Pirkner kauft „Altes Rathaus“ um eine Million

200.000 Euro mehr als Zweitbieter und öffentliche Nutzung gaben den Ausschlag.

Der Künstler und der Eventmanager. Jos (links) und Gidi Pirkner wollen das „Alte Rathaus“ zum Treffpunkt für Kunst und Kultur machen.

Um eine Million Euro wird das „Alte Rathaus“ der Stadt Lienz an die Pirkner Real Estate GmbH verkauft. Dieses Unternehmen führt Gidi Pirkner, Spezialist für Eventmanagement und Bühnentechnik. Sein Vater,  der Maler und Bildhauer Jos Pirkner, gilt als Mentor des Projektes.

Der in Tristach lebende Künstler möchte dem historischen Gebäude in den oberen Stockwerken neues Leben einhauchen und eine Galerie einrichten, in der neben seinen eigenen Werken auch jene von prominenten Künstlerkollegen aus aller Welt gezeigt werden. Konzerte, Lesungen und Vernissagen sollen das Gebäude zum „Treffpunkt für Kunst und Kultur“ machen.

„Wir werden jetzt einmal die Verträge abwickeln und uns ein noch genaueres Bild vom Objekt machen. Dann gehen wir in die Planung und erarbeiten konkrete Varianten für Aus- und Umbauarbeiten“, erklärt Gidi Pirkner.

Die Ausschreibung für dieses Haus wurde zunächst eher unterschwellig auf der Amtstafel der Stadt verlautbart. Nach einem Bericht auf dolomitenstadt.at langten dann doch acht Anbote beim Stadtamt ein. Pirkner lag mit seinem Offert nicht nur deutlich über allen anderen Bietern, sondern erfüllte mit der geplanten öffentlichen Nutzung auch eine explizite Vorgabe der Ausschreibung.

Die Idee, eine Galerie zu etablieren liegt insofern nahe, als in diesem Gebäude früher die Städtische Galerie beheimatet war. 2004 wurde im Zuge der Neugestaltung des Johannesplatzes auch das Ergeschoß des seit 1925 in Stadtbesitz befindlichen Hauses um 1,1 Millionen Euro generalsaniert. Die Brau AG richtete das „Gösserbräu im Alten Rathaus“ ein, dessen Mietvertrag dem künftigen Eigentümer wertgesichert 4000 Euro monatlich bis zum Jahr 2030 bringt.

Alle Angebote wurden in der öffentlichen Gemeinderatssitzung vorgelesen und den Mandataren zur Diskussion und Abstimmung unterbreitet, wobei der Stadtrat lediglich eine erste Reihung vorgenommen hatte. Hinter Pirkner lagen demnach mit je rund 800.000 die Juen & Ganeider Gastro GmbH der derzeitigen Betreiber des Braugasthofes, sowie der Nußdorfer Unternehmer Klaus Untersteggaber.

Gleich drei preislich abgestufte Offerte legte die Villacher KIRA Handels GmbH von Francesca Zanatta vor. Das Spektrum reichte von ca. 460.000 bis 660.000 Euro je nach Nutzungsvariante. Das ungewöhnlichste Kaufangebot kam von Christian Pramstaller, der zum Tausch für das Alte Rathaus das Vaterhaus von Albin-Egger-Lienz in der Schweizergasse anbot.

650.000 Euro bot der Lienzer Unternehmer Ivo Majerotto, der in seinem Offert auf die wertmindernden Schwachstellen des Hauses hinwies. Das Gebäude ist in den Obergeschossen seit 25 Jahren ungenutzt und denkmalgeschützt, das Dach ist sanierungsbedürftig, ein Lift schwer oder gar nicht zu realisieren. Außerdem gibt es keine Parkplätze für künftige Nutzer. „Wir könnten uns derzeit eine Sanierung nicht leisten“, betonte Bürgermeisterin Elisabeth Blanik. Mit dieser Vergabe gelinge es auch „Jos Pirkner zurück in die Stadt zu holen.“

Binnen 14 Tagen soll die Million der Pirkner Real Estate GmbH auf dem Konto der Stadt einlangen. Der Verwendungszweck ist auch schon geklärt: Das Geld wird für den 800.000 Euro teuren Ausbau des Tiwag-Gebäudes benötigt. Dieses Haus am Egger-Lienz-Platz hat die Stadt noch unter Bürgermeister Hannes Hibler gekauft, zum Schnäppchenpreis von 400.000 Euro.

Der Zuschlag an Pirkner erfolgte mit 20 Stimmen, FP-Gemeinderat Sepp Blasisker enthielt sich, weil er grundsätzlich gegen den „Verkauf von Familiensilber“ sei.

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2 Postings bisher
e ist mc2 vor 6 Jahren

Besser hätte das ja nicht laufen können, super, dass ein einheimischer, sehr sympatisch und bodenständig gebliebener Mensch wie Jos Pirkner dieses Gebäude erworben hat! Und bei solchen Menschen wie ihm und seinem Sohn kann man sich sicher sein, dass dieses Kulturprojekt auch umgesetzt, und das alte Rathaus wieder mit Leben erfüllt wird! Freu mich schon auf die Wiedereröffnung einer Galerie in Lienz! - lg, der Professor ps: Auch Gratulation an die Stadtregierung, geniale Verwertung einer brachliegenden Stadtimmobilie um eine ordentliche Summe! Jetzt verkauft nur noch schnell nach dem Tiwaggebäudeumbau das alte Finanzamt, und schon gibt es wieder Bares für neue Projekte! :-)

heidifast vor 6 Jahren

Eine ganz tolle Sache und eine win-win-Situation für alle: Für die Stadt, für die LienzerInnen, für die Region, den Tourismus und ich denke auch für Jos und Gidi Pirkner! Das alte Rathaus wird endlich aus dem Dornröschenschlaf wach geküsst und Lienz soll eine neue Kultureinrichtung bekommen, in der neben den eindrucksvollen Werken von Jos Pirkner auch Platz für andere hochrangige Künstler und Kultur ist. Der Name Pirkner ist Garant dafür, dass die Umsetzung niveauvoll und verlässlich erfolgt. Der Erlös kommt u.a. einer neuen modernen Bücherei zugute, die in Lienz längst überfällig war und nun - Gut Ding braucht Weile - endlich zustande kommt. Ich habe also doppelten Grund zur Freude: Zum einen, weil ich mich als Leiterin der Stadtkultur Lienz über jede Privatinitiative und auf eine Jos Pirkner-Schau freue und eine auf gute Zusammenarbeit vertraue. Als Obfrau des Büchereikuratorium Lienz, weil die Stadtbücherei Lienz nun mit doppelt so viel Fläche und in bester Lage bald nicht nur endlich besser wahrgenommen, sondern auch ein Treffpunkt für alle Altersgruppen wird, die sich für das breit gefächerte Angebot unserer Bücherei interessieren oder sich dort einfach wohlfühlen. Danke an alle Beteiligten! In eigener Sache: Widersprechen möchte ich einer in einer heute erschienenen Tageszeitung Jos Pirkner in den Mund gelegten Äußerung: Es stimmt, dass es traurig ist, dass wir keine Städtische Galerie mehr haben, nicht aber ist es zutreffend, dass wir seit deren Schließung keine Kultur oder kein kulturelles Leben mehr in Lienz haben. Die große Vielfalt und das rege kulturelle Leben auf allen Ebenen, aber auch das Bekenntnis der Stadt Lienz zu Kunst und Kultur ist für eine Stadt unserer Größenordnung nicht selbstverständlich und auch nicht leicht zu finden, wie mir erst gestern ein Mitarbeiter der Tiroler Festspiele Erl erklärt hat.