Yoga – die meditative Bewegung
Yoga – die meditative Bewegung
Yoga liegt im Trend, auch in Osttirol. Aber was ist Yoga? Kein Sport, keine Religion und kein Wundermittel – sondern ein Weg.

Dass am 1. Dezember 2016 Yoga als Immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt wurde, haben die meisten Menschen gar nicht mitbekommen. Dass Yoga aber immer mehr boomt, das sieht man überall. Yoga gibt es für alle Lebenslagen, alle Altersgruppen, alle Buchstaben. Von A wie Atman Yoga bis Z wie Zen Yoga. Selbst das Y ist mit Yin Yoga abgedeckt. Und das ist gut so, denn Yoga tut gut. Wirklich gut. Yoga bewegt, belebt und inspiriert. Auch in Osttirol. Oder vor allem in Osttirol. Aber um Yoga zu verstehen, sollte man zuerst wissen, was Yoga nicht ist.

Yoga ist zunächst einmal kein Sport, auch wenn in den meisten Yoga-Richtungen, die im Westen gelehrt werden, die äußere Form der Bewegung in den Vordergrund gestellt wird. Yoga geht aber über mühsames Schwitzen und krampfhaftes Stillsitzen weit hinaus. Das Sanskrit Wort Yoga bedeutet verbinden. Es vereint Körper und Geist. Der Atem lenkt dabei den Ablauf jeder Handlung. Er bestimmt Rhythmus und Geschwindigkeit jeder Bewegung. Yoga-Übungen können schnell oder langsam, leicht oder schwierig sein. Gemeinsam ist ihnen die bewusste Achtsamkeit für jede noch so kleine Positionsveränderung. Es geht nie darum, etwas perfekt zu können. Wichtig ist, dass man das, was körperlich und geistig da ist, wahrnimmt und dann nachspürt, ob und wie man es anders, leichter und souveräner meistern könnte. Plötzlich spürt man Körperteile, die man zuvor noch nie wirklich wahrgenommen hat. Man merkt, dass beide Körperseiten nicht völlig gleichförmig oder gleich beweglich sind. Man hat das Gefühl, dass selbst die tiefsten Schichten des Körpers berührt werden.

Und Yoga geht in der Tat tief und heilt von innen heraus. Es ersetzt keinen Arzt oder Therapeuten, doch gemäß Alexander Ragossnig, Gesundheits- und Ernährungs-Berater in Lienz, „wird mit Yoga der Organismus gestärkt und der Stoffwechsel belebt. Durchblutung und Energiefluss werden angeregt. Verdauung und Ausscheidung harmonisiert.“ Zudem macht Yoga gelenkig und geschmeidig und sorgt für gute Laune. Der Körper fühlt sich einfach angenehmer, freier und gestärkter an. Der Geist ist klarer und wachsamer. Der Seele geht es gut. So, als ob sich ein Lächeln in ihr und um sie ausgebreitet hätte. Für Adelheid Ohlig, der Begründerin von Luna Yoga, „ist Heilung da, wo Freude ist“. Und Yoga ist definitiv beides.

Abhängen mal anders: Beim "Fliegenden Yoga" schwebt man in einem Trapeztuch entweder akrobatisch im Raum oder zieht sich darin meditierend zurück.

Yoga ist dennoch nicht abgehoben oder spirituell verklärt. Ist weder Religion noch Wissenschaft. Und schon gar nicht ein reines Produkt der neuen Happy-Peppy-Wellness-Esoterik. Yoga ist uralt. Mindestens so alt wie die Veden, die ältesten überlieferten Schriften aus Indien. Und die gibt es schon seit ein paar tausend Jahren. Schriftlich erwähnt wird Yoga in den Upanishaden circa 700 vor Christus, in denen es nicht mehr um die sakralen und rituellen Opfer im Außen, sondern um das innere Opfer des Egos in der Meditation geht. Und um meditieren zu können, bedarf es körperlicher Übungen, die das lange In-Sich-Ruhen möglich machen. In der Meditation und beim Yoga geht es jedoch nie darum, schon angekommen zu sein. Es geht immer um den Weg. Yoga ist ein Weg.

Nach dem großen Yoga-Meister Patanjali (zweites Jahrhundert vor Christus) wird Yoga als Achtgliedriger Pfad beschrieben. Persönliche und soziale Regeln des Verhaltens (Yama und Niyama) bilden dabei die ideellen Grundlagen. Darauf basieren alle yogischen Übungen, die Körperstellungen (Asana) und Atemtechniken (Pranayama), Sinneskontrolle (Pratyahara), Konzentration (Dharana) und Meditation (Dhyana). Dieser spirituelle Pfad endet in Samadhi – das heißt in Selbstverwirklichung. Darunter versteht der indische Yoga-Heilige Swami Sivananda (1887-1963) „einen Zustand jenseits der Reichweite des Verstandes und der Sprache. Auch in der weltlichen Erfahrung ist es nicht möglich, jemandem den Geschmack eines Apfels zu erklären, der ihn nicht gekostet hat. Samadhi ist wonnevolle Vereinigung, ist völlige Freude, Glückseligkeit und Frieden. Es ist ein Zustand reinen Bewusstseins.“ Samadhi ist also das Ziel und Yoga ist die Lebenseinstellung auf der Reise dorthin.

Reisen ist besonders schön, wenn man von wohlwollenden und erfahrenen Menschen begleitet wird. Menschen, von denen man lernen kann, die einen inspirieren und anregen, Unbekanntes oder Ungewohntes auszuprobieren, neugierig zu bleiben, hinter den eigenen Horizont zu blicken, körperliche und geistige Grenzen ein wenig zu verschieben. Im Yoga sind das Yoga-LehrerInnen. Die guten unter ihnen erkennt man daran, dass sie sich nicht aufdrängen, sich nicht als Trend vermarkten, Yoga nicht zu einem weiteren Konsumtempel verkümmern lassen, sondern es immer ganzheitlich sehen. In Osttirol gibt es eine Fülle an besonderen Yoga-LehrerInnen. Nicht alle können hier erwähnt werden. Leider. Vorstellen möchten wir dennoch ein paar.

Barbara Brunner ist nicht nur Yogalehrerin, sondern auch Märchen- und Geschichtenerzählerin.

Barbara Brunner zum Beispiel, die mit ihrer Familie seit ein paar Jahren in Lengberg wohnt. Aufgewachsen ist sie in Südtirol, ihren Master in Botanik hat die gelernte Zahnarzthelferin in Innsbruck absolviert. Ihr Diplom zur Yogalehrerin hat sie bei Sanjay Alexander Breunlich, YogaSeva Berlin, gemacht. Zur Zeit studiert sie Yoga und Ayurveda als Fernstudium am American Institute of Vedic Studies, reist gerne zu ihrer Lehrerin Snezana Janna Serafimoska in die Schweiz, um das Räuchern und die Naturarbeit zu vertiefen und begleitet als Märchen- und Geschichtenerzählerin ehrenamtlich den Verein Kraft für Leben Innsbruck. In Osttirol unterrichtet sie Yoga in einer freien Drop-In-Stunde in der Sporthalle des BG/BRG Lienz, bei sich zu Hause, als Referentin im Bildungshaus und im Sommer unter freiem Himmel (zum Beispiel auf Schloss Bruck und Schloss Lengberg). Die Yoga-Matte sieht sie für sich und ihre SchülerInnen als Übungsplatz für ein lebendiges, in den Alltag integrierbares Yoga. Das regelmäßige Üben ist für sie die Kraft- und Achtsamkeitsquelle, die hilft, in der Familie, im Beruf und in der Begegnung mit Menschen wertschätzend, respektvoll, klar, geduldig und liebevoll zu bleiben.

Die Vielfältigkeit von Yoga erkennt man vor allem in der Arbeit von Alois Moosmann, der als Humanenergetiker seine Gesundheitspraxis in Panzendorf hat und dort neben Yoga auch Shiatsu, Cranio Sacral Therapie und Personal Coaching anbietet. Er möchte mit seinem Yoga einen bewussten Zugang zu Körper und Geist vermitteln. Sein Ashtanga Yoga Inspired, das er in Lienz, Abfaltersbach, Heinfels, Strassen und Kartitsch oder an Yoga-Wochenenden auf der Dolomitenhütte lehrt, ist ein dynamisches Yoga, das reinigt, kräftigt und zu mehr körperlicher und geistiger Flexibilität führt. Noch kraftvoller wirkt sein Acro Yoga, das Elemente aus Yoga-Asanas, Akrobatik und der Nuad Thai Massage verbindet. Doch auch für Alois Moosmann geht es bei Yoga nicht nur um Beweglichkeit, Gleichgewicht und Körperspannung. Was zählt, ist für ihn die Konzentration auf das Wesentliche im Hier und Jetzt. Yoga ist laut Alois Moosmann immer ein Herantasten an körperliche und geistige Möglichkeiten. Eine Chance, sich selbst und anderen bewusster zu begegnen.

Alois Moosmann ist Humanenergetiker und bietet in seiner Gesundheitspraxis Yoga, Shiatsu, Cranio Sacral Therapie und Personal Coaching an.
Alexander Ragossnig lebt nach dem Mantra „natur-bewusst-gesund“ und leitet nicht nur Yoga-Kurse, sondern gibt sein Wissen auch in Kochkursen und Ernährungsseminaren weiter.

Alexander Ragossnig bietet einen sanften und besinnlichen Yoga-Weg. Das Mantra seines Lebens lautet „natur-bewusst-gesund“. Und das gleich in doppelter Weise. Der studierte Soziologe ist nämlich ganzheitlicher Praktiker für Yoga und Ayurveda in Lienz. Er leitet dort Yoga-Kurse im Eltern-Kind Zentrum. Und in seiner ATMAN-Praxis in der Michaelsgasse vermittelt er sein praktisches Wissen in Kochkursen, Ernährungs-Seminaren, persönlichen Beratungen, Massagen und anderen ayurvedischen Anwendungen. Näheres dazu findet man auch in seinem Buch „Gesundheit und Ernährung – im Bewusstsein des Ayurveda“, das unter anderem im Geschäft Teegarten erhältlich ist. Für den langjährigen Indien-Reisenden ist Yoga bewusste und heilsame Bewegung. Geistige und körperliche Belebung. Kurz gesagt, ein Weg zu einer rundum gesunden Lebenserfahrung. Für seine Arbeit gilt, was Yogi Bhajan (1929–2004) sagt: „Lasst uns Lichter anzünden statt über die Dunkelheit zu klagen.“

Auch Sibi Alex könnte als Inder die zwei Begriffe Yoga und Leben nie voneinander trennen. Er ist mit Yoga im südindischen Kerala aufgewachsen und lebt damit jetzt mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn in Lienz. Hier hat er in der Beda-Weber-Gasse sein SATSANG Atelier, in dem er an drei Tagen in der Woche Kunstworkshops und ansonsten Yogakurse anbietet. In diesem Atelier spürt man förmlich, dass Yoga ein Raum ist, in dem alles Platz hat. Ein Raum frei von Dogmen, Leistungsgedanken und Perfektionismus, aber fest verbunden mit dem Wissen um traditionelle Lehren und die daraus entstehenden Lebensphilosophien. Sibi Alex hat indische und westliche Philosophie studiert und man könnte sich stundenlang mit ihm darüber unterhalten. Man kann aber auch einfach seine Kunst- oder Yogaklassen besuchen, denn da erfährt man es auch. Und jeder ist willkommen, denn, wie Sibi Alex betont, Yoga ist für jeden.

Sibi Alex kommt aus Südindien und ist mit Yoga aufgewachsen. Nun lebt er mit seiner Frau und seinem Sohn in Lienz und bietet in seinem Atelier Yoga- und Kunstworkshops an.

„Yoga kennt kein Alter“, liest man auch auf der Website des Feel Free Yoga von Christine Swoboda. Die vierfache Mutter, studierte Architektin und Musikerin unterrichtet ihr Yoga, das sie oft selbst mit Klaviermusik begleitet, zwar noch in Graz, möchte das aber in Zukunft auch in Osttirol tun. Seit fünf Jahren verbringt sie jeden Urlaub in Zedlach und bietet dort im Sommer auch einen Yoga-Retreat am Bartler- und Innerkienzerhof an. Außerdem ist sie bereits auf der Suche nach einem Bauernhof, einem Haus oder einfach nur einer Berghütte irgendwo in Osttirol, wo sie in Zukunft mindestens drei Tage in der Woche leben und Yoga lehren möchte. Christine Swoboda unterrichtet unter anderem Aerial Yoga. Bei diesem „Fliegenden Yoga“ hängt man in einem drei Meter breiten, dehnbaren Trapeztuch. Man schwebt damit entweder akrobatisch im Raum oder zieht sich darin meditierend zurück. Selbst Kinder und Jugendliche können auf diese Weise bei Christine Swoboda einmal ganz anders abhängen. Sie können dabei aber vor allem schon früh beginnen, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Aus der Yoga-Perspektive.

Fliegendes Yoga mit Christine Swoboda. Die Grazerin bietet im Sommer auch Kurse in Zedlach an.

Yoga verändert Blickwinkel. Yoga-Lehrer helfen dabei. Und Osttirol ist ein guter Platz dafür.

Mehr Informationen:

Barbara Brunner
www.ganzeinfachyoga.com

Alois Moosmann
www.yoga-osttirol.at

Sibi Alex
www.satsangatelier.com

Christine Swoboda
www.feelfreeyoga.at

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