Kein neuer Name für Berggipfel in Kartitsch

Über 100 Anfragen an Bürgermeister zu Bergspitzenverkauf. Angebote werden geprüft.

Bürgermeister Josef Außerlechner hat viel zu tun, die Anfragen auf Seriosität zu prüfen. Foto: Brunner Images

Nicht nur hierzulande wird über das Angebot der BIG, sich von zwei Berggipfeln in Kartitsch trennen zu wollen, eifrig diskutiert, gefachsimpelt, gerätselt und auch gescherzt. Das Thema sorgte weltweit für ein unerwartet gewaltiges Medienecho. „Twin peaks up for sale in  Austria“ titelte die BBC ihren Artikel über den geplanten Verkauf der Bergspitzen von „Großem Kinigat“ und „Rosskopf“.

„Austra sells mountain peaks“ hieß es bereits tags zuvor in The Globe und Mail, einer der größten Tageszeitungen Kanadas.

In der Gemeinde Kartitsch laufen indessen die Telefone heiß. „Allein in der Zeit von Freitag auf Samstag gab es über 100 Anfragen, darunter auch von zahlreichen Scherzkeksen“, erklärt Bürgermeister Außerlechner. Einer der Anrufer war Rolf Hilchner, Geschäftsführer eines Oldenburger Software-Unternehmens, der am Freitag um 19.00 Uhr telefonisch Interesse an einem Kauf bekundete. Außerlechner bat – wie bei jeder Anfrage – ein Mail zu senden, um das Angebot seriös prüfen zu können. Knapp nach 19.30 Uhr sandte Hilchner per Mail den Vorschlag, die beiden Gipfel kaufen und der Gemeinde schenken zu wollen.

Die Bedingung, dass die Bergspitzen fortan den Namen seines Unternehmens „Ashampoo“ tragen sollten, stößt in Kartitsch allerdings auf Ablehnung. „Eine Umbenennung von Bergen ist zwar prinzipiell möglich, erfordert jedoch die Zustimmung der Gemeinde und kommt in Kartitsch nicht in Frage“, so Außerlechner zu DOLOMITENSTADT. „Die Menschen sind mit den Namen der geschichtsträchtigen Berge eng verbunden.“

Die mehr als 100 Anfragen an die Gemeinde betrafen insbesondere die Möglichkeiten der Jagd, der Werbung, des Ausbaus zu einem Skigebiet und des Schotterabbaus. „Das Gebiet ist Teil einer 3600 Hektar großen Genossenschaftsjagd, an der Bauern, Grundbesitzer und die Gemeinde beteiligt sind“, erklärt Außerlechner. „Die Jagd ist bis zum Jahr 2020 verpachtet. Für eine Eigenjagd ist das Gebiet zu klein, sie erfordert laut Tiroler Landesgesetz mindestens 300 Hektar Grund.“ Die Erschließung eines Skigebietes sei laut Bürgermeister nicht möglich, da die Gipfel nur für extreme Tourenskigeher interessant seien.

Unrentabel dürfte auch ein Schotterabbau sein, müsse man doch rund zwei Stunden bis zum Fuß des Berges gehen. Der Hauptzugang und Wanderweg zum Kinigat führe, erklärt Außerlechner, über italienisches Gebiet. Auf österreichischer Seite sei der Berg zwar erschlossen, der Aufstieg führe aber über ein unwegsames Schotterfeld. Bleibt nur noch der Werbeeffekt, der pekuniär genützt werden könnte.

Erstrebenswert wäre für die Gemeinde, die Berggipfel um einen symbolischen Betrag kaufen zu können. In diese Kerbe schlägt auch FPÖ-Landespartei- und Landtagsklubobmann Gerald Hauser. „Ich fordere die Bundesimmobiliengesellschaft auf, die beiden Berggipfel um je einen Euro an die Gemeinde Kartitsch zu verkaufen“, so der Politiker, der Umbenennungen kategorisch ablehnt. „Wenn das Schule macht, könnten Gipfel mit althergebrachten Namen, die oft mit Tradition, Identität, und  Geschichte verbunden seien, bald Almdudler-Kofel, Mercedes-Zinnen, Stiegel-Zacken, Red-Bull- oder Paris-Hilton-Spitze heißen.“

Der geplante Verkauf der Gipfel stößt seit Tagen auf breite Ablehnung, auch Landeshauptmann Platter und Wirtschaftsminister Mitterlehner sprachen sich gegen den Verkauf der Berge aus. Die BIG stoppte nun das Verkaufsverfahren der beiden Osttiroler Berggipfel vorübergehend. „Wir werden jetzt einmal eine innerösterreichische Lösung evaluieren“, sagte BIG-Sprecher Ernst Eichinger am Dienstag der APA.

Der Bürgermeister von Kartitsch, der sich überrascht von jenen Kreisen zeigt, welche die Causa mittlerweile gezogen hat, wird die unzähligen Anfragen genau prüfen. Das weltweite Echo sei in jedem Fall eine gute Werbung für Kartitsch, so Außerlechner, der abschließend betonte: „Man muss die Sache auch mit Humor sehen.“

Riesen Medienecho weltweit – hier einige Pressestimmen:

BBC

The Globe an Mail

Der Spiegel

Radio Grischa

Euronews

France24

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1 Posting bisher
André Cis vor 6 Jahren

Nicht zu vergessen die zahlreichen Artikel insb. in China, aber auch bis Bolivien, Brasilien, Indonesien und natürlich Russland...

ps: Es scheint, als ob sich "der Standard" in seiner Überschriften-Findung in der Printausgabe vom 15.06. von uns hat inspirieren lassen... siehe hier: http://tinyurl.com/66phzuo (Artikel) und hier: http://bit.ly/y8y2s (Quelle / Gipfel der Inspiration?!)

Mit besten Grüßen aus Kartitsch André Cis