29 Prozent der Tiroler Schüler:innen haben im vergangenen Schuljahr oder in den vergangenen Sommerferien Nachhilfe in Anspruch genommen. Das zeigt das aktuelle Nachhilfe-Monitoring der Arbeiterkammer Tirol. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil um vier Prozent gestiegen.
16 Prozent der Schüler:innen nutzten bezahlte Nachhilfe, zehn Prozent griffen auf private Angebote zurück. Acht Prozent nahmen kostenlose schulische Lernhilfe in Anspruch. Weitere zwei Prozent hätten zwar Nachhilfe gebraucht, aber keine erhalten. Damit liegt der tatsächliche Gesamtbedarf laut AK bei 31 Prozent – das entspricht rund 27.000 Kindern und Jugendlichen in Tirol. Im Vorjahr lag die Zahl nur bei 29 Prozent (24.000 Kindern).

Eltern zahlen durchschnittlich 670 Euro
Tiroler Eltern gaben im vergangenen Jahr und in den letzten Sommerferien durchschnittlich rund 670 Euro pro betroffenem Kind für Nachhilfe aus. Im Vorjahr waren es rund 660 Euro. Insgesamt flossen in Tirol somit rund 9,3 Millionen Euro in Nachhilfe.
Mathe weiterhin Hassfach
Am häufigsten nutzen die Betroffenen Nachhilfe vor Schularbeiten und Tests. 51 Prozent der Schüler:innen nehmen sie vor allem in solchen Situationen in Anspruch. Zusätzliche Lernhilfe während des Jahres erhalten nur rund 36 Prozent.
Wie zuvor bleibt Mathematik mit 63 Prozent das häufigste Nachhilfefach. Dahinter folgen Deutsch mit 29 Prozent und Fremdsprachen mit 20 Prozent. Am teuersten fällt Nachhilfe in Fremdsprachen aus: Dafür zahlten Familien im Schnitt rund 960 Euro. Für die Fächer Mathematik (rund 670 Euro) und Deutsch (rund 600 Euro) müssen Eltern im Vergleich nicht so tief in die Tasche greifen.
Notendruck als Hauptgrund
Für mehr als die Hälfte der Schüler:innen geht es bei der Nachhilfe darum, die Zeugnisnote zu verbessern oder die Aufnahme in eine höhere Schulform zu schaffen. 28 Prozent wollen lediglich eine Nachprüfung oder eine negative Note vermeiden. Bedenklich ist, dass Eltern von jedem sechsten Kind angeben, sie organisieren Nachhilfe für ihre Kinder, weil sie den Stoff im Unterricht schlicht und einfach nicht verstanden haben.
Bereits Volksschulkinder sind betroffen: 19 Prozent erhalten externe Nachhilfe. In der dritten Schulstufe sind es elf Prozent, in der vierten Schulstufe 16 Prozent. Das Ziel: Die Aufnahme in ein Tiroler Gymnasium schaffen.

Hilft Nachhilfe überhaupt?
Nachhilfe scheint also das zu bieten, was im Klassenzimmer leider oft fehlt oder zu kurz kommt: individuelle Zuwendung, das Lernen in Kleingruppen, Lernen im eigenen Tempo und ein gezieltes Eingehen auf den Förder- und Lernbedarf der einzelnen Kinder. Laut den befragten Eltern hilft Nachhilfe und führte in 73 Prozent der Fälle zum gewünschten Schulerfolg.
Eltern sind stark gefordert
Laut Arbeiterkammer Tirol nutzen 36 Prozent der Tiroler Schüler:innen kostenlosen Förderunterricht an der Schule. Bei Mittelschüler:innen liegt der Anteil sogar bei 55 Prozent. Gleichzeitig geben aber 16 Prozent an, dass es an ihrer Schule praktisch keinen Förderunterricht gibt.
Daher sei es laut AK nicht verwunderlich, dass fast drei Viertel (71 Prozent) gelegentlich Unterstützung von den Eltern beim Lernen oder den Hausaufgaben erhalten. Ein Fünftel wird sogar beinahe täglich von den Eltern unterstützt. 40 Prozent der Eltern fühlen sich dabei fachlich überfordert, 79 Prozent empfinden die zusätzliche Lernbegleitung als zeitliche Belastung. AK-Präsident Erwin Zangerl sieht die ganze Sache kritisch und erklärt, dass nicht das Können der Kinder sondern die Zeit das Wissen und die finanziellen Mittel der Eltern über deren Zukunft entscheidet.
„Offenkundig entscheidet also nicht das Können der Kinder über ihren Weg, sondern die Zeit, das Wissen und die finanziellen Mittel der Eltern“
AK-Präsident Erwin Zangerl
AK fordert mehr Unterstützung
Die Arbeiterkammer fordert unter anderem mehr Lehrpersonal, zusätzliche Zeit zum Üben in den Schulen sowie ein besseres Entlastungspaket für armutsgefährdete Familien und Alleinerziehende. Auch spezifische Unterstützungsangebote wie Ferien- und Lerncamps sowie eine Anhebung und Ausweitung der Schüler:innenbeihilfe seien notwendig.
Die AK als Vorreiter
Mit der kostenlosen AK-Lernbegleitung am BFI Tirol und der Sommerschule Plus bietet die Arbeiterkammer bereits eigene kostenlose Lernangebote an. Die kostenlose AK Lernbegleitung wird das ganze Schuljahr über begleitend zum Unterricht am BFI Tirol angeboten. In den Sommerferien gibt es kostenlose Angebote wie die Sommerschule Plus. Dafür investiert die AK Tirol heuer insgesamt 700.000 Euro. Das Land Tirol unterstützt die Workshops der Sommerschule Plus mit weiteren 500.000 Euro.
Die repräsentative Erhebung wurde vom Meinungsforschungsinstitut IFES durchgeführt. Für Tirol wurden 599 Schüler:innen aus 402 Haushalten befragt (bundesweit: 4.691 Schulkinder in 3.208 Haushalten). Die Interviews fanden zwischen Mitte März und Mitte Mai 2026 statt.
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