Tourismusbudget 2011: Bauchlandung

Matrei blockt ab. TVB-Aufsichtsrat will sich jetzt im Jänner einigen.

Eigentlich hätte am 14. Dezember der Aufsichtsrat des Tourismusverbandes Osttirol das Budget des Gesamtverbandes für das Jahr 2011 absegnen sollen. Drei von vier Regionen – Lienzer Dolomiten, Hochpustertal und Defereggental – zeigten sich dabei weitgehend einig über die künftige Aufteilung der gemeinsam aufgebrachten Gelder, Berechnungsschlüssel und Einschätzung des finanziellen Status quo.

Diese drei Regionen hätten auch jeweils detaillierte Einzelbudgets vorgelegt, berichteten TVB-Obmann Franz Theurl und Aufsichtsratsvorsitzender Werner Frömel den Medien. Bereits verbindlich verabschiedet habe sein Budget des kommenden Jahres der finanziell stärkste Regionalverband Lienzer Dolomiten, betonte dessen Obmann Reinhard Tiefenbacher im Rahmen des Pressegespräches.

Offenbar wurde die Rechnung aber ohne den Vierten im Bunde gemacht. Die Nationalparkregion beurteilt sowohl die eigene finanzielle Lage als auch die künftige Aufbringung gemeinsamer Marketinggelder abweichend von den anderen Regionen. Deshalb wurde keine Einigung erzielt und die Verabschiedung des Gesamtbudgets auf Jänner 2011 vertagt.

Wie bereits mehrfach auf Dolomitenstadt.at berichtet, liegt die Wurzel für alle komplexen Vertrags- und Zahlenwerke des offiziellen Osttiroler Tourismussektors in einem bereits vor Monaten offen ausgebrochenen Verteilungkampf zwischen dem gewerblich-industriellen Zentralraum Lienz und der touristischen Intensivregion rund um Matrei.

Der Zentralraum hat viele Wirtschaftsbetriebe deren Tourismusbeiträge über ausgeklügelte Transfermodelle zum Teil auch auf jene Regionen verteilt werden, in denen zwar die Wirtschaftskraft schwächer ist, aber viele Touristen nächtigen.

Vorschau auf das Tourismusbudget 2011. Die Balken zeigen, wer wofür wieviel im kommenden Jahr ausgeben möchte. Die Grafik lässt sich per Mausklick vergrößern.

Bezeichnend für das Misstrauen unter den regionalen Entscheidungsträgern ist die komplexe Konstruktion des Fusionsvertrages. Vor allem Lienz wollte verhindern, dass ein kommunizierendes Gefäß ohne Grenzen entsteht und den Mittelabfluss iselaufwärts regulieren. Von der vieldiskutierten Gründung eines privaten Vereines zur Verwaltung der millionenschweren Lienzer Sachwerte bis zu einem nur für Insider durchschaubaren Verteilungsschlüssel reichen die Maßnahmen, an denen vorläufig auch eine gemeinsame, verbindliche Budgetierung für 2011 scheiterte.

Welches Budget dem Aufsichtsrat vorgelegt wurde, zeigen unsere Grafiken, die per Mausklick vergrößert werden können.

9.770.520 Euro sind im – noch nicht akzeptierten – Entwurf des TVB-Vorstands für 2011 budgetiert. Gegenüber 2010 wurde der Anteil des Marketings deutlich erhöht. Über die Finanzierung wird noch gestritten.
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1 Posting bisher
Detektor vor 7 Jahren

... die Sonderansprüche Matreis sind leicht zu verstehen, wenn man die finanzielle Situation der Marktgemeinde kennt. Geld rausholen, wo immer es zu bekommen ist, lautet die bürgermeisterliche Devise. Seid wachsam, Lienzer!