Dein Auftritt,
Elze!
Dein Auftritt, Elze!
Die Schauspielerin Elzemarieke Dé Vos zog vom Flachland in die Berge und zurück. Miriam Raneburger hat sie in Berlin besucht und mit ihr über die Arbeit, die Liebe und Osttirol gesprochen.

Es ist ein weiter Weg von Waalwijk in Holland bis nach Unterpeischlach im Iseltal, wo die Familie Dé Vos in den achtziger und neunziger Jahren gerne Urlaub machte. Kaum waren die Ferien angebrochen, ging’s 1000 Kilometer weit nach Süden, in die Berge. 1997 nahmen die Niederländer dann nicht nur ihre drei Kinder und die Wanderschuhe, sondern gleich das ganze Leben mit. Sie übersiedelten ins Iseltal. Tochter Elzemarieke war damals 14 Jahre. Heute lebt sie als Schauspielerin in Berlin und wenn man sie nach ihrer Heimat fragt, dann antwortet die gebürtige Holländerin in Deutschland: „Osttirol.“ Dolomitenstadt-Fotografin Miriam Raneburger kennt Elze seit Jugendtagen: „Elze schaut immer, dass es jedem gut geht und pflegt ihre Freundschaften, egal wo sie sich aufhält. Jeder von uns freut sich, wenn unser Sonnenschein wieder einmal da ist“. Was lag also näher, als die Künstlerin in ihrem Berliner Domizil vor die Kamera und zum Interview zu bitten?

Elze, wie und mit wem lebst du?

Allein in einer Wohnung in Berlin/Kreuzberg, nicht weit von der Spree und der Warschauer Brücke … und ich bin frisch verliebt und in einer Beziehung mit Tilman Strauß. Er ist auch Schauspieler an der Schaubühne Berlin.

Erzähl uns von deinem Alltag …

Wenn ich probe, dann schon ab halb neun in der Früh. Ich bin dann meist erst um halb zwölf in der Nacht wieder zu Hause. Bis zum Hans Otto Theater in Potsdam bin ich von Tür zu Tür eineinhalb Stunden unterwegs. In Berlin nichts Ungewöhnliches. Außerhalb der Probenzeiten bin ich mit Freunden unterwegs, gehe viel ins Kino und ins Theater, am liebsten in die Volksbühne oder die Schaubühne. Und wenn ich mehr als eine Woche Freizeit habe, ergreife ich die Chance und fahre nach Hause, ins schöne Osttirol.

Gibt es heute noch eine Beziehung zu Osttirol?

Ja natürlich – und wie!!!! Osttirol ist meine Heimat, mehr als Holland. Familie, Freunde, Natur – hier kann ich Kraft schöpfen, für die graue Zeit in der meist kalten Großstadt. Berlin ist im Sommer wunderschön, aber der Winter ist bitterkalt und dauert viel zu lange.

Wo und was spielst du gerade?

Ich spiele seit November 2009 am HOT, dem Hans Otto Theater in Potsdam. Davor war ich drei Jahre an der Schaubühne in Berlin. Zurzeit probe ich die Rolle der Lolo im Stück „Wellen“ von Eduard von Keyserling. Ich bin ein unglücklich verliebtes Mädchen mit Todessehnsucht. Auf der Bühne stehe ich in mehreren Stücken, zum Beispiel „Von Mäusen und Menschen“, das kennt man vom Film mit John Malkovich und auch in „Der nackte Wahnsinn“ und „Der Turm“. Ich habe viele Vorstellungen derzeit und nächste Woche werde ich verhört, von Kommissar Max Ballauf für den „Tatort Köln“. Den Fall seht ihr im Laufe des Jahres im Fernsehen.“

Was war denn deine erste und was deine wichtigste Rolle?

Meine erste Rolle war die Gabriele in „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ von Rainer Werner Fassbinder am Deutschen Theater in Berlin. Die wichtigste Rolle… Ich denke, die der Stella in „Endstation Sehnsucht“, weil es eine total schöne Arbeit war und ein Stück aus dem Leben, in das ich mich sehr gut einfühlen konnte.

Elze in ihrer Wohnung. Die Wand hat sie selbst patiniert.

Wie bist du eigentlich Schauspielerin geworden?

Alles begann – wo sonst? – in Osttirol. Für eine junge Holländerin wie mich, mit „Sprachproblemen“, war es gar nicht leicht, eine Schule zu finden. Ich kam schlussendlich ins Klösterle in Lienz und fühlte mich dort irgendwie fehl am Platz. Ich bin auch nicht katholisch oder so und mitterweile aus der Kirche ausgetreten. War eine Sache von fünf Minuten, also kann’s ja gar nicht so wichtig sein. Aber! Am Klösterle hat mich erstmals eine Lehrerin darauf hingewiesen, dass ich schauspielerische Talente habe. Sie hatte wohl recht. Ich bin nach Innsbruck in die Schauspielschule Sachers, dann weiter nach Wien in die Musicalschool Vienna und schließlich an die renommierte Schauspielschule Ernst Busch in Berlin. So lief das. Vom Klösterle auf die Bühnen von Berlin, sozusagen.

Elze mit Freund Tilman Strauß. Sie speilt im Potsdamer „Hans Otto Theater“, er ist Schauspieler an der Schaubühne Berlin.

Zieht es dich eher zum Theater oder zum Film? Was wären denn Traumrollen oder Traumpartner, auf der Bühne oder im Film?

Ich will beides – unbedingt. Und ich hab eigentlich eher Traumregisseure als Traumrollen. Am Theater zum Beispiel Christoph Marthaler, im Film Ulrich Seidl, natürlich Michael Haneke, Andreas Dresen und, na klar, Quentin Tarantino!!! Spielen würde ich zum Beispiel gerne mit Josef Bierbichler und Birgit Minichmayr.

Credits
  • Autorin: Miriam Raneburger
  • Fotografie: Miriam Raneburger
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