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Wie berichtet man über den Klimawandel?

Welche Nachrichten können Menschen zu klimafreundlichem Verhalten motivieren, fragt sich ein Forschungsteam.

„Mega-Hitze-Welle“, „Extrem-Temperaturen“, „Waldbrände wüten im Süden Europas“, „Klimakollaps“: Angesichts eines Dauerfeuers an alarmierenden Meldungen ist es nachvollziehbar, wenn man Zeitung oder Smartphone beiseitelegt oder statt der ZiB lieber zum Unterhaltungsprogramm wechselt.

Medienschaffende stellt das vor ein Problem: Die Auswirkungen der Klimakrise werden immer gravierender, dementsprechend wird auch die Wortwahl angepasst. Statt von Erderwärmung oder Klimawandel sprechen Medien mittlerweile von Erderhitzung oder Klimakrise. Das mag fachlich richtig sein, beim Publikum kommt das nicht immer gut an. Die wenigsten Menschen beschäftigen sich gerne rund um die Uhr mit Katastrophen. Letztlich stehen Medienschaffende vor der Frage: Was nützt die Wahrheit, wenn sie niemand hören will?

Diesem Dilemma hat sich ein interdisziplinäres Team an der Universität Graz gewidmet. Wissenschaftler:innen aus verschiedensten Fachrichtungen, über Sozial- bis Neurowissenschaften, forschten im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts zur Klimaberichterstattung und ihrer gesellschaftlichen Wirkung. Im Mittelpunkt stand, wie bedrohungs- und lösungsorientierte Botschaften klimafreundliches Verhalten fördern beziehungsweise behindern können.

Lösungen statt Schwarzmalerei

Es wurden drei Dimensionen untersucht: die mediale Kommunikation an sich, deren Einfluss auf die Selbstwahrnehmung und die psychologischen Reaktionen, die diese Berichtersattung auslöst.

Marie Kogler ist Projektleiterin und forscht in der Umweltsystemwissenschaft an der Uni Graz. Zur Analyse, wie über Klima berichtet wird, hat das Forschungsteam Artikel im Zeitraum von 2002 bis 2023 untersucht. Es zeichnete sich ein deutlicher Trend ab: Ab 2016 wurde viel intensiver und differenzierter über das Klima berichtet. „Auch die einfache Annahme, Klimajournalismus sei vor allem Schwarzmalerei, wurde durch unsere Studie etwas ausgehebelt“, erklärt Kogler. Ab 2018 wurden lösungsorientierte Berichte nämlich mindestens genauso häufig publiziert wie bedrohungsorientierte.

Seit 2016 gibt es einen deutlichen Anstieg der Klimaberichterstattung. Diagramm: Marie Kogler

Frage der Selbstwirksamkeit

Was macht das nun mit den Konsument:innen? Sind Menschen infolge des Konsums von Klima-News bereit, ihr Verhalten zu ändern - etwa indem sie weniger Auto fahren, auf Flugreisen oder Fleisch verzichten?

„Das Interessante war, dass der direkte Effekt nicht entlang der Unterscheidung zwischen lösungs- oder bedrohungsorientierten Statements messbar war“, erklärt Annina Thaler, Projektverantwortliche für den Bereich „Empirische Sozialforschung“. Wesentlicher waren die dadurch ausgelösten Emotionen.

Bedrohliche Szenarien führen bei vielen Rezipient:innen zu Phänomenen wie Klimaangst - bei manchen übersetzt sich diese in Hoffnungslosigkeit, andere jedoch motiviert sie zu politischem Engagement. Ähnlich zweischneidig verhält es sich mit lösungsorientierten Berichten. Sie können Wohlgefühl vermitteln und Engagement dadurch ausbremsen, oder aber motivieren, da sie konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Es gibt in der Klimakommunikation also keine Allerweltslösung. Der entscheidende Faktor, so Thaller, sei aber tatsächlich die Frage der Selbstwirksamkeit: Haben Menschen das Gefühl, dass sie mit ihren Handlungen etwas bewirken können? Spätestens hier spielen Faktoren wie Einkommen, soziales Umfeld oder vorhandene Infrastruktur eine Rolle. Wenn ein Wohnort nicht an den öffentlichen Verkehr angebunden ist, können dessen Bürger:innen schwer auf das Auto verzichten - unabhängig davon, welche Medien sie konsumieren.

Hoffnungslosigkeit überwinden

Eine Ebene tiefer bohrte das neurowissenschaftliche Team von Florian Fischmeister an der Medizinischen Universität Wien. Proband:innen wurden verschiedene Aussagen zum Thema Klima vorgelegt, mittels MRT-Untersuchungen wurde beobachtet, welche Reaktionen diese im Gehirn auslösen. „Das Gehirn reagierte ähnlich auf bedrohliche und lösungsorientierte Klimaaussagen. Insgesamt wurden negative Klimanachrichten jedoch etwas weniger leicht verarbeitet, als neutrale Nachrichten“, erklärt Projektmitarbeiterin Gabija Aurylaite. Auffällig war: „Bei lösungsorientierten Botschaften zeigte sich außerdem etwas mehr Aktivität in Bereichen, die mit Mobilisation zusammenhängen.“ Dieser Befund sei allerdings noch vorläufig, wird betont.

Das Forschungsprojekt läuft noch bis Ende des Jahres und neue Publikationen sind in Vorbereitung. Kogler und das Projektteam wollen mit ihrer Forschung allerdings nicht an der Bürotür haltmachen. Die Ergebnisse geben sie in Workshops und Webinaren an Journalist:innen, NGOs oder Politiker:innen weiter. Mit diesen Angeboten sollen konkrete Strategien zur Verbesserung der Klimakommunikation entwickelt werden. Das Ziel: Menschen zu klimafreundlicherem Verhalten zu motivieren – auch wenn es dafür kein Patentrezept gibt.

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