„Offen sein und sich auf Neues einlassen“

Freiwilligendienst in Lienz: Tunji David Lees erzählt und musiziert …

Er ist ein aufgeschlossener, authentischer Typ, dessen Lachen ansteckend wirkt. Mit seinen erst 21 Jahren hat Tunji David Lees bereits viel von der Welt gesehen, war schon aufgrund seiner Herkunft früh mit unterschiedlichsten Kulturen und Mentalitäten konfrontiert.

Geboren in England, übersiedelte er mit seiner Familie im Alter von sechs Jahren nach Frankreich, um wenig später in Belgien seine heutige Heimat zu finden. Mutter Olatokunbo Gillespie, die er liebevoll „Tuks“ nennt, ist Halb-Nigerianerin und arbeitet als Computerprogrammiererin in Flandern. Der von der Familie getrennt in Brüssel lebende Vater David, ein Statistik-Manager, ist gebürtiger Schotte.

„Was mich mit Nigeria, der Heimat meines Opas, verbindet, sind in erster Linie mein Aussehen und mein Vorname“, antwortet Tunji auf die Frage nach seinen afrikanischen Wurzeln. „Sonst habe ich eigentlich kaum Bezug zu diesem Land. Von der Stammessprache meines Großvaters kann ich nur wenige Wörter.“

Im vergangenen Jahr entschloss sich der 21-Jährige zu einem vom Europäischen Freiwilligendienst EFD organisierten Auslandsaufenthalt. „Ich wollte Deutsch lernen und in einer möglichst ländlichen Umgebung wohnen.“ Auf der ihm zugeteilten Liste trug er schließlich nur ein einziges Projekt ein: die Schulwerkstatt in Lienz. Weil ihm die Philosophie und das Konzept der Einrichtung zusagten. Und er hatte Glück.

Die alternative Ausbildungsstätte in der Peggetz ist seit September 2010 Tunji's täglicher Arbeitsplatz, an dem er viele neue Erfahrungen sammeln kann. Als Freiwilliger ist er Kinderbetreuer, hilft, erklärt, spielt und überlegt sich neue Angebote für die Kids. „Derzeit erstellen wir einen Stammbaum“, so Tunji solz.

Nach der Arbeit fährt der Belgier nach Bannberg, wo er für die Zeit seines Osttirol-Aufenthaltes auf einem Bauernhof untergebracht ist. „Ich genieße in Assling die gute Luft, die Landschaft und die Freundschaft meiner Gastfamilie, aber die Busverbindung nach Lienz könnte besser sein.“

Über seinen Gastvater Klaus Baumgartner entdeckte er die Liebe zur Ziehharmonika und erlernte den Umgang mit dem Instrument in kürzester Zeit. „Ich spiele am liebsten österreichische Volksmusik“, betont er mit einem erfrischenden Lachen, und gibt gleich ein paar Takte seines Repertoires zum Besten.

Verblüffend gut ist angesichts des erst kurzen Aufenthalts auch Tunji's Deutsch. „Das Niederländisch, das ich beherrsche, ist dieser Sprache sehr ähnlich“, so der junge Mann. „Ich begann bereits einige Monate vor meiner Reise nach Osttirol, Deutsch zu lernen, und habe in Lienz einige Grammatik-Bücher studiert.“

In Osttirol fühlte er sich von Anfang an wohl, hier „taugt“ ihm vieles. Tunji liebt die Menschen, die Traditionen, das gute Essen, die Volksmusik, das Kartenspiel, aber auch die Berge, die ihn an Schottland erinnern.

Am 3. Juli endet sein Freiwilligendienst in Lienz. Auf die Frage, was er im Anschluss vorhat, antwortet Tunji: „Ich habe immer alles auf mich zukommen lassen und Entscheidungen stets spontan getroffen. Vielleicht bleibe ich sogar hier.“

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