Felix Gall hat seine erste Chance nach dem verletzungsbedingten Aus von Topstar Tadej Pogacar bei der Vuelta a Espana nicht genutzt. Der 28-jährige Osttiroler musste sich am Sonntag bei der Bergankunft der neunten Etappe am Alto de Aitana trotz offensiver Fahrweise seines Teams Decathlon mit Rang vier begnügen. Der Mitfavorit ist zwar weiter Gesamtdritter, er verlor aber 18 Sekunden auf den siegreichen Spitzenreiter Enric Mas. Gall fehlen nun 1:39 Minuten auf den Spanier.
Die enorm harte Bergetappe über 187 km im Hinterland der Costa Blanca, mit mehr als 5.000 jene mit den meisten Höhenmetern der laufenden Spanien-Rundfahrt, war lange von einer großen Ausreißergruppe geprägt. 50 km vor dem Ziel übernahm Decathlon für Gall im Feld das Kommando. Das Peloton fuhr mit knapp fünf Minuten Rückstand auf die Spitze in den 22 km langen und durchschnittlich 5,8 Prozent steilen Schlussanstieg.
Dort forcierten Galls Teamkollegen noch einmal das Tempo. Neun Kilometer vor dem Ziel übernahm Landsmann Gregor Mühlberger als letzter Helfer die Führungsarbeit und sprengte bereits bei der Sieben-Kilometer-Marke die Favoritengruppe. Gall war fortan auf sich alleine gestellt, absetzen konnte er sich trotz mehrerer Versuche aber nicht. Drei Kilometer vor dem Ziel attackierte Mas, der Decathlon-Kapitän konnte nicht mehr folgen.
Fingerzeig von Spitzenreiter Mas
Der davor früh isolierte Movistar-Profi Mas setzte sich im Sprint gegen den Briten Oscar Onley durch. „Das Rote Trikot hat mir Flügel verliehen. Ich bin sehr stolz und glücklich“, sagte der 31-Jährige, der am Vortag durch Pogacars schweren Sturz samt Schlüsselbein- und Halswirbelbruch die Gesamtführung übernommen hatte.
Gall betrieb im Finish bei der Radarstation des spanischen Militärs auf 1.543 m Seehöhe Schadensbegrenzung. Der Giro-Zweite kam sechs Sekunden hinter dem drittplatzierten Slowenen Primoz Roglic ins Ziel. Sein zweiter Etappensieg bei einer großen Landesrundfahrt nach jenem auf der Königsetappe der Tour de France 2023 blieb ihm vorerst verwehrt.
Weiter enges Rennen in Gesamtwertung
In der Gesamtwertung liegt Gall nun 21 Sekunden hinter Roglic. 41 Sekunden hinter ihm lauert Onley, weitere 1:06 Minuten dahinter Routinier Richard Carapaz. Mühlberger ist 7:33 Minuten hinter Mas weiterhin Gesamtneunter. „Man wünscht niemandem etwas Schlechtes, aber das Rennen ist jetzt wieder offen“, sagte Roglic nach dem verletzungsbedingten Aus von Landsmann Pogacar. Der 36-Jährige könnte mit seinem fünften Vuelta-Triumph zum alleinigen Rekordhalter avancieren. „Man kann immer noch hoffen, aber mit dem Tag bin ich nicht zufrieden.“
Am Montag steht der erste von zwei Ruhetagen der Spanien-Rundfahrt auf dem Programm, ehe es am Dienstag in der Provinz Albacete mit einer hügeligen Etappe über 184 km von Alcaraz nach Elche de la Sierra weitergeht. Zwölf Etappen sind bis zur Zielankunft in zwei Wochen in Granada noch zu absolvieren, darunter ein 32 km langes Einzelzeitfahren und drei schwere Bergankünfte.
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