Ihr sage und schreibe 50. Österreich-Konzert haben Deep Purple am Montag in Wien absolviert. Die ergrauten Herrschaften als Rockdinos zu bezeichnen, ist alles andere als dreist, schließlich sind die Herrschaften 78 bis 80 Jahre alt - abgesehen von Neo-Gitarrist Simon McBride, mit 47 das Küken in der Band. Aber von Altersschwäche keine Spur, die Legende lieferte einen grundsoliden Auftritt ab. Zum Jubiläum veredelte Geigerin Lidia Baich den Klassiker „Perfect Strangers“.

Als gut geölte Maschine bewiesen sich die Briten in der Stadthalle ab dem gefühlt ewigen Opener „Highway Star“, durch den man über acht Minuten donnerte: fette Bassläufe, dominantes Keyboard (generell an diesem Abend), ein ordentliches Gitarrensolo und der gewohnt lässig-kräftige Beat von Ian Paice an den Drums. Zwar verzichtet Ian Gillan längst auf Schreiduelle mit der Gitarre, aber gesanglich präsentierte sich der Frontman recht auf der Höhe. Spätestens beim dritten Stück, dem 56 Jahre jungen „Into The Fire“, wurde klar, dass in seiner Stimme noch Power steckt.
Pausen muss man ihnen gönnen
Aber Pausen muss man den Musikern, die mit ihrem aktuellen Album „Splat!“ im Gepäck seit August bis in den Dezember hinein gut 70 Konzerte spielen, gönnen. Dafür gibt es etwa das Gitarrensolo. Bei einem solchen nach schon der dritten Nummer konnte der Nordire McBride den Beweis antreten, warum ihn Gillan - glaubt man Wikipedia - schon vor seinem Einstieg als Nachfolger von Steve Morse (der wiederum den sagenhaften Ritchie Blackmore ersetzte) als einen der besten seiner Zunft weltweit bezeichnete. Übel machte er seinen Job zumindest nicht.
Auf die Dauerbrenner können Deep Purple immer setzen - auf ganz alte wie „Lazy“ (mit einem coolen Instrumentalpart, der Bassist Roger Glover ein Lächeln ins Gesicht zauberte), jüngere wie „Sometimes I Feel Like Screaming“ (die Ballade im Gewitter) oder auf das unverzichtbare „Smoke On The Water“ (das überhaupt nicht ranzig wirkte). Aber auch die neuen Stücke funktionierten hervorragend im Set, allen voran „Arrogant Boy“.
Wiener Melange mit Geigenbegleitung
Als Don Airey zum zweiten Mal zum Keyboard-Solo ansetzte, mag das vielleicht Schnappatmung ausgelöst haben. Doch dann kam Baich auf die Bühne, um im Zusammenspiel mit dem Tastenguru ein bisschen Wiener Melange einzustreuen - inklusive Donauwalzer. Und das folgende „Perfect Strangers“ mit Geigenbegleitung darf sich als Höhepunkt des Gastspiels rühmen, das mit „Hush“ und „Black Night“ zu Ende ging. Soll man da noch groß nörgeln, ob davor wirklich noch ein Instrumentalgefudelstück notwendig war?
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)
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