Am Dienstag, 22. September, spricht Reinhard Heinisch, Autor und Professor für Politikwissenschaft, im Bildungshaus Osttirol über die Ursachen und Konsequenzen der massiven Systemkrise, die in den USA derzeit zu beobachten ist.
Neue Weltordnung als Ziel
Heinischs Analyse der politischen Verhältnisse und ihrer Ursachen nimmt in erster Linie Donald Trump in den Blick, der in den USA zentrale politische Brandmauern durchbrochen hat und einen tiefergreifenden Umbau des Staates vorantreibt. Dieser reicht weit über nationale Politik hinaus und zielt auf eine neue Weltordnung.

Innenpolitisch stehen die Vereinigten Staaten vor ihrer schwersten Systemkrise seit dem Bürgerkrieg; die Demokratie war nie zuvor so akut gefährdet. Ein tief gespaltenes Parteiensystem und eine extrem polarisierte Gesellschaft bilden den Nährboden dieser Entwicklung.
Die amerikanische Verfassung ist historisch alt, zugleich jedoch hochgradig flexibel und offen für unterschiedliche politische Interpretationen – eine Eigenschaft, die derzeit gezielt genutzt wird. Mächtige politische und wirtschaftliche Kräfte stehen hinter Trump und unterstützen aktiv die Aushöhlung demokratischer Institutionen, die Schwächung des Rechtsstaats und die Stärkung oligarchischer Macht-Strukturen.
Wann und wo?
Der Vortrag findet am Dienstag, 22. September, von 19 bis 21 Uhr im Bildungshaus Osttirol, Pfarrgasse 6, statt. Freiwillige Spenden sind erbeten.
Über den Referenten
Reinhard Heinisch ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Salzburg. Er ist Autor von 13 Büchern und mehr als 100 wissenschaftlichen Aufsätzen, davon 50 in führenden internationalen Fachzeitschriften. Seine Schwerpunkte liegen in der vergleichenden Populismus- und Demokratieforschung.
2 Postings
Warten wir mal ab , was in Sachsen-Anhalt passiert. Wie im Rostgürtel der USA mit seinen Industriefriedhöfen, sehen sich auch die Menschen in den Ländern der ehemaligen DDR abgehängt und zurückgelassen, in die Armut gedrängt. Im Osten Deutschlands sind weite, vorallem ländliche Gebiete deindustrialisiert und entvölkert, wenn das auch in Ballungszentren ganz anders ausschaut und der Wohlstand insgesamt deutlich gestiegen ist. In solchen Regionen, hier wie dort, sind charismatische Hoffnungsträger ( für was auch immer ) wie Trump und der AfDmann Siegmund erwartungsfroh willkommen. Letzterer möchte gleich einmal dem rechtlich öffentliche MDR die Lizenz entziehen und "undeutsche Kunst" zurückdrängen, "deutsches Denken" einfordern. Unverhohlener Nazisprech. Nun ist Sachsen-Anhalt nicht die BRD, schon gar nicht die USA, doch die Zeichen stehen an der Wand. Die Verfassung der USA war immer eher auf Freiheit als auf Gleichheit ausgelegt, mehr auf Eigenverantwortlickeit und Selbsthilfe als auf staaatlich institutionelle Kontrolle, Solidarität und Wohlfahrt. Dazu kommt noch , dass die Amerikaner durchschnittlich religiöser als die Europäer sind, bis hin zur fundamental-evangelikalen, auch theokratischen Ausprägung ( Thiel ! ). Da können quasireligiöse Figuren wie Trump natürlich reüssieren. Auf eines kann man sich aber immer verlassen : politische Modelle wie MAGA, AfD, FPÖ ua. sind Garantien für einen wirtschaftlichen und menschenrechtlichen Abstieg.
Man sieht, wie auch durch demokratische Wahlentscheidungen das scheinbar so gefestigte Gefüge der "checks and balances" ins Wanken geraten, wenn durch entsprechende Mehrheitsverhältnisse im weitgehend entmündigten Repräsentantenhaus und Senat die parlamentarischen Kontrollmechanismen versagen, wenn der Oberste Gerichtshof, von Trump während der ersten Regierungszeit vorsorglich mit konservativer Richterschaft versorgt, diesem für jedes politische Freibeutertum einen Freibrief ausstellt, auch die Exekutivgewalt zunehmend an sich zu ziehen und sich weitgehender Immunität sicher zu sein. Missliebige Wissenschaften auszuhebeln und den freien Medien, in Amerika immer starke Wächter und ein Hort der Demokratie, das Wasser abzugraben, ist dann schon die leichtere Übung. Alles generalstabsmäßig vorbereitet ua von der heritage foundation mit ihrer Agenda des antiliberalen Autoritarismus umd seinen vielen Masterminds wie Carl Schmitt, Leo Strauss, Thiel, Yarvin, Vance uvm. Die zT. weitgehende politische Unabhängigkeit der einzelnen Staaten und die Stellung der Verfassung im Bewußtsein der amerikanischen Gesellschaft lässt aber noch Spielraum für Hoffnung.
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