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Ein Kirchenraum als großes sakrales Gefäß

Künstlerin Annelies Senfter hat den Altarraum der Wallfahrtskirche Böckstein neu definiert.

Für Osttiroler:innen ist Böckstein vermutlich vorwiegend der „letzte Bahnhof vor Mallnitz“ und vor dem Tauerntunnel. Doch die Gemeinde im Gasteinertal hat mit der der Pfarr- und Wallfahrtskirche „Maria vom Guten Rat“ auch ein sakrales Bauwerk besonderer Güte zu bieten. Das Gotteshaus ist eng mit der Geschichte des Gasteinertals und insbesondere mit der Tradition des Bergbaus verbunden.

Die Wallfahrtskirche „Maria vom Guten Rat“ in Böckstein. Foto: Andrew Phelps

Nach Plänen des Hofbauverwalters Wolfgang Hagenauer wurde diese Kirche 1764–1766 errichtet und am 26. Juli 1767 vom Salzburger Erzbischof persönlich geweiht. Hagenauer schuf einen Zentralraum auf der Grundlage eines längsgezogenen Achtecks. Im Inneren öffnet sich ein Längsoval mit einer großen Kuppel, deren Fresko der Augsburger Maler Johann Weiß schuf.

Der „Tag des Denkmals“ am heutigen Sonntag, 27. September, war Anlass für eine besondere Führung in der Böcksteiner Kirche. Die Osttiroler Künstlerin Annelies Senfter und Architekt Theo Deutinger gaben spannende Einblicke in ihre Ideen und Überlegungen hinter einer bemerkenswerten Neugestaltung des Altarraums der Kirche.

Künstlerin Annelies Senfter stammt aus Leisach und lebt in Salzburg. Foto: Stadt Salzburg

Das Projekt wurde heuer fertiggestellt und von Annelies Senfter konzipiert. Es ist der erste architektonischen und künstlerische Eingriff seit der Errichtung der Kirche. Senfters Konzept verbindet Altar, Ambo und liturgische Ausstattung zu einem harmonischen Ensemble, das sensibel auf die historische Architektur Wolfgang Hagenauers reagiert, die historische Identität des Kirchenraums bewahrt und zugleich neu erfahrbar macht.

Die liturgischen Reformen im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzils (1962–1965) führten zu einer stärkeren Beteiligung der Gemeinde an der Liturgie. Die Feier versus populum, also mit Blick auf die Gemeinde, brachte eine grundlegende Veränderung der liturgischen Ausrichtung. In vielen Kirchen wurden kurzfristig und mit begrenzten Mitteln einfache „Volksaltäre“ eingeführt. Heute werden viele dieser provisorischen Lösungen durch neue Gestaltungen ersetzt, die sensibler auf die Architektur und den Charakter des jeweiligen Kirchenraums reagieren. So auch in Böckstein.

Sieben dreidimensionale Schalen aus Messing sind in Altar und Ambo eingelassen.
Wie goldene Nähte durchziehen sie die liturgischen Elemente. Fotos: Andrew Phelps

Annelies Senfter versteht den Kirchenraum als eine Art großes Gefäß. Sieben dreidimensionale Schalen aus Messing sind in Altar und Ambo eingelassen. Wie goldene Nähte durchziehen sie die liturgischen Elemente. Jede Schale nimmt eine andere Funktion auf und tritt zugleich in Beziehung zur kraftvollen Geometrie der großen ovalen Kuppel. Ihre Formensprache schafft eine visuelle Verbindung zwischen der liturgischen Ausstattung und der übergeordneten Gestalt der Kuppel und lässt so einen Dialog zwischen der bestehenden Architektur und der neuen Intervention entstehen.

Die Sedilien und die Kerzenleuchter sind aus Messing gefertigt. Altar, Ambo, Sedilien und Kerzenleuchter stehen auf einer ovalen Plattform, die den oval geformten Hochaltar räumlich ergänzt und vollendet. Anstatt autonome Einzelobjekte in den Raum zu stellen, verfolgt der Entwurf das Ziel, Altar, Ambo und Sedilien zu einem zusammenhängenden räumlichen Ensemble zu verbinden.

Ihre Formen, Proportionen und Positionierungen unterstreichen die zentrale Bedeutung des Altars und schaffen zugleich eine subtile Hierarchie zwischen den verschiedenen liturgischen Orten. Auf diese Weise führt die Neugestaltung die Sprache der Hagenauer fort und verleiht ihr zugleich einen zeitgenössischen Ausdruck, der fest in der Architektur der Pfarr- und Wallfahrtskirche Böckstein verwurzelt ist.

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