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Transplantationen: Zu viele Organe verworfen

Ein Drittel der entnommenen Organe wird nie transplantiert. Neue Techniken sollen Abhilfe schaffen.

„Wir müssen aufhören, immer nur zu sagen, wir haben zu wenige Organe. Das stimmt so nicht. Es gibt genug Organe, aber es werden zu viele verworfen“, stellt Stefan Schneeberger, Direktor der Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie der Medizinischen Universität Innsbruck und der tirol kliniken, im Zuge der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Transplantation, Transfusion und Genetik in Innsbruck fest.

Schnelle Entscheidung nötig

Tatsächlich werden zwei Drittel aller Organe, die grundsätzlich für eine Transplantation infrage kämen, nie transplantiert. Selbst von den entnommenen Organen wird noch rund ein Drittel verworfen.

Stefan Schneeberger, Direktor der Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie in Innsbruck, ist zuversichtlich, dass neue Techniken eine bessere Nutzung von Organen ermöglichen. Foto: Bullock/MUI

„Der Grund ist meist, dass in sehr kurzer Zeit entschieden werden muss, ob ein Organ passt. Das muss sich ändern, und es wird sich ändern, weil wir Zeit gewinnen“, erläutert Schneeberger. Dieser Zeitgewinn werde dafür genutzt, um ein Organ zu untersuchen, seine Funktion zu messen und es zu behandeln, bevor über die Transplantation entschieden wird.

Maschinenperfusion

Möglich macht das eine Technik, die in Innsbruck für die Leber bereits Routine ist: die Maschinenperfusion. Für die Niere wird derzeit an entsprechenden Geräten gearbeitet, wobei zwei einander ergänzende Wege verfolgt werden. Das Abkühlen auf Temperaturen unter null Grad erlaubt eine längere Aufbewahrung, die normotherme Perfusion hält das Organ bei Körpertemperatur am Leben und macht es dadurch untersuchbar und behandelbar.

KI hilft bei Datenauswertung

Eine zweite Entwicklung betrifft die Auswertung von Daten. Ob ein Organ zu einem Empfänger passt, wurde bislang anhand von wenigen Daten und Laborparametern entschieden. Inzwischen stehen jedoch tausende Daten zur Verfügung, von genetischen Markern bis zu Stoffwechseldaten aus der Perfusion.

Endgültig auswerten lässt sich diese Menge an Information nur noch mit Künstlicher Intelligenz. Daher will man künftig ein cloudbasiertes System nutzen, in dem Transplantationszentren sämtliche Daten zu einem Organ abrufen können, sodass das jeweils beste Organ dem jeweils passendsten Patienten zugeteilt wird.

Tierische Organe für Menschen

Auch die Xenotransplantation, die Übertragung tierischer Organe auf den Menschen, ist Thema des Kongresses. Diese Methode ist in den USA bereits in der klinischen Phase angekommen. Referent Leonardo Riella, einer der führenden Experten auf diesem Gebiet, präsentiert seine Ergebnisse in Innsbruck. 2024 war Riella an der weltweit ersten Übertagung einer genetisch veränderten Schweineniere auf einen lebenden Menschen beteiligt.

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