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Pustertalbahn in Ost- und Südtirol katastrophal?

Dolomitenstadt-Leser Andreas Burger teilt seine Erfahrungen in einem Leserbrief. Sie sind nicht berauschend.

Ich bin regelmäßiger Bahnfahrer und kann mittlerweile die Behauptung aufstellen, dass die Pustertalbahn (Linie 400) sowohl in Ost- als auch in Südtirol eine einzige Katastrophe ist (die anderen Bahnlinien Südtirols leider auch). Mich wundert mittlerweile auch nicht, dass die Fahrgäste ausbleiben. Aber von Anfang an:

Start 28.09. um 11.16 Uhr von Meran in Richtung Franzensfeste, von wo aus Anschluss nach Lienz und weiter nach Graz Hbf besteht - meinem Ziel.

Problem 1: Verspätete Abfahrt aus Bozen aufgrund zu vieler Fahrräder. Bedeutet möglicher Anschluss-Verlust in Franzensfeste. Dazu kam es jedoch gar nicht, da der Zug um 12.51 Uhr nach Lienz ausfiel (aufgrund einer Weichenstörung bei Olang). 

Problem 2: Eine Stunde Wartezeit. Keine hilfreiche Aussage oder Antwort vonseiten „Südtirolmobil“, auch der Fahrkartenschalter in Brixen, wo ich meine Fahrt aufgrund der Störung abwartete, verweist auf die Störung und sagt mit Frustration, der nächste Zug sollte wieder planmäßig verkehren - garantieren kann mir das niemand. 

Problem 3: Nächster Zug nach Franzensfeste (Ankunft 13.44 Uhr) ca. 5 Minuten verspätet: Schaff ich den Anschluss nun überhaupt noch? In Franzensfeste angekommen heißt es: Sprinten und Glück haben, dass der Zug um 13.51 Uhr nach Lienz von Gleis 1 abfährt (und nicht vom Stumpfgleis, welches einige Meter südlicher liegt).

Problem 4: Keine (transparente) Kommunikation: In der Zwischenzeit besteht natürlich die Hoffnung, dass die Störung behoben wurde (keinerlei Info oder Auskunft - ah ja geht auch nicht, da die Monitore selten funktionieren und das Südtiroler Bahnpersonal eher nicht motiviert ist, die Lautsprecher zu benutzen. Einige Zugbegleiter berichten selbst von hoher Frustration aufgrund der beinahe täglichen Störungen.

Problem 5: Die veraltete Infrastruktur zwischen Bruneck und Lienz aber auch die neue zwischen Franzensfeste und Bruneck bereiten immer wieder neue Probleme, z.B. Weichenstörung oder aber auch Oberleitungsstörungen.

Planmäßige Ankunft in Innichen um 15.10 Uhr. Nun erfolgt eine sinnlose Wartezeit von 20 Minuten, die viel eher in Franzensfeste für einen garantierteren Anschluss benötigt werden würde. Ausrede RFI: Geht aufgrund der Kreuzungsmöglichkeiten nicht. Geht wirklich nicht oder will man einfach nicht?

Sitze nun im Zug, planmäßige Abfahrt aus Innichen ist 15.33 Uhr. Aufgrund meines Pechs, welches sich schon seit Bozen mitzog, gab es eine Oberleitungsstörung zwischen Sillian und Abfaltersbach.

Währenddessen: Push-Meldungen von der Südtirolmobil-App - ohne die sind Fahrgäste noch ratloser - geben an: Zugstörung auf der Linie 250 und Infrastruktur-Störung auf den Linien 100 und 200: also erneute Ausfälle. Schienenersatzverkehr? Ich glaube das kennt Südtirol nicht, steht da zu 95 Prozent stets KEIN Schienenersatz. Naja wartet der Fahrgast halt 30, 60, 90 Minuten. Wer weiß das schon?

Es bedeutet damit, dass wiederholt alle Bahnlinien in Südtirol von Störungen/Ausfällen betroffen sind. Zeitgleich geht der Krimi im Pustertal weiter: Ist der neue Zug um 16.33 Uhr pünktlich, damit der Anschluss in Villach um 17.44 Uhr erreicht werden kann? Wird die S6 von Lienz nach Villach pünktlich sein, damit der letzte Umstieg Villach-Graz gelingt? 

Tatsächliche Ankunft in Graz Hbf um 20.38 Uhr (Statt 18.38 Uhr). Eine ähnliche Geschichte gab es nebenbei auch am Samstag, 26.09., wo der Anschluss in Franzensfeste nach Meran aufgrund einer Verspätung bei Ehrenburg verpasst wurde. Ich könnte noch stundenlang weiter schreiben, die Probleme werden gefühlt immer häufiger. Wo sind die Lösungen? Besserer Lohn für besseres Personal? Zielgerichteter Ausbau Me-Bz und Pustertal und zwar in einem schnellerem Tempo? 

Die Riggertalschleife löst das Problem im Pustertal nicht, es wird einfach verlagert.

Andreas Burger
Meran/Graz

9 Postings

Muscicapa
vor 2 Wochen

Das geschilderte Erlebnis klingt schlimm, aber meine eigenen Erfahrungen mit dem Bahnverkehr im Pustertal sind eigentlich ganz anders: Ich finde das Wagenmaterial ausgezeichnet und das Angebot insgesamt sehr gut, auch die Sauberkeit. Auf der Pusteralstrecke selbst habe ich noch selten Verzögerungen erlebt. Da ich oft Zug und Radfahren verbinde, freue ich mich über die niveaugleichen Einstiege. Generell finde ich die Situation der Öffis in Südtirol super gut. Natürlich ist es ärgerlich, wenn man in Franzensfeste von Bozen kommend den Anschluss versäumt, weil der Zug nicht wartet, aber das liegt an der Eingleisigkeit der Strecke. Der 30-Minuten-Takt auf Südtiroler Seite erlaubt keine großen Verzögerungen. Der unnötig lange Aufenthalt in Innichen (vor allem im Sommerfahrplan) sollte durch bessere Koordination der beiden Fahrpläne (SAD und ÖBB) verkürzt werden. PS: Dieses ewige Gejammere wegen des eingestellten Direktzuges nach Innsbruck finde ich schön langsam fad. Eine gute Verbindung ist wichtig, ob mit oder ohne Umsteigen ist für mich egal. Wenn es einen Auftrag an die Politiker gibt, dann wäre das nicht die Wiedereinführung des (damals übrigens wenig geschätzten) Direktzuges, sondern der Ausbau Richtung zweites Gleis. Das würde allen Passagieren im ost- und südtiroler Bereich viel bringen, die Möglichkeit eines Schnellzuges und mehr Flexibilität im Betrieb.

 
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amRande
vor 2 Wochen

Größtes Problem: Der von der schwarz-grünen Landesregierung seinerzeit abgedrehte Direktzug Lienz - Innsbruck! Seit Jahrzehnten mangelt es den zuständigen Politikern der hochtrabenden "Europa-Region-Tirol" an der entsprechenden Gesprächs- und Verhandlungskultur! Osttirol hat eben Pech gehabt und bleibt im wahrsten Sinne des Wortes "auf der Strecke".

 
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    unholdenbank
    vor 2 Wochen

    Wann wird das endlich in Eure Köpfe gehen? Der Direktzug wurde von LAbg STEIXNER im Frühjar 2013 abgedreht (https://api-idap.landtag-bz.org/doc/IDAP_736256.pdf, Punkt 12). Damals waren die Grünen noch nicht in der Regierung!!!!! Steixner hat das eingesparte Geld den Unterländern als Wahlzuckerl versprochen. Im Herbst 2013 kam es zur Türkis/Grünen Koalition und als Koalitiosbedingung mussten die Grünen die Einstellung des Direktzuges verkünden und diese Kröte schlucken. Frau Felipe hatte den schwarzen Peter bekommen und musste die Einstellung des Zuges zähneknirschend aus Koalitiostreue auf sich nehmen und alle haben das Märchen geglaubt. Ebenso erging es den Grünen mit den Gemeindegutsagrargemeinschaften. Ja., so sind sie halt die Schwarzen. Selber keine Fehler machen und immer den Koalitionspartner versemmeln. Schlechter Charakter.

     
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Ofentschtsche
vor 2 Wochen

Also ich benütze die Pustertalbahn regelmäßig mit umsteigen nach Mailand. Kann das was hier geschrieben in keinster Weise nachvollziehen ,jedoch empfehle ich Hr.Burger sich an die Regierung zu wenden mit seine Katastrophischen Erlebnissen. Hoffe das in Graz die Bim von einem lokal zum nächsten nie Verspätung hat....

 
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nufets
vor 2 Wochen

So ein Pech aber auch...

 
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Mag. Otto Atzwanger
vor 2 Wochen

Dass eine Reise mit mehreren Störungen und zwei Stunden Verspätung ärgerlich ist, steht außer Frage. Aber daraus gleich die Pustertalbahn in Ost- und Südtirol zur „einzigen Katastrophe“ zu erklären, halte ich für ziemlich überzogen.

Man sollte auch einmal sehen, was auf dieser Strecke inzwischen geboten wird. Die modernen FLIRT-Züge haben für eine Regionalbahn einen außergewöhnlich hohen Standard – ein Komfortniveau, das man in mancher Hinsicht früher eher mit der ersten Klasse verbunden hätte: großzügige und helle Fahrgasträume, ruhiges Reisen, barrierearme bzw. barrierefreie Einstiege, Mehrzweckbereiche und die Möglichkeit, Fahrräder direkt im Zug mitzunehmen. Dazu kommt die Zugbegleitung als persönlicher Ansprechpartner und auf Teilen der Strecke ein Halbstundentakt.

Und man sollte die europäische Dimension nicht vergessen. Die Pustertalbahn verbindet Osttirol und Südtirol über eine Staatsgrenze hinweg. Sie ist damit eine der unmittelbarsten Infrastrukturen des europäischen Zusammenwachsens in unserer Region. Man steigt in Lienz ein und fährt über Innichen und Bruneck weiter Richtung Franzensfeste – im Alltag wird die Grenze dabei immer unbedeutender.

Genau so wird Europa für die Menschen konkret erlebbar.

 
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    gutmensch
    vor 2 Wochen

    es ist/war ja nicht nur "die eine" Reise.

     
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    pierina
    vor 2 Wochen

    Europäisches Zusammenwachsen ??? Europa erlebbar??? Auch die vielgepriesenen Vorteile, ohne Pass vorzeigen über die Grenze, sind nicht haltbar. Kürzlich Pizza essen an der ital.Seite Grenze Arnbach. Kaum über die Staatsgrenze: Carabiniere. Stop. Controllo. Passaporte prego......../ Das ist nur eine Kleinigkeit, die Katastrophe sind ja eigentlich die großen EU-Pläne für Migration, Kriegstüchtigkeit etc. Würde eher sagen: Armes Europa für die Menschen konkret aktuell erlebbar.

     
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      nufets
      vor 2 Wochen

      Na, da holen Sie ja ganz schön weit aus... Was mich betrifft - ja, ich bin auch Europäer. Als solcher fühle ich mich nicht arm. Ich finde es immer noch großartig, dass ich mich in Lienz in einen Zug setzen und nach Meran fahren kann, normalerweise ohne Grenzkontrollen. Klar, ich hab' in meinem Leben auch schon so einiges Unvorhergesehenes auf Reisen erlebt, aber mein Fazit ist ein positives. Ich bin froh, dass ich Europa noch so erleben kann.

       
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