Alte Lieder bleiben oft ein Leben lang im Kopf – selbst dann, wenn Menschen mit Alzheimer viele andere Dinge bereits vergessen haben. Aber was passiert im Gehirn, wenn Betroffene nicht nur alte Hits hören, sondern völlig neue Lieder singen lernen? Das testet jetzt das internationale Forschungsprojekt „Musik für das Gedächtnis“ unter der Leitung der Psychologin Anja-Xiaoxing Cui von der Universität Wien.
Zusammen mit Experten aus Norwegen und Argentinien geht das Team davon aus, dass selber singen besser für den Kopf ist, als Musik nur passiv anzuhören. Bei einer Alzheimer-Erkrankung nehmen bestimmte kognitive Bereiche des Gehirns Schaden. Die Hoffnung der Experten ist es daher, durch das aktive Singen andere, noch intakte Netzwerke im Gehirn anzuregen und zu trainieren.
Gesangsunterricht im eigenen Wohnzimmer
Für das Projekt bekommen rund 100 Alzheimer-Patient:innen ab 65 Jahren ein ganzes Jahr lang Gesangsunterricht. Dafür kommt ein Musiktherapeut zu ihnen nach Hause. Musikalisch muss man dafür übrigens nicht sein: Gesucht werden ganz bewusst Menschen, die bisher keine Musiker:innen waren. Geübt werden einfache, eingängige Lieder, die extra für diesen Test geschrieben wurden.
Um Veränderungen genau zu dokumentieren, wird die Hirnaktivität der Teilnehmenden im Laufe des Jahres regelmäßig medizinisch überwacht. Die Forscher wollen so herausfinden, ob Musik als Brücke dienen kann, um verschüttete Erinnerungen wieder abzurufen.
Ergebnisse bis 2029 erwartet
Handfeste Ergebnisse gibt es aktuell noch nicht, da die Langzeitstudie erst gestartet ist und bis 2029 läuft. Parallel durchgeführte Forschungen mit Säuglingen stützen jedoch die Grundannahme des Teams: Sie zeigen, dass das Gehirn Musik schon sehr früh verarbeitet und diese stark mit Bewegung verknüpft.
Keine Postings
Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren