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Zusätzlicher Schülerzug von Spittal nach Lienz

Des einen Freud, des anderen Leid. Von Spittal nach Mallnitz fällt eine Verbindung weg. Proteste angekündigt.

Ab 14. September wird das bisherige Nachmittags-Zugpaar zwischen Spittal-Millstättersee und Mallnitz-Obervellach eingestellt. Gleichzeitig kommt ein zusätzlicher Schülerzug von Spittal nach Lienz hinzu, der vor allem Jugendlichen nach der sechsten Unterrichtsstunde eine frühere Heimfahrt ermöglichen soll.

Die Fahrplanänderungen im Überblick

Konkret entfällt im Mölltal der bisherige Nahverkehrszug 4696, der um 17.04 Uhr in Spittal-Millstättersee abfährt und in Richtung Mallnitz-Obervellach fährt. Auch der Gegenzug 4697 ab Mallnitz-Obervellach um 17.36 Uhr wird aus dem Fahrplan genommen.

Damit bleibt auf der Regionalbahnstrecke zwischen Spittal und Mallnitz künftig nur noch das Zugpaar am Morgen erhalten, das vor allem für Schülerinnen, Schüler und Pendler relevant ist. Die betroffenen Halte in Pusarnitz, Mühldorf/Möllbrücke und Kolbnitz verlieren damit ihre regelmäßige Nachmittagsverbindung in Richtung Mölltal.

Zeitgleich wird ab Schulbeginn ein neuer Zug um 13.42 Uhr ab Spittal-Millstättersee nach Lienz geführt. Dieser zusätzliche Nachmittagszug soll insbesondere Schülerinnen und Schülern entgegenkommen, deren Unterricht nach der sechsten Stunde endet. Die Änderung betrifft somit zwei unterschiedliche Korridore: Während das Angebot Richtung Osttirol erweitert wird, fällt im Mölltal ein späteres Regionalzugpaar weg.

ÖBB argumentieren mit Bedarf

Aus Sicht der ÖBB und des Verkehrsverbunds Kärnten ist die Umstellung eine Reaktion auf einen konkreten Bedarf am Schulstandort Spittal. Der neue Zug nach Lienz ermögliche vielen Schülerinnen und Schülern eine zusätzliche, zeitlich besser passende Heimfahrt am frühen Nachmittag. Grundlage seien die vom Land Kärnten bestellten Verkehrsleistungen.

Zugleich verweisen ÖBB und Verkehrsverbund auf die geringe Nutzung des bisherigen Zugpaares nach Mallnitz: Im Durchschnitt hätten zuletzt nur vier Fahrgäste täglich diese Verbindung genutzt. Da nicht ausreichend Zugmaterial zur Verfügung stehe, könne der neue Schülerzug nicht zusätzlich zu allen bisherigen Leistungen angeboten werden. Der Zug werde daher mit dem bisherigen Nachmittagsangebot ins Mölltal getauscht.

Die ÖBB argumentieren außerdem, dass die Verbindung zwischen Spittal und Mallnitz grundsätzlich weiterhin gut erschlossen bleibe: Neben den Fernverkehrszügen und weiteren Bahnangeboten gebe es auch Busverbindungen. Für Fahrgäste zwischen Spittal und Mallnitz seien damit weiterhin zahlreiche Reisemöglichkeiten vorhanden, auch wenn nicht alle Züge an den kleineren Stationen im unteren Mölltal halten.

Team-Kärnten-Chef Köfer will Landtag befassen

Spittals Bürgermeister und Team-Kärnten-Chef Gerhard Köfer begrüßt zwar den neuen Schülerzug nach Lienz, lehnt aber ab, dass dieser durch den Entfall einer bestehenden Verbindung im Mölltal finanziert oder betrieblich ermöglicht wird. Seine zentrale Forderung lautet: Mehr öffentlicher Verkehr müsse tatsächlich eine Ausweitung des Angebots bedeuten – und dürfe nicht dazu führen, dass eine Region für Verbesserungen in einer anderen Region Verbindungen verliert.

„Der zusätzliche Schülerzug ist sinnvoll und wichtig. Aber er darf nicht der Preis dafür sein, dass das Mölltal eine bestehende Nachmittagsverbindung verliert“, erklärt Köfer. „Wer Menschen zum Umstieg auf Bahn und Bus bewegen will, muss Verbindungen schaffen und verlässlich absichern. Das Mölltal darf nicht weiter verkehrspolitisch ausgedünnt und aufs Abstellgleis gestellt werden.“

Köfer sieht insbesondere die kleineren Orte entlang der Strecke benachteiligt. Denn Fernverkehrszüge können zwar die Relation Spittal–Mallnitz bedienen, halten aber nicht in Pusarnitz, Mühldorf/Möllbrücke oder Kolbnitz. Für Bewohnerinnen und Bewohner dieser Orte sei der weggefallene Regionalzug daher nicht ohne Weiteres durch andere Bahnverbindungen ersetzbar. Der Spittaler Bürgermeister kündigt an, das Thema mit einer Landtagsinitiative aufzugreifen und auf eine Korrektur der Entscheidung zu drängen.

Gerhard Pirkner

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis. Mehr von Gerhard Pirkner

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