Von der Erde
zum Licht
Von der Erde zum Licht

Georg Planer zählt schon lange zu den bekannten Bildhauern des Bezirks. Der in St. Veit im Defereggental geborene Künstler ist nur dem Wesen nach keiner, der um jeden Preis auffallen will. Er ist ein Mann der leisen Töne, auch dort, wo er monumentale Skulpturen aus Marmor, Granit oder Serpentin herausschält, organisch und sensibel, immer im Einklang mit dem Wesen des natürlichen Materials.

Planers Arbeiten sind geprägt von einer tiefen Ehrfurcht gegenüber der Natur, die er mit seiner Lebensgefährtin Elke Maier teilt. Die sehr poetischen Landart-Installationen der Künstlerin verschmelzen manchmal mit der bildhauerischen Arbeit ihres Partners zu einem einzigen organischen Ganzen, wie es nur von zwei wirklich verwandten Seelen erzeugt werden kann. Eine aus Osttiroler Perspektive unvergessene Installation des Künstlerpaares verzauberte 2006 den Turm von Schloss Bruck. Von Georg Planer aus Erde geformte Menschen lagen am Boden des archaischen mittelalterlichen Raumes und als strömten ihre Seelen sehnsüchtig zum Licht, spannten sich Fäden zur Decke, arrangiert von Elke Maier mit einer visuellen Poesie, die jeden Betrachter sofort in ihren Bann zog. Titel der Schau: LUNA VISTA – Eine Begegnung zwischen Himmel und Erde.

„Luna Vista“, nannten Georg Planre und Elke Maier ihre Rauminstallation auf Schloss Bruck im Jahr 2006. Das Motiv der liegenden Körper, die zum Licht streben, findet sich bereits in dieser Arbeit. Foto: Elke Maier

So schön, so vergänglich und zugleich so vielsagend und selbsterklärend, so betörend in der Raumwirkung und anregend kann Kunst sein. Kurz vor der Installation auf Schloss Bruck hatten Planer und Maier bereits in der Stiftskirche Wilten mit einer ganz ähnlichen Arbeit für Aufsehen gesorgt. Immer wieder zeigt sich ein Kontinuum der Motive und Themen in der Kunst des Paares. Der liegende Körper spielt dabei eine zentrale Rolle. Er taucht auch in der Landart-Inszenierung „beflügelte Flusssteinmenschen“ auf, in der Elke Maier aus dem Schoß liegender Gestalten Segel wachsen ließ.

Die Figuren hatte Georg Planer aus Flusssteinen arrangiert, beeindruckend in ihrer Schlichtheit und visuellen Stringenz, vor allem aber in der völlig natürlichen Anwendung des Materials. Steine liegen im Gras und werden zu Menschen. Der Fluss nimmt Gestalt an, wird zum Fluss des Lebens. So wie die aus der Erde geformten Körper zum Licht streben, auf einen Himmel zu, an den die Natur uns glauben lässt.

Besuch in Georg Planers Atelier in Millstatt am See in Kärnten. Auf Bild 3 sitzt der Künstler neben einem Modell seiner Osttirol-Portale, das bereits vor Jahren dem TVBO vorbeibrachte. Fotos: Ramona Waldner

Wenn man diese Arbeiten kennt, braucht man zu einem der jüngsten und vermutlich meist diskutierten Kunstwerke Planers eigentlich keine Erklärung mehr. Der St. Veiter zeichnet nämlich auch für die Skulptur am Südportal des Felbertauern-Tunnels verantwortlich, eines von mehreren geplanten „Portalen“, mit denen der Tourismusverband Osttirol und die Nationalparkverwaltung Georg Planer und seine Helfer beauftragten. Hier ist sie wieder, die liegende Gestalt, sichtbar weiblich und diesmal nicht nach oben strebend, sondern scheinbar schwebend auf den Strahlen des Lichts, die nicht mit zarten Fäden erzeugt werden, sondern mit raffiniertest aneinandergereihten Glasplatten. Planer entwickelte das Konzept zu dieser Plastik schon vor Jahren, baute ein Modell und stellte es den Verantwortlichen des TVB auf den Tisch – wo es lange stand. Jetzt ist aus der Miniatur das Werk in Originalgröße geworden, möglich gemacht auch durch die Kunst begnadeter Glashandwerker, die Planers Entwurf erst technisch realisierbar machten.

Rudi Gritsch und die Glasfachschule in Kramsach waren bei diesem künstlerischen Projekt Planers Umsetzungspartner. Ihr enormes handwerkliches Know-how macht erst jene verblüffende Wirkung möglich, die sich vor allem dann entfaltet, wenn sich die Sonne in den Gläsern der transparenten Skulptur bricht. Eine erstaunliche Plastik, die auf einem steinernen Sockel ruht und in der Nacht fast unwirklich leuchtend die automobilen Passanten auf der Felbertauernstraße begrüßt. Die Arbeit Planers war bei ihrer Präsentation nicht unumstritten, wohl auch deshalb, weil ohne den Kontext seines Œuvres eine liegende Frauengestalt aus Glas nicht nahe genug an den tradierten Vorstellungen eines Eingangsportals in den Bezirk Osttirol liegt.

Im November 2015 wurde aus dem Modell künstlerische Realität. Umgesetzt von den Handwerkern der Glasfachschule Kramsach strebt Georg Planers Skulptur an der Felbertauernstraße „von der Erde zum Licht“. Foto: Expa/JFK

Mit anspruchsvoller Kunst Besucher zu begrüßen ist sperriger als ein hölzernes Wildwest-Schild aufzustellen, auf dem ein herzliches „Willkommen in Osttirol“ steht. Letzteres versteht man, mit ersterem muss man sich auseinandersetzen. Weshalb schön wäre, wenn zumindest Kunstinteressierte von den Initiatoren dieser Portale auch eine Erklärung bekämen. Nicht im Sinne einer Rechtfertigung, wohlgemerkt, sondern einfach als gedankliche Erweiterung des Blickes auf ein Werk, das doch erkennbar eines schafft: Staunen.

Und was könnte besser zum Eintreten in einen Nationalpark passen, als die Bereitschaft, die Augen und den Geist zu öffnen für ein erstauntes Betrachten des Schönen und Ewigen, das Georg Planer mit seiner Skulptur zitiert. Nicht umsonst steht in der Beschreibung: „Von der Erde zum Licht“.


Georg Planer wurde 1965 in St. Veit im Defereggental geboren. Er studierte Bildhauerei bei Prof. Avramidis an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und diplomierte 1992. Planer wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Theodor Körner-Preis und dem Internationalen Kunstpreis „Ars et Flora III“.

Er stellt seine Arbeiten in Galerien und Kunsträumen international aus und gestaltete eine Reihe monumentaler Plastiken, etwa das KZ-Denkmal „Die Rückkehr der Steine“ am Loiblpass. Bekannt ist der Bildhauer auch für seine „Rauminterventionen“, die er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Künstlerin Elke Maier entwirft. Die Stiftskirche Wilten, der Klagenfurter Dom und Schloss Bruck waren bereits Schauplatz solcher Interventionen. Das Künstlerpaar lebt und arbeitet in Millstatt / Kärnten.

Credits
  • Autor: Gerhard Pirkner
  • Fotografie: Ramona Waldner, Elke Maier, EXPA/Jürgen Feichter
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