Das Virger Wunder: Wer’s glaubt, wird selig!

Dietmar Ruggenthaler hat sich PR-Profis geholt und pokert hoch. Ein Kommentar.

Preiset die Tugenden der Wasserkraft und Geld wird fließen, in Strömen. Dietmar Ruggenthaler, Bürgermeister von Virgen. Foto: Brunner Images

Ich habe vor Jahren Schulter an Schulter mit vielen Bürgern und Umweltaktivisten gegen das Kraftwerksprojekt der Tiwag in Raneburg gekämpft. Der Stromriese leistete sich damals eine zwar teure, aber sehr schwache Öffentlichkeitsarbeit. Zum Glück. Heute ist dieser Kraftwerksplan Geschichte.

Virgen ist (noch) nicht Matrei. Zwar war auch hier der erste Anlauf in Sachen Kraftwerksbau undurchsichtig und tolpatschig, mit geheimer Gemeinderatssitzung und Fukushima-Geschwafel bei der ersten Bürgerversammlung. Doch im Unterschied zum Matreier Bürgermeister Andreas Köll und Tiwag-General Wallnöfer sind der Virger Ortschef Dietmar Ruggenthaler und die smarten Planer von INFRA lernfähig.

Sie haben mit der Nordtiroler Agentur Wiko eines der besten PR-Unternehmen des Landes engagiert. Wiko-Chef Ulrich Müller versteht sein Handwerk. Und das ist durchaus anerkennend gemeint. Die PR-Profis ziehen ein paar richtig coole Assets aus dem Hut: Den „Virgentaler Weg“ zum Beispiel. Der hat sogar ein Logo! Oder die „Iselstiftung“. Im  Pressetext werden Gewinne verteilt, die selbst der Projektant INFRA erst 2056 erwartet. Kommt gut rüber, Kollegen. Das Virger Wunder: Wer's glaubt, wird selig!

Klug eingefädelt und doch durchschaubar ist die Gesamtstrategie, auf die die PR-Profis setzen. Alles baut darauf auf, dass die Nutzung der Isel ausschließlich zur Sache der Bürger von Prägraten und Virgen wird. Der „Virgentaler Weg“ suggeriert, dass die Virger und Prägratner ihr eigenes Ding drehen. Ohne die Umweltschützer und anderen Phantasten von „draußen“, von Lienz, oder gar Wien.

Zitat aus Ruggenthalers Populismus-Trickkiste: „Das Geld darf nicht abfließen wie das Wasser!“ Ah! Und das Iselwasser, das gehört ganz genau wem? Ist das Projekt erst einmal auf die beiden Gemeinden eingegrenzt, lässt sich leicht ein subjektives Gefühl von Mitbestimmung inszenieren, bis hin zu einer Abstimmung über das Kraftwerk. Wer dann halbwegs glaubwürdig Millionen verspricht, hat gute Karten am Ende als „demokratischer Macher“ dazustehen.

Darauf pokert Dietmar Ruggenthaler. Sein Einsatz ist hoch. Er setzt viel Geld aus der Gemeindekasse, seinen politischen Ruf und die Naturqualität der Iselregion auf eine Karte. Strom. Wenn er dieses Spiel verliert, hilft ihm auch kein PR-Profi mehr.

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1 Posting bisher
veronika vor 6 Jahren

...zum untertitel möchte ich anmerken: schade um einen sooo talentierten bm! ich denke, das kann nicht gut gehn und schon garnicht mit pr-profis von außen... wenn es für entscheidungen in der gemeinde schon solcher aufwendungen bedarf, dann braucht man sich über die berater-kosten auf bundesebene nicht zu wundern... . wem ist den plötzlich dieses projekt sooo wichtig geworden??? um was geht´s denn da eigentlich noch??? . ...allein der normale hausverstand muss doch jeden sagen, dass dieses dünne eis, auf dem diese versprochenen gewinne für die gemeinden derzeit am papier stehen, für die kommenden 30jahre wohl schwer abzusichern sein werden. was aber sicherlich bleibt, sind die anteile, solange man sie finanzieren wird können... um sooo viele millionen könnte ich mir auf anderen wegen mehr eigenständigkeit für das virgental vorstellen!!!