Köll erteilt Lienz touristische Ratschläge

Mitten in der Dolomitenstadt sparte er nicht mit Seitenhieben. 

Wenn der Matreier Bürgermeister in Sichtweite des Lienzer Rathauses als „Stellvertretender Obmann des TVBO“ eine Pressekonferenz gibt und der Lienzer Bürgermeister nichts davon weiß, kann das kein Zufall sein.

Andreas Köll dementierte am Dienstag bei einem Mediengespräch dennoch jede Verstimmung zwischen ihm und Parteifreund Hannes Hibler. Man sei viel zusammen und sich über fast alles einig, so Köll, der in der Folge sein Szenario für eine erfolgreiche wirtschaftliche Zukunft des Tourismus in Osttirol zeichnete. Eineinhalb Stunden voller Zahlen und Querverweise lassen sich zu folgenden Kernthesen und -forderungen zusammenfassen:

– Mit dem Wegfall der Doppelstruktur TVBO/Osttirol-Werbung sei der Weg frei für mehr Professionalität im Marketing, allerdings würde dafür auch mehr Geld gebraucht.

– Statt das Anlagevermögen bei einem Verein zu parken, sollten die Lienzer Bergbahnen dem Matreier Muster folgen und das Aktienpaket in eine „stille Beteiligung“ umwandeln.

– Die Personalausgaben der Tourismusregion Lienzer Talboden seien signifikant höher als die anderer Regionen und müssten verringert werden.

Zum Kern kam der Matreier Politiker gegen Ende seiner Ausführungen. Köll antwortete auf die Frage, ob er die von Osttirols Unternehmen gemeinsam aufgebrachten Mittel – sprich: Pflichtbeiträge – neu unter den Regionen verteilen möchte: „Ja, es ist eine Verteilungsdiskussion.“

Derzeit fließen 35% der Pflichtbeiträge (Details finden Sie hier) in den gemeinsamen Topf und sollten dort für Marketing eingesetzt werden. Diesen Prozentsatz will Köll erhöhen.

Um zu verhindern, dass Geld für nötige Investitionen fehlt, müsste dann der zweite Einnahmentopf – die sogenannte Aufenthaltsabgabe – erhöht werden. Sie beträgt derzeit in Lienz pro Gast einen Euro, in Matrei 1,80 Euro und könnte bis auf drei Euro steigen.

Von all den Millionen aus Aufenthaltsabgabe, Pflichtbeiträgen aber auch Hundertausenden Euro aus Töpfen von Felbertauernstraße AG und Nationalpark blieben derzeit „nur“ ca. 1,25 Mio Euro für das Marketing, erklärten Köll und die ebenfalls anwesende TVBO-Geschäftsführerin Barbara Nussbaumer.

Vom Obmann des Tourismusverbandes Lienzer Dolomiten forderte Köll einen Prioritätenkatalog der anstehenden Investitionsprojekte ein. Das Land warte darauf.

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4 Postings bisher
Leonhard vor 7 Jahren

Richtig unsymphatisch dieser Köll. Wenn ich mir denke, dass der Tourismus heutzutage sonst überall auf Wellness ausgerichtet ist, wirkt dieser Lokalpolitiker doch so richtig unausgeglichen, unharmonisch und streitsüchtig. Was soll denn der im Tourismus weiterbringen, Bei dem würd ich keinen Kaffee bestellen, geschweige denn ein Zimmer buchen.

aurelia vor 7 Jahren

Das größte Problem im Osttiroler Tourismus ist, dass zu viele Politiker das Sagen haben. Würde man kompetente Tourismus-Fachleute arbeiten lassen, dann sehe die Sache ganz anders aus - denn touristische Potenziale sind in Osttirol ja mehr als genug vorhanden! Und dann noch der Ruf nach mehr Geld (durch Erhöhung der Beiträge), wohingegen man schon in der Vergangenheit bewiesen hat, dass man damit überhaupt nicht umgehen kann, grenzt ja schon an eine bodenlose Frechheit! Also, mir tut jeder Zimmervermieter leid, der in Zukunft einiges mehr an Abgaben abführen muss und sein Geld nie wieder sieht...

Detektor vor 7 Jahren

Wenn Politiker mitmischen ... Kölls Engelszungen hör ich wohl - aber was kann dahinterstecken? Herr Dr. Köll erteilt Tourismusratschläge in Lienz und will (laut heutiger TT) den sanften Tourismus im Nationalpark weiterentwickeln, lässt aber seit Jahren das Naturjuwel Prosseggklamm vor Matreis Haustür versperrt und verlangt sogar Rechtfertigung (ebenfalls heutige TT S.5), wenn Menschen eine Informationsveranstaltung über diese Klamm besuchen. Herrn Köll schwimmen offenbar (im immer noch fließenden Tauernbach) alle Felle zur Sanierung der maroden Gemeindekasse Matreis davon: Das Juwel Prosseggklamm soll wieder den Menschen (und nicht der TIWAG) zugänglich werden, die Transalpine Ölleitung will keine Dauerrente fließen lassen (siehe heutige Bezirksblätter) und die Lienzer wollen keinen Zugriff auf ihre Tourismuskasse gestatten. Harte Zeiten!

Christine vor 7 Jahren

Gebe Herrn Köll absolut recht. Ein Prioritätenkatalog muss erstellt werden und dieser sollte dann auch eingehalten werden. Zusätzlich sollte die gesamte Region Osttirol besser vermarktet werden und nicht jede Region für sich Ihr eigenes "Süppchen" kochen. Gemeinsam sind wir stark, jede Region für sich geht in der Tourismuswerbung unter, dafür sind die Mitbewerber in Tirol viel zu stark. Die Große Frage stellt sich nur wohin fließen in Zukunft die Gelder? Alle zahlen in einen Topf und welche Region bekommt welchen Anteil? Da ist der nächste Streit vorprogrammiert!