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Der Matreier Bürgermeister Raimund Steiner flankiert von Finanzverwalter Florian Müller und Amtsleiter Georg Ranacher im Gemeinderat am 6. Oktober 2026. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Der Matreier Bürgermeister Raimund Steiner flankiert von Finanzverwalter Florian Müller und Amtsleiter Georg Ranacher im Gemeinderat am 6. Oktober 2026. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Matrei: Teure Beratung trotz leerer Kassen

Sehr hohe Beträge flossen 2023 und 2024 an eine Consultingfirma. Freigegeben wurde die Zahlung erst jetzt.

„Beschlussfassung über die nachträgliche Genehmigung der Kosten für die BDO Consulting GmbH betreffend die Kosten für die Haushaltskonsolidierung“ – hinter Punkt 14 auf der Tagesordnung der Matreier Gemeinderatssitzung am 6. Oktober verbarg sich ein besonders brisantes Kapitel der „Aufräumungsarbeiten“ nach dem Beinahe-Konkurs der Tauerngemeinde.

Am Anfang dieser Episode stand im Februar 2023 eine Infoveranstaltung vor großem Publikum im Matreier Tauerncenter. Ein Jahr zuvor, im Februar 2022 hatte die Matreier Liste mit Raimund Steiner an der Spitze das Zepter in der Marktgemeinde übernommen, nachdem der Langzeit-Dominator der Matreier Politik, Andreas Köll, freiwillig das Handtuch geworfen hatte und seine ehemalige Gemeinderatsfraktion krachend abgewählt worden war. Sie sitzt nun als Opposition unter dem Namen „Gemeinsam für Matrei“ (GFM) im Rathaus.

Andreas Köll & Co. hinterließen einen Scherbenhaufen, dessen Ausmaß auch beim Land die Köpfe rauchen ließ. Eine Gemeinde in den Konkurs zu schicken, dieses Signal wollte man nicht setzen, Sanierung um fast jeden Preis war angesagt. Wie das gehen sollte, wollten im Februar 2023 auch jene 800 Besucher:innen im Tauerncenter wissen, denen auf dem Podium der neue Bürgermeister Steiner, die damalige Bezirkshauptfrau Olga Reisner, Landesbeamter Magnus Gratl und ein Wirtschaftsprüfer namens Hannes Oberschmid gegenübersaßen.

Hannes Oberschmid erklärt 2023 im Tauerncenter Matrei, was nun zu tun ist. Sein Rat sollte über die Jahre teuer werden. Foto: Dolomitenstadt

Oberschmid hatte die Bücher der Gemeinde durchforstet, in denen fast 37 Millionen Euro an Schulden gefunden wurden, und hielt fest: „Matrei kann aus eigener Kraft keine Investitionen mehr tätigen und keine Kredite mehr bekommen.“ Der Berater arbeitete für ein Consulting-Unternehmen namens BDO Austria und saß deshalb am Tisch, weil Bezirkshauptfrau Reisner den Matreiern geraten hatte, sich professionelle Hilfe für die Sanierung zu holen.

Mehr als dreieinhalb Jahre später, bei der Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag, fragte David Köll von der oppositionellen GFM den Bürgermeister: „Habt ihr damals mehrere Angebote für die Beratung eingeholt?“ Steiner bejahte und erwähnte auch, dass es ein Offert über 15.000 bis 20.000 Euro von der BDO gegeben habe. Von diesen Kosten sei man wohl zunächst ausgegangen. Und es gab Signale, dass das Land die Beratungskosten übernehmen werde.

Doch bald nach der großen Bürgerversammlung im Tauerncenter wurde die Lage unübersichtlich. Das ganze Ausmaß der Katastrophe, die Komplexität der finanziellen Kapriolen des Exbürgermeisters und seines damaligen Finanzkämmerers, die Forderungen von 160 Gläubigern, unter ihnen Banken und das Land Tirol selbst – all das wuchs nicht nur dem kommunalpolitischen Aufräumkommando in der Gemeinde über den Kopf. Auch beim Land schien manche Versprechung und Entscheidung unklar und so kam, was kommen musste.

Man verlor die Übersicht, nicht nur in Matrei, auch in Innsbruck. Laut Rechnungshof kassierten Berater, die Matrei aus dem Schlamassel helfen sollten, unglaubliche 439.900 Euro – mit Zustimmung der Landesregierung, aber auf Kosten der Gemeinde und – das ist heikel – offenbar ohne Gemeinderatsbeschluss. Das stieß den Prüfern sauer auf.

Im Gemeinderat ging es am 6. Oktober um zwei Positionen. 2023 wurden 291.396 Euro an Beraterhonoraren an die BDO überwiesen, 2024 weitere 91.296 Euro. Vor der Abstimmung wurde lange darüber diskutiert, welche Leistungsnachweise denn die Beratungsfirma ihren Honorarnoten beigelegt hatte, ob es Zeitaufzeichnungen gab oder Auflistungen konkret erbrachter Leistungspunkte. Hier blieb der Bürgermeister in seinen Repliken vage. In der Sitzung vorgelegt wurde nichts.

Jahre nach den getätigten Überweisungen an die Beratungsfirma wurden diese Zahlungen nun mit den Stimmen der Matreier Liste von Bürgermeister Steiner nachträglich durch den Gemeinderat legitimiert. Die Mandatar:innen der GFM stimmten dagegen und verlangten namentliche Protokollierung ihrer Nicht-Zustimmung.

Gerhard Pirkner

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis. Mehr von Gerhard Pirkner

Ein Posting

wolfgangwien
vor 3 Stunden

Mann, Mann, Mann kann das alles wahr sein????

 
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