Die Zahl rechtsextremer Tathandlungen in Österreich ist im ersten Halbjahr 2026 erneut gestiegen. Von Jänner bis Juni wurden österreichweit 862 entsprechende Delikte registriert, um knapp zehn Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres mit 787 Fällen. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 bedeutet dies sogar einen Anstieg um rund 55 Prozent.
Die Zahlen gehen aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung von Innenminister Gerhard Karner an die SPÖ-Abgeordnete Sabine Schatz hervor. Sie setzen einen Trend der vergangenen Jahre fort: 2023 wurden insgesamt 1.208 rechtsextreme Tathandlungen erfasst, 2024 waren es 1.486, im Jahr 2025 bereits 1.986.
Von den im ersten Halbjahr registrierten Fällen waren laut Anfragebeantwortung 761 explizit rechtsextrem motiviert. Dazu kamen 55 rassistische, 26 antisemitische und zwölf islamophobe Tathandlungen. Insgesamt verzeichneten die Behörden 1.004 Anzeigen im Zusammenhang mit rechtsextremistischen, fremdenfeindlichen, rassistischen, islamfeindlichen oder antisemitischen Delikten.
Mehr Anzeigen nach dem Verbotsgesetz
Besonders deutlich stieg die Zahl der Anzeigen nach dem Verbotsgesetz: Sie erhöhte sich von 785 auf 887. Rund 90 Prozent der nachgewiesenen Tathandlungen wurden Männern zugerechnet.

Für Andreas Kranebitter, den wissenschaftlichen Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW), ist der Anstieg nicht mit einem einzigen Faktor zu erklären. Er verweist auf eine höhere Bereitschaft in der Bevölkerung, Vorfälle zu melden, auf ein stärkeres Problembewusstsein und eine intensivere Ermittlungsarbeit der Polizei. Zugleich nehme aber auch die rechtsextreme Aktivität in der Gesellschaft zu.
„Alle drei Ebenen tragen zum Anstieg bei. Rechtsextremismus ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit“, erklärte Kranebitter in einer Aussendung. Wer die Entwicklung kleinrede oder leugne, mache sich mitverantwortlich. „So wie es nach diesem Sommer allen klar sein muss, dass man sich lächerlich macht, wenn man den menschengemachten Klimawandel leugnet, macht man sich genauso lächerlich, wenn man den Anstieg und die stärkere Aggressivität der extremen Rechten leugnet.“
Forderung nach Maßnahmenbündel
Das DÖW begrüßt, dass die Bundesregierung an einem Nationalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus arbeitet. Das Archiv beteiligt sich nach eigenen Angaben an mehreren Arbeitsgruppen sowie am wissenschaftlichen Beirat. Der Plan soll im Winter fertiggestellt werden und Maßnahmen in den Bereichen Bildung und Demokratieförderung, Prävention und Früherkennung sowie Strafverfolgung und Resozialisierung bündeln.
Aus Sicht des DÖW braucht es dabei einen breiten Ansatz: wissenschaftliches Monitoring und Analyse, Präventionsangebote, Medienkompetenz, Programme für den Ausstieg aus rechtsextremen Szenen sowie eine konsequente Verfolgung einschlägiger Straftaten durch Polizei und Justiz. Auch gesetzgeberische Fragen müssten geklärt werden. Kranebitter verwies auf den antifaschistischen Auftrag aus Staatsvertrag und Bundesverfassung und die Frage, wie dieser zeitgemäß umgesetzt werden könne – etwa um nicht nur nationalsozialistische, sondern auch faschistische Organisationen wirksam zu verbieten.
„Was jedenfalls nicht geht, ist, die Forderungen der Identitären salonfähig zu machen“, sagte Kranebitter. Es sei unerheblich, ob dies aus wahltaktischem Kalkül oder aus Überzeugung geschehe. Wer dies tue, nehme die Schwächung der Demokratie nicht nur in Kauf, sondern arbeite aktiv daran.
SPÖ-Abgeordnete Schatz forderte angesichts der Entwicklung eine rasche Umsetzung des Aktionsplans. „Wir dürfen uns auf keinen Fall daran gewöhnen, dass rechtsextreme Straftaten und Gewalt immer weiter zunehmen“, erklärte sie. Neben einem konsequenten Vorgehen gegen rechtsextreme Täter brauche es wirksame Prävention, politische Bildung und Unterstützung für Betroffene. Auch die Grünen drängen auf konkrete und ambitionierte Maßnahmen und sehen den Rechtsextremismusbericht des DÖW als wesentliche Grundlage für den Aktionsplan.
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