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Tarif-Wirrwarr beim Laden von E-Autos

ÖAMTC kritisiert große Preisunterschiede. Im Extremfall fast das Zweieinhalbfache des günstigsten Preises.

Der ÖAMTC fordert dringend Verbesserungen bei der Tarifgestaltung an den E-Ladesäulen. So könne beim Laden an einer Ladesäule, je nachdem welche Ladekarte verwendet wird, im Extremfall fast das Zweieinhalbfache des günstigsten Preises verrechnet werden. Obwohl die Preise laut der EU Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR) einfach, transparent und vergleichbar sein müssten. „Die Praxis sieht allerdings anders aus“, stellt dazu ÖAMTC-Direktor Ernst Kloboucnik fest.

Anders als für Benzin und Diesel gebe es zumeist keine oder keine klare Preisauszeichnung an der Station. Und je nach verwendeter Ladekarte würden am selben Ladepunkt oftmals sehr unterschiedliche Tarife verrechnet, was mitunter an hohen Fremdkarten-Tarifen liegt. Auch die Wahl der Zahlungsmethode spiele eine Rolle.

Der ÖAMTC beruft sich auf eine Studie von Arthur D. Little im Auftrag des Klubs, die Ladepreise von 18 der größten österreichischen Anbieter untersucht hat. Analysiert wurden jeweils die Preise je Kilowattstunde ohne Grundgebühr beim Laden mit der Ladekarte des Ladestellenbetreibers, mit einer Kreditkarte und das Standardangebot für konkurrierende Ladeanbieter. Das Ganze für Standard-, Schnell- und Ultraschnell-Ladesäulen.

Teure Fremdnetze

Ergebnis demnach: In zwei Dritteln aller untersuchten Fälle haben Endkunden, die per Kreditkarte bezahlen, einen besseren Preis bekommen als konkurrierende Ladekarten-Betreiber per Standardangebot („Offer-to-All“). Gegenüber den Ladepreisen, die Ladestellen-Betreiber ihren eigenen Kundinnen und Kunden verrechnen, zahlten Fremdnetze in 90 Prozent aller Fälle mehr. Maximal betrug dieser Aufschlag 118 Prozent.

Laut ÖAMTC Ladekompass differieren die Preise für Konsumenten maximal um beinahe 70 Cent pro kWh - was Mehrkosten von 142 Prozent gegenüber dem günstigsten Ladetarif entspricht. „Das wäre, als würde man an einer Tankstelle für einen Liter Diesel anstatt 2 Euro sogar 4,80 Euro bezahlen“, rechnet der Klub vor.

Verweis auf Mobilfunk

Der ÖAMTC Direktor fordert „wirksame Regeln, die national auch durchsetzbar sind“. „Technisch funktioniert das Laden über verschiedene Anbieter längst. Jetzt braucht es klare Spielregeln für transparente Preise und faire Bedingungen. Gelingt das mit der Überarbeitung der AFIR nicht, könnte es notwendig werden - angelehnt an die Roaming-Regulierung im Mobilfunk - massiv in den Markt einzugreifen und etwa konkrete Grenzen für Aufschläge oder Höchstpreise für Endkund:innen vorzuschreiben“, so Kloboucnik.

Einer aktuellen Studie von Forschern der Technischen Universität München zufolge haben Elektro-Autos inklusive der Emissionen bei der Herstellung sowie durch den Stromverbrauch durchschnittlich eine um 41 Prozent bessere CO2-Bilanz als Verbrenner. Die Studienautoren fordern, dass für die Klimabilanz von Autos künftig ein „lebenszyklusbasierter Standard“ zum Tragen kommt, „der jeden nachweisbaren Beitrag zur Senkung fossiler Emissionen anrechnet“. CO2-Emissionen ausschließlich in den Abgasen und damit am Auspuff zu messen, sei wissenschaftlich nicht haltbar, erklären die Forscher.

Energieunternehmen gegen Preis-Obergrenzen

Der Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ), der die Interessen von 13 österreichischen Energieunternehmen vertritt, unterstützt zwar das Ziel, Ladepreise transparent und einfach vergleichbar zu machen, lehnt aber pauschale Preisobergrenzen nach dem Vorbild des Mobilfunk-Roamings ab. Da öffentliche Ladeinfrastruktur eine physische Energieinfrastruktur sei, würden sich die Kosten je nach Ladeleistung, Netzanschluss, Standort, Auslastung und Betrieb erheblich unterscheiden.

Preisobergrenzen könnten dazu führen, dass insbesondere weniger stark ausgelastete Standorte im ländlichen Raum oder in Wohngebieten wirtschaftlich schwerer zu betreiben seien und der Ausbau dadurch gebremst werde, warnte BEÖ-Vorsitzender Andreas Reinhardt am Mittwoch. Für den Tarifvergleich verwies der BEÖ auf den unabhängigen Lade-Tarifkalkulator der E-Control (ladetarif.at).

2 Postings

Shusha
vor 4 Tagen

Langsam frage ich mich wirklich: Will man die Menschen für die E-Mobilität gewinnen – oder sie möglichst erfolgreich davon abschrecken? Beim Tanken von Benzin oder Diesel sehe ich den Preis und weiß, was mich der Liter kostet. Beim Laden eines E-Autos brauche ich offenbar bald Ladekarten, Apps, Tarifkenntnisse und am besten noch eine kleine Ausbildung zum Tarifexperten. Je nachdem, wie und bei wem ich bezahle, kann derselbe Strom an derselben Ladesäule plötzlich erheblich mehr kosten. Ganz ehrlich: Da entsteht bei mir als Konsumentin das Gefühl, für dumm verkauft zu werden. Und dann wundert sich die Politik, warum viele Menschen der E-Mobilität skeptisch gegenüberstehen? Wer möchte, dass wir ALLE unseren Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten, muss die Voraussetzungen dafür schaffen: einfach, transparent, nachvollziehbar und fair. Warum gibt es nicht an jeder öffentlichen Ladesäule einen klar ersichtlichen Preis pro kWh – so selbstverständlich wie den Preis pro Liter an der Tankstelle? Warum muss der Konsument erst herausfinden, mit welcher Karte, App oder Zahlungsmethode er gerade nicht draufzahlt? Umweltschutz darf kein Tarifdschungel sein. Wer Veränderung von den Menschen verlangt, muss sie auch praktikabel machen. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die Politik hier weniger zusieht und endlich klare Spielregeln schafft.

 
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    Biker
    vor 4 Tagen

    @Shusha, Habs mir komplizierter vorgestellt. 95% wird Zuhause geladen hier ist laden günstig und einfach. Bei längeren Fahrten kann ich jederzeit mit der Ladekarte oder App meines Autoherstellers laden. Dieser Tarif gilt beim Großteil der HPC Ladesäulen Europaweit. Hier ist der Preis in etwa mit Tanken von Diesel od. Benzin vergleichbar. Bei Ladesäulen die vom Autohersteller betrieben werden zahl ich nur die Hälfte. Hab dann noch die Tiwag Ladekarte mit der ich bei Tiwageigenen HPC Säulen billiger laden kann. Die Ersparnis macht aber bei einem normalen Ladevorgang 20 - 80% nur ein paar Euro aus.

    Mehr brauch ich nicht und will ich nicht. Die Forderung nach einheitlichen Tarifen wird die Ladepreise vermutlich nur teurer machen. Alles wo der Staat eingreift wird teurer.

     
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