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Tirol sucht Lehrlinge, Wien sucht Betriebe

Während in Wien eine Lehrstellenlücke herrscht, gibt es in Tirol sehr viele freie Stellen.

Junge Menschen haben es zunehmend schwer eine Lehrstelle zu finden. Das ergab eine Spezialauswertung des Arbeitsmarktservice (AMS). Die Nachfrage nach Lehrlingen gehe seit einigen Jahren zurück, zeitgleich wachse das Interesse an Ausbildungsplätzen. Dies führe zu einer Lehrstellenlücke, die sich zuletzt immer weiter vergrößert habe.

So waren heuer im September österreichweit um 34 Prozent weniger offene Lehrstellen beim AMS gemeldet als Lehrstellensuchende vorgemerkt. Die Zahl der arbeitssuchenden Lehrlinge legte im September um acht Prozent auf 11.693 Personen zu, während die offenen Lehrstellen österreichweit bei 7.716 stagnierten.

Besonders schwierig gestaltet sich die Situation für Lehrstellensuchende in Wien: Dort kamen zuletzt auf 611 offene Stellen insgesamt 5.551 Suchende.

Ausreißer Tirol

Ein gänzlich anderes Bild präsentiert sich in Tirol, wo es mehr als doppelt so viele Lehrstellenangebote wie Lehrstellensuchende gibt: 1.548 offenen Lehrstellen stehen im Bundesland derzeit 596 Interessent:innen gegenüber. Noch weiter auseinander klafft die Lücke im Bezirk Lienz, wo auf 97 offene Lehrstellen gerade einmal 13 Suchende kommen.

Drittel der Bevölkerung hat Lehrabschluss

Seit dem Höhepunkt ihrer Popularität in den 1970er- bis 1980er-Jahren habe die Lehre als Ausbildungsweg in Österreich über die Jahrzehnte hinweg stetig an Stellenwert verloren, so das AMS.

Dennoch stellten Personen mit Lehrabschluss laut letztverfügbaren Daten aus 2024 mit rund einem Drittel der Bevölkerung von 25 bis 64 Jahren immer noch den mit Abstand größten Anteil. Dabei verfügten 2024 deutlich mehr Männer (37,5 Prozent) als Frauen (24,5 Prozent) über einen Lehrabschluss. Bei Frauen lag der Anteil dieses Ausbildungswegs gleichauf mit jenem einer Hochschulbildung.

Gefragteste Lehrberufe kaum verändert

Die gefragtesten Lehrberufe junger Frauen und Männer haben sich unterdessen in den vergangenen zehn Jahren laut der Auswertung des AMS kaum verändert. Von den zehn im Jahr 2025 am häufigsten über das AMS gesuchten Lehrberufen zählten bei Mädchen acht und bei Burschen sieben auch bereits zehn Jahre zuvor zu den Top-10.

Die 2015 noch erstplatzierte Lehre zur Einzelhandelskauffrau wurde von der Bürokauffrau an der Spitze der beliebtesten Lehrberufe bei Frauen abgelöst, mit deutlichem Abstand folgte Friseurin an dritter Stelle. Bei den Männern wurde die Lehre zum Einzelhandelskaufmann durch den Fahrzeugtechniker als beliebtesten Lehrberuf abgelöst. Auf Platz drei stand die Ausbildung zum Elektrotechniker.

Ein Posting

Mag. Otto Atzwanger
vor 2 Wochen

97 offene Lehrstellen und nur 13 Suchende im Bezirk Lienz: Könnte man aus diesen Zahlen nicht eine konkrete Initiative machen – etwa „Lehrstelle mit Wohnplatz in Osttirol“?

Gemeinsam mit Einrichtungen wie dem Kolpinghaus Lienz, interessierten Ausbildungsbetrieben und dem AMS könnte man Jugendlichen aus anderen Regionen eine passende Lehrstelle samt leistbarer Unterkunft anbieten. Ergänzend wäre ein begleitetes Gastfamilienmodell denkbar: Familien in der Nähe der Lehrstelle nehmen junge Menschen während ihrer Ausbildung auf und bieten ihnen Anschluss und eine verlässliche Ansprechperson.

Vielleicht verdient auch die Ausbildung außerhalb des Elternhauses wieder mehr Aufmerksamkeit. Einen Beruf erlernen, selbstständiger werden und trotzdem gut aufgehoben sein: Das könnte für junge Menschen eine Chance sein und zugleich helfen, offene Lehrstellen in der Region zu besetzen.

 
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