenanteil mit 39,5 Prozent geringfügig höher.
Arslan betont, dass sie keinem Mann die Verdienste absprechen wolle, aber die Frage zu stellen sei, warum es die Leistungen von Frauen seltener bis zur Landesauszeichnung schaffen. Sie fordert deshalb eine jährliche transparente Geschlechterstatistik über Nominierungen und tatsächlich verliehene Landesauszeichnungen sowie eine Überprüfung des Nominierungsverfahrens. Gemeinden, Verbände, Institutionen und Organisationen müssten zudem noch ausdrücklicher dazu angehalten werden, Frauen gleichermaßen für Ehrungen vorzuschlagen.
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