Rund ein Jahr vor der Landtagswahl starteten die Tiroler Grünen, unterstützt von Bundessprecherin Leonore Gewessler, mit einer Kampagnepräsentation in den politischen Herbst, die ein Gesicht und zwei Schwerpunkte in den Fokus rückt.
Von den Plakaten lacht ausschließlich Spitzenkandidat Gebi Mair, als mittlerweile einzige echte Gallionsfigur der Grünen in Tirol. Mair macht sogar seine eigene Handynummer öffentlich: „Wer ein Anliegen hat, soll den kürzest möglichen Draht zur Politik haben. Unter 0699 12 847 606 erreicht man kein Sekretariat und keinen KI-Bot, sondern direkt mich.“

Inhaltlich legen die Grünen den Finger auf die Reizthemen „Wohnen“ und „Verkehr“. Für Mair hat die Landesregierung in beiden Bereichen zu wenig geliefert: „In fast jedem Gespräch mit Bürger:innen kommen Wohnen und Verkehr zur Sprache. Den Menschen reichen die enorm hohen Wohnkosten genauso wie der Transit-Tinnitus, der viele täglich belastet. Sie fühlen sich weder von ÖVP noch SPÖ ausreichend vertreten. Dabei gibt es politische Lösungen. Was fehlt, sind Mut und Konsequenz bei der Umsetzung.“
Was wären diese politischen Lösungen aus der Sicht der Grünen? Beim Wohnen schärfere Anti-Spekulations-Maßnahmen und ein klarer Vorrang für gemeinnützige Bauträger. Mair will Gemeinden verpflichten, geeignete Grundstücke für den gemeinnützigen Wohnbau bereitzustellen.
Um sowohl den Individualverkehr als auch die Lebenshaltungskosten zu reduzieren, wollen die Grünen schrittweise die Öffis kostenlos machen. Wie das finanziert werden solle, ist für Mair auch klar: „Wir haben im Jahr 50 Millionen Nächtigungen. Die Gäste aus aller Welt sind herzlich willkommen, aber es ist ein Fakt, dass sie Tirol insgesamt auch teurer machen.“
Deshalb plädieren die Grünen für einen aus ihrer Sicht fairen Ausgleich: „Die Tiroler:innen sollen nicht nur die Belastungen tragen, sondern auch davon profitieren. Ein paar Euro mehr bei der Nächtigungsabgabe werden niemanden vom Tirol Urlaub abhalten, aber damit können wir die zu hohen Lebenshaltungskosten der Tiroler:innen senken.“ Die Reaktion der Touristiker dürfte nicht lange auf sich warten lassen.
9 Postings
@senf...Auch wenn ich diemal in vielem zustimmen kann, sollte man doch differenzieren. Viele Jugendliche haben heute nicht einmal einen Führerschein und nutzen ausschliesslich die Öffis. Ausserdem ist für viele ein Auto schon längst kein Statussymbol mehr, genauso wie ein Adriaurlaub. @steuerzahler... Wenn in einem der reichsten Länder der Welt (auch dank der vielen Steuerflüchtlinge) die Öffis gratis sind, dann sind sie das wahrscheinlich in erster Linie um den Individualverkehr zu reduzieren. Die dichte Besiedelung Luxemburgs kann man kaum vergleichen mit den Zuständen in Osttirol, wo die Raum- und Stadtplanung eher mangelhaft war und ist.
Luxemburg hat sogar eine niedrigere Gesamtbesteuerung. Zum Unterschied, wir verprassen das Steuergeld in einer völlig überzogenen Verwaltung und im Luxusföderalismus. Da bleibt für Sinnvolles nichts mehr übrig.
Fein, dann könnten die Touristen gratis Bus fahren. Aber kein Wort zur Umfahrung Lienz bzw. Kitzbühel, das könnte doch 380 Kilovolt Spannung verursachen.
wäre natürlich wünschenswert und viele Städte und Regionen zeigen, wie einfach das mit einer Querfinazierung machbar ist. Beispiele dafür gibts allerdings nicht in Österreich und schon gar nicht in Tirol, sondern in deutlich moderneren und aufgeschlossenen Gesellschaften nördlicher.
Der Begriff Gratis Öffis ist übrigens nicht ideal. Richtig wäre eher Freie Öffis bzw. Fahrscheinfreie Öffis.
Mit den fahrscheinfreien Öffis könnte man in Lienz einen Versuch starten. Einnahmen werden diese derzeit wohl kaum bringen. Die Geisterbusse sind eindeutig ohne jede Kostendeckung unterwegs. Wenn man die Benützung ohne Fahrschein erlaubt, kostet es auch nicht mehr, aber der Anreiz zur Benützung wäre höher. Vielleicht gewöhnt sich die Bevölkerung ja dann an die Busse...
Wie wärs mit Tages- Wochen- oder Jahresticket? Für Einzelfahrten gibts ja eh den "Flugs"
Was nix kostet ist nix wert (Reimmichl)
@ senf: "was nix kostet..." damit stimme ich nicht überein. Ich habs ausprobiert und zwar in Luxemburg. Wir haben es als sehr hochwertig, sympatisch und ansprechend empfunden und auch sehr gerne genutzt. Im Gegensatz zu anderen Städten oder Ländern mit ihrem Tarifdschungel, Zonengrenzen, unbrauchbaren Zahlungsmethoden usw. In Lienz wärs eh wurscht, die paar Tickets schmälern das Defizit nur minimal.
Also den Gedankengang hinsichtlich Mobilität so mancher Menschen ist mir schleierhaft. Von günstigen Tickets für Öffis wollen die Leut wie es scheint nix wissen, sie wollen wenn schon überhaupt gratis fahren ohne nachzudenken wer das letztlich zahlt. Sie schreiben ja selber "Wir haben es als sehr hochwertig, sympathisch und ansprechend empfunden ..." Nona! Finanziert wird der Öffi-Luxus in Luxebburg wahrscheinlich vom Steuerzahler ;-)
Beim Autileinkauf verhält es sich anscheinend ganz anders, weils wurscht isch, was so ein Ding kostet, Hauptsache großkotzart, mit 150 bis 300 Pferdestärken, a Innenausstattung wie a klimatisierter Medien- Schmink- und Steuerraum (wo sie 90% der Tasten eh ned brauchn, weil sie sich ned auskennen), und a Arschheizung. Das Ganze landet dann nach 10 Jahren Kritisiererei über die Wahnsinns Sprit- oder Stromkosten beim Rossbacher (?) zum Einstampfn. Und ja, die wohnbaugeförderte Garage fürs Heiligtum koscht a no a Haufn Geld dazu - leider auch ohne Auto.
Die Nachbarn schielen dann beim Vorführer und Neuwagenkauf hinterm Vorhang und das ermutigt, noch einen luxeriöseren Nachfolger anzuschaffen, es lockt ja zudem eine Sonder-Abverkaufsrabatt (der längst einkalkuliert wurde) und man ist dann ja wer.
Aja, der Kofferraumdeckel schließt von selber, man spart Zeit und – ein paar Stöckelschuhe! Verrückte Welt. Ob das bereits eine Auswirkung der Hitzetage ist?
@senf: ich weiß sehr wohl, daß der öffentliche Verkehr etwas kostet. In Luxemburg wird er vollständig aus Steuermitteln finanziert. Das weiß dort jeder und nutzt es entsprechend. Auch ich habe durch meinen Aufenthalt Steuern abgeliefert. Es macht halt einen Unterschied, wenn ich weiß, daß das Geld sinnvoll eingesetzt wird. Bei uns hat man diesen Eindruck immer weniger.
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