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Landesrätin Astrid Mair tritt zurück

Die ÖVP-Politikerin bewarb sich als amtierende Landesrätin um einen Topjob bei der Polizei.

Die Tiroler Sicherheitslandesrätin Astrid Mair (ÖVP) muss nach einer verunglückten „Karriereplanung“ den Hut nehmen. Anton Mattle ziehe die Reißleine, schreibt die Tiroler Tageszeitung, aus der der Landeshauptmann erst von der Berufsplanung seiner Landesrätin erfuhr. 

Worum geht es? Astrid Mair war früher Bezirkspolizei-Kommandantin von Kufstein. Jetzt bewarb sich um die stellvertretende Leitung der Fremdenpolizei. Soweit so gut. Doch Astrid Mair ist Mitglieder der Landesregierung und hat deshalb ein Berufsverbot. 

Kein Problem, meint die 44-Jährige. Würde sie den akut ausgeschriebenen Job bekommen, könne sie ja Landesrätin bleiben und sich von einem Kollegen bis zur Rückkehr in die Landespolizeidirektion vertreten lassen.

„Ich bin nicht politikmüde, ganz im Gegenteil. Ich bin mit Leidenschaft dabei und liebe meine Aufgaben“, meinte Mair zur TT. Und weiter: „Ich habe den Großteil meines Berufslebens der Polizei gewidmet.“ Irgendwann werde sie zur Exekutive zurückkehren: „Daher muss ich mich rechtzeitig um meine Karriere kümmern.“ 

„Krisen- und Katastrophenmanagement“ steht auf Astrid Mairs Jacke. Das ist für die 44-jährige Landesrätin nun offenbar in eigener Sache angesagt. Foto: Land Tirol

Ein mehr als durchsichtiger Schachzug. Als stellvertretende Leiterin der Fremdenpolizei – und wer würde an Mairs Bestellung zweifeln – könnte sie den derzeitigen Leiter Harald Baumgartner nach dessen wahrscheinlicher Pensionierung kommendes Jahr beerben und damit noch eine Sprosse der Karriereleiter hinaufklettern. 

Die so erreichte Position wäre schließlich „Sprungbrett“ um möglicherweise ihrem Lebensgefährten, Landespolizeidirektor Helmut Tomac, nachzufolgen, der auch nicht mehr allzu lange bis zur Pensionierung hätte. Die private Verbindung Tomac-Mair hatte übrigens bereits im Zuge ihrer Bestellung zur Landesrätin für politische Kritik gesorgt.

Doch die rührige Karrieristin machte die Rechnung offenbar ohne den Wirt, sprich die Tiroler ÖVP.  Alles andere als Begeisterung löste Mairs Ehergeiz offenbar in der Tiroler ÖVP und bei Landesparteiobmann Landeshauptmann Anton Mattle aus. Was zu Mittag noch Spekulation war, wurde am Nachmittag zur Gewissheit. 

Mattle zog offenbar die Reißleine und Mair, die ohnehin schon seit längerem als politische Wackelkandidatin galt, muss den Hut nehmen. Eine Privilegien- und Postendebatte kann der Landeschef ein Jahr vor der Landtagswahl nicht gebrauchen.

Schon bevor der Rücktritt bekannt wurde, wetzte die gesamte Tiroler Opposition die politischen Messer. Scharfe Kritik trifft nicht nur Mair, sondern vor allem an der ÖVP. Mair habe „jegliches G’spür für politischen Anstand verloren“, attackierte sie Liste-Fritz-Obfrau Andrea Haselwanter-Schneider. Der öffentliche Bereich sei „kein ÖVP-Selbstbedienungsladen“. 

„Diese Geschichte ist mittlerweile so absurd, dass man sie sich kaum ausdenken könnte.“

Birgit Obermüller, Neos

„Posten besetzen, um sie dann nicht zu besetzen, ist ganz alter Polit-Stil“, stimmte auch Grünen-Landessprecher und Klubobmann Gebi Mair mit ein. Der Versuch von Astrid Mair, gleich mehrere Stellen im öffentlichen Dienst innezuhaben und sie dann durch andere ausführen zu lassen, reihe sich in ein bekanntes Bild ein. Das eigene Sicherheitsressort Mairs sei zudem ein „gescheitertes Experiment“. Der grüne Klubobmann sprach sich dafür aus, dass die frei werdenden Agenden innerhalb der Landesregierung aufgeteilt würden.

„Diese Geschichte ist mittlerweile so absurd, dass man sie sich kaum ausdenken könnte“, meinte indes Neos-Landessprecherin und Klubchefin Birgit Obermüller: „Wer mitten in der Amtszeit die berufliche Zukunft absichert, hat den Kopf offenbar längst woanders.“ Bei der Tiroler ÖVP bekomme man zunehmend den Eindruck, Spitzenfunktionen würden „im immer gleichen Familien-, Partei- und Bekanntenkreis weitergereicht“.

Etwas andere Töne kamen unterdessen von FPÖ-Chef Markus Abwerzger. Er ortete auf Facebook „Chaos-Tage innerhalb der ÖVP“. Offenbar werde die Sicherheitslandesrätin „intern abserviert“. Er könne sich nicht vorstellen, dass die jetzige Causa dafür ursächlich sei: „Die Gelegenheit hat sich halt dazu geboten. Aus meiner Sicht ist das kein guter Stil. Aber dafür ist die ÖVP auch bekannt.“ Abwerzger nannte Mair „noch einen Lichtblick innerhalb der schwachen Tiroler Regierungsmannschaft“.

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