WITO: „Am schlimmsten ist die Ungewissheit“

Betriebsratsobmann Steiner fordert von Raffl bis 23.12. Zahlung ausständiger Löhne  ein.

Starke Stimme für die WITO-Mitarbeiter: Betriebsratsobmann Kurt Steiner

Wie Dolomitenstadt bereits berichtete, wurde durch den Sanierungsfall Raffl Stahlbau mit Sitz in Steinach am Brenner auch die Lienzer Firma WITO „mitgerissen“. Die Nordtiroler Firma ist Mehrheitseigentümerin von WITO, hat aber gleichzeitig eine Million Euro Schulden beim Tochterunternehmen. Erich Raffl ist Geschäftsführer beider Firmen.

Die Belegschaft des Unternehmens WITO wurde am 17. Dezember von Mehrheitseigentümer Erich Raffl über die düstere Lage informiert. „Die Angelegenheit zieht sich bereits über Monate hinweg, wir haben trotz voller Auftragsbücher gespürt, dass es nicht optimal läuft“, betont Kurt Steiner, seit eineinhalb Jahren Betriebsratsobmann. „Die Aussage Raffls, dass  Anfang dieser Woche Konkurs angemeldet wird, kam dann aber doch sehr überraschend.“ Neue Aufträge durften, so Steiner, plötzlich nicht mehr angenommen werden. „Auch für die auswärtig tätigen Fachkräfte, die derzeit in Bozen einen Großauftrag fertig stellen, kam die Ankündigung des Geschäftsführers völlig unerwartet“, so Steiner.

Die 56 Mitarbeiter des Osttiroler Unternehmens, davon 10 Bürokräfte und neun Lehrlinge, würden nach wie vor auf ihren Novemberlohn und das Weihnachtsgeld warten. Vor allem aber bangen sie um ihren Arbeitsplatz.

„Wir haben, in Absprache mit der Arbeiterkammer, schriftlich bei Geschäftsführer Erich Raffl eingebracht, dass die ausständigen Löhne und das Weihnachtsgeld bis 23. Dezember 2010 an die Mitarbeiter ausbezahlen sind.“ Es müsste allerdings ein „Weihnachtswunder“ geschehen, wenn tatsächlich rasch Geld auf die Mitarbeiterkonten fließen würde, ist Steiner sicher.

Es trifft die Mitarbeiter hart, ganz besonders in der Vorweihnachtszeit. Steiner erzählt von Einzelschicksalen. „Unter den Mitarbeitern sind Familienväter mit kleinen Kindern, die ein Reihenhaus oder eine Wohnung gekauft haben und jetzt nicht wissen, wie es weitergeht, wie sie Weihnachtsgeschenke kaufen sollen. Nicht minder tragisch ist die Situation aber auch für langjährige, treue Mitarbeiter, der älteste ist mittlerweile bereits seit 41 Jahren bei der Firma WITO. Das Allerschlimmste ist für alle die Ungewissheit, was die Zukunft bringen wird.“

Nach der Konkurseröffnung haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, in andere Firmen zu wechseln, ohne ihre Ansprüche zu verlieren. Für die allermeisten von ihnen, so Steiner, werde es in der Region allerdings kaum einen Arbeitsplatz in vergleichbarer Branche geben.

Die nächste Betriebsratsversammlung findet nach Weihnachten statt.

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1 Posting bisher
lukas999 vor 7 Jahren

Um die Arbeitsplätze in Osttirol zu halten, wäre es besser die Firma Wito zu unterstützen, denn an Aufträgen wird es sicher nicht mangeln. Wir haben auch hohe Forderungsausfälle hinnehmen müssen, uns hat aber niemand geholfen und haben aus eigener Kraft und Loyalität zu den Mitarbeitern keinen Euro an Schulden hinterlassen.! Hoffe dass die Steuergelder hier sinnvoll in eine gut aufgebaute Firma investiert werden...