Volksbank Osttirol bittet Kunden um Mindestzinsen

AK Tirol ist entrüstet über ein Schreiben an 600 Kreditnehmer.

Die Volksbank Osttirol hat in den letzten Tagen an rund 600 private Kreditnehmer ein Schreiben verschickt, in dem sie darum bietet, einen „Mindestsollzinssatz von niedrigen 2,60% einstellen und verrechnen zu dürfen“. In anderen Worten: sollten die Kreditzinsen unter diese Marke sinken, würde der Kunde freiwillig mehr Zinsen zahlen. Um eine entsprechende Unterschrift wird gebeten. Wer unterzeichnet und damit eine Sollzinshöhe von mindestens 2,6% akzeptiert, bekommt vom Volksbank-Betreuer eine Thermosflasche als „kleines, praktikables Geschenk“.

Weniger praktikabel findet die Tiroler Arbeiterkammer diesen Vorstoß. Sie warnt vor einer Unterschrift, bietet Bankkunden Beratung an und fordert die Bank auf, die Aktion sofort zu stoppen. Es bestehe keine rechtliche Verpflichtung, dem „Ersuchen“ der Volksbank Osttirol nachzukommen, benachteiligende neue Kreditkonditionen zu akzeptieren. Eine einseitige Änderung zu Lasten der Kreditnehmer bei laufenden Verträgen sei mit der angeführten Argumentation rechtlich gar nicht möglich.

Vor vier Jahren seien die Sollzinsen noch bei 6% gelegen, argumentiert die Volksbank. Dann kam die Krise und eine mehrfache Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank, von 4,25% im Jahr 2008 auf aktuell 0,75%.

In einer „geschichtlichen Sonderzeit“ wähnt sich Hansjörg Mattersberger, Vorstandsvorsitzender der Osttiroler Volksbank. Foto: Tobias Tschurtschenthaler

„Als Kreditnehmer haben Sie von diesen Maßnahmen profitiert“, schreiben die Volksbank-Vorstände Hansjörg Mattersberger und Wolfgang Winkler. Es sei eine „geschichtliche Sonderzeit“. Trotz historisch niedriger Zinsen für die Kreditnehmer hätten sich die Geldbeschaffungskosten für die Banken maßgeblich verteuert. „Es wird mit jedem Kunden ein Gespräch geben“, erklärt Mattersberger gegenüber dolomitenstadt.at und versteht die Aufregung der Arbeiterkammer nicht: „Das ist eine überzogene Reaktion. Es gab auch keinen Kontakt mit uns.“

Das Ansinnen an die Kreditnehmer sieht der Bankvorstand als Solidarakt. Die Osttiroler Volksbank sei ein regionales Institut, das Eigenkapital aufbauen müsse um Kredite vergeben zu können. Die Eigenkapitalquote der Osttiroler Volksbank – eine wichtige Maßzahl für den „Gesundheitszustand“ – beträgt aktuell 13,8%. Mit rund 24 Mio Euro verfüge man über neun Millionen Euro mehr Eigenkapital als vom Gesetzgeber gefordert, erklärt Mattersberger. Der geförderte Wohnbaubereich sei von der Mindestzins-Unterschriftenaktion nicht betroffen.

Volksbank_Brief als PDF zum Download.

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11 Postings bisher
holzwurm vor 5 Jahren

@ anton2009: `Peinlich´, wie die zwei Direktoren von Institutionen und Medien Sachlichkeit einfordern und ihre eigene „Aufklärung“ voll ist von Halbwahrheiten. Fehlinformation „Regionalbank“: Eine „Regionalbank“ die erst vor Kurzem, gemeinsam mit 61 anderen selbstständigen Volksbanken, 234 Mio für die Sanierung der Volksbanken AG (ÖVAG) hingeblättert hat, ist keine Regionalbank. Höchstens, wenn damit gemeint ist, dass das Geld aus der Region zu Rettung maroder Zockerbanken in Wien verwendet wird.

Fehlinformation hohe Geldbeschaffungskosten: Wie viel an Zinsvergünstigungen könnte die Osttiroler Volksbank ihren Kreditnehmern gewähren, wenn ihr Anteil an der ÖVAG Rettung nicht fällig gewesen wäre?

Fehlinformation (= keine Information) über steigende Zinssätze: welche Perspektiven werden bei wieder steigenden Zinssätzen jenen Kreditnehmern geboten, die sogar bereit wären auf den Bettelbrief positiv zu reagieren? Eine weitere Thermoskanne?

anton2009 vor 5 Jahren

Die Rechtfertigung im "OB" vom 25. Okt. 12 ist noch peinlicher als das Schreiben an die Kreditnehmer. PS: mit der Zinsersparnis kann ich jedem VB-Mitarbeiter eine hochwertige Thermoskanne kaufen!

Minerva vor 5 Jahren

Im Gegenzug die Zinsen für die Sparer zu erhöhen steht natürlich NICHT zur Debatte...

Danke liebes Raubkapitalistische Bankentum!!! .. ohne schlechtes Gewissen Wucherzinsen von Kreditnehmern verlangen, während die Sparer kaum was von den hohen Zinssätzen mitbekommen! Wenn das Geschäft schlecht läuft sollen alle anderen dafür aufkommen, wenn es wieder gut läuft, will man aber nichts mehr davon wissen.

Und die Leute lassen es sich gefallen..

poemi3 vor 5 Jahren

Die Idee ansich ist schon absurd,weil warum sollen für die Misswirtschaft bezahlen !Aber wenn schon,dann vorher die Gehälter in der Führungsetage radikal kürzen!!!!!!

defregger vor 5 Jahren

schlechter scherz, wie ich meine! für eine thermoskanne ein zustimmung für einen mindestzinssatz. gutes geschäft oder verarsche (verachtung) pur!

wenn die zinsen wieder bei 6% stehen, biete ich auch eine thermoskanne, gegen eine reduktion auf wieder 2,6% oder darunter.

für die führungsetage , gibt es von mir die bestnote, eine 5 bzw. eine 6!

gutes gelingen der voba!

herzlichst ihr df.

holzwurm vor 5 Jahren

Durch die (Ver)Zockerei der Volksbanken Tochter ÖVAG trifft es einen Teil der 99% halt zweimal. Die Volksbank Kunden. Einmal über die Verstaatlichung und zum zweiten Mal über die Gebühren und Zinsen der Volksbank. Alles nachvollziehbar und ganz leicht verständlich.

sonnenstadtler vor 5 Jahren

...der angriff seitens der ak geht gegen eine bank - ok - der ruf in der branche ist in der breiten masse nicht besonders gut, als stehen die chancen daraus gleich politisches kleingeld zu machen recht gut - passt zur ak und ihren popolistischen poltereien! als kunde der hypo-wohnbaudarlehen sehe ich dort mehr handlungsbedarf für eine ak, weil diese verträge nicht soooooooooo zeitgemäß und kundenorientiert abgewickelt werden - wird wohl zu schwere arbeit sein für die ak-akteure???!!!

...nüchtern betrachtet stimme ich dem skeptiker zu; wenn es außer der thermoskanne auch noch ein anderes entgegenkommen gibt, würde ich als kunde gerne so einen deal überlegen, was natürlich nur in einzelgesprächen möglich wäre, so wie eh vorgeschlagen wurde;

...die ak sollte weniger die kunden bevormunden und mehr dort wirken, wo es echte systemfehler gibt - siehe wohnbaudarlehen!!!

Pflanzerl vor 5 Jahren

... aber wer spricht denn von "einseitig" - es gibt doch eine Thermoskanne! ;-)

skeptiker vor 5 Jahren

Das ist schon ein interessanter "Bettelbrief". Aus "Solidarität" der Kunden zur Bank freiwillig mehr zu zahlen ist ein neuer Ansatz. Viele Kunden/Kreditnehmer können wahrscheinlich ein Lied von der "Solidarität" von Banken gegenüber den Kunden singen. Oder wer ist schon von Banken kontaktiert worden, weil seine Kontoführungsgebühren zu hoch, die Kreditzinsen zu hoch oder der Zins am Sparbuch zu gering ist ? Kann nur für mich sprechen - ich nicht. Das "Angebot" würe ich aber trotzdem nicht von Anfang an ablehnen. Interessant wäre eine Antowort auf : Ihr wollt einen Mindestzins, ich eine Zinsobergrenze. Also z.B. mindestzins 2,6% und Höchstzins 5/6% - dann könnte man mit mir sicher reden. Aber nur einseitige Zugeständnisse wären mir zu wenig ....

Pflanzerl vor 5 Jahren

Hoffentlich hat hier niemand voreilig unterschrieben. Ein solches Schreiben ist ein Armutszeugnis! Ich hätte aber schon gerne erfahren, wieso sich die Geldbeschaffungskosten der Banken bei sinkenden Zinsen verteuert haben sollen. Und - wie sähe es denn im umgekehrten Fall aus. Hat die Volksbank den Kunden mit flexiblen Zinssätzen in der Vergangenheit auch schonmal einen zu zahlenden Höchstzins angeboten, falls der EURIBOR durch die Decke geht? Eine Lachnummer!

anton2009 vor 5 Jahren

"Heute dürfen wirs uns mit einer Bitte an Sie richten. " - so steht es zu Beginn des 5. Absatzes des Briefes! So ein Fehler dürfte dem Institut, das dieses Schreiben an 600 Empfänger richtet, nicht passieren! Der Inhalt kommt einem Bettelbrief gleich; nun ist einmal der Kreditnehmer im Vorteil und zahlt durch die Zinssenkung weniger Zinsen! Das wird sich aber in den nächsten zwei bis drei Jahren ändern und die Banken werden dann ohne zu fragen die Zinsen nach oben anpassen. In der Zwischenzeit empfehle ich dem Institut durchzuhalten!