Was auf den ersten Blick logisch klingt, ist bei näherem Hinsehen nicht sehr realistisch. Vor einigen Wochen ließ der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle mit einem Vorschlag zur Pensionsreform aufhorchen. Im Ö1-Mittagsjournal trat er dafür ein, dass man frühestens mit 65 in den Ruhestand wechseln können soll. Dafür sollen mindestens 45 Jahre an Arbeitszeit nachgewiesen werden. Wer diese nicht hat, müsste länger als bis 65 arbeiten.
Nun hat sich das Momentum Institut angesehen, welche Auswirkungen dieser Pensionsvorschlag auf den Pensionsjahrgang 2025 hätte. Das Ergebnis ist ernüchternd.
Zwei Drittel der Menschen, die vergangenes Jahr in Pension gingen, hatten keine 45 Versicherungsjahre zusammen. Auch zwischen den Geschlechtern zeigt die Analyse deutliche Unterschiede: Während rund die Hälfte der Männer (54 Prozent) zusätzliche Arbeitsjahre benötigt, wären es bei Frauen mehr als vier von fünf (82 Prozent).
Unter den Männern des Pensionsjahrgangs 2025 haben nur 46 Prozent die 45 Versicherungsjahre beim Pensionsantritt zusammen. Die anderen 54 Prozent müssen, um die 45 Versicherungsjahre zu erreichen, noch weitere Jahre erwerbstätig sein. Ein Fünftel müsste sogar noch mindestens 11 Jahre oder länger im Beruf bleiben, 8 Prozent sogar mehr als 20 Jahre.
Zwei Drittel bliebe Pensionsantritt verwehrt
Mit einer Verpflichtung von 45 Versicherungsjahren hätten 44.037 Personen (19.620 Männer und 24.417 Frauen) letztes Jahr nicht in Pension gehen dürfen. Das entspricht zwei Dritteln des Pensionsjahrgangs 2025.
Während 17.009 Männer und 5.487 Frauen bereits 45 Versicherungsjahre erreicht haben, müssen die verbleibenden Personen zwischen wenigen Monaten und mehr als zwei Jahrzehnten länger arbeiten. Mehr als 20 Jahre fehlen bei 2.756 Männern und 3.675 Frauen. Hier hätte auch eine Anrechnung von Erziehungszeiten bei weitem nicht ausgereicht.
Es gibt aber noch einen Faktor, der gegen den Mattle-Vorschlag spricht. „Bevor die Regierung überhaupt darüber nachdenkt, das Antrittsalter anzuheben, muss sie den Arbeitsmarkt entsprechend vorbereiten und Unternehmen in die Pflicht nehmen Arbeitsplätze für Ältere zu schaffen und sie auch im Job zu behalten“, erläutert Nicolas Prinz, Ökonom am Momentum Institut. „Ansonsten schickt sie etliche Menschen in die (Langzeit-)Arbeitslosigkeit vor der Pension.“
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