Senene – ein knuspriger Heuschrecken-Snack

„Mach die Pfanne heiß und röste sie auf kleiner Flamme.“

Senene sind knusprig, leicht fettig und haben einen nussigen Geschmack.

Unter den rund 20.500 Heuschreckenarten – Saltatoria – die rund um den Globus springen und fliegen, finden wir unscheinbare, kitschig-bunte, solche mit Dornen bewährten Hinterbeinen, welche mit kurzen Fühlern und jene mit langen, die Tettigoniidae. Letztere zählen zu der köstlichen Art.

Die eiweißreichen Insekten dienen nicht nur Vögeln, kleinen Reptilien und Amphibien als Nahrungsquelle. Auf jedem Kontinent haben Gesellschaften die fliegende Plage als Genussmittel entdeckt: im Jemen werden sie als Vorspeise gereicht; in Burma bekommt sie der Reisende in jedem Bushahnhof auf Spießchen angeboten; in Kambodscha werden besonders große Exemplare mit Erdnüssen gefüllt im Wok gebraten.

Solomon Komugisha verkauft fertig zubereitete „Senene“ in Kampala.

Im Südwesten Ugandas warten die Leute auf den Ansturm der ‚Senene‘, die mit der Regenzeit in die halbtrockene Savanne ziehen. Im November stellen die Männer Wellblechpannele im Kreis auf und platzieren in ihrer Mitte eine Lichtquelle. Am Morgen schaufeln sie Myriaden der grünen Insekten in 20- und 50-Liter-Säcke, schnallen sie aufs Motorrad und bringen sie auf den Zentralmarkt nach Kampala.

Dort sitzen die Frauen auf niedrigen Schemeln, im Schoß ein Korb, neben sich eine Dose mit feinem Maismehl und einen dieser Säcke. Mit Mehl bestaubten Fingern befreien sie die Heuschrecken behände bei lebendigem Leib von Flügeln und Beinen. Die Leiber winden sich im Korb, bis sie für den Kunden in ein durchlöchertes Plastiksackerl gewogen werden.

Solomon Komugisha verkauft fertig zubereitete Senene. Ich frage ihn nach dem Rezept. „Ganz einfach“, meint er, „mach die Pfanne heiß und röste sie auf kleiner Flamme. Wenn sie goldgelb sind und nicht mehr zappeln, sind sie fertig!“ Frische Senene sind knusprig, leicht fettig und haben einen nussigen Geschmack. Ich hab sie gekostet: Naja, ihr Reiz liegt mehr in der Story als im Geschmack. Ich brauch‘ wenigstens ein bisschen Salz drauf und ein kühles Bier dazu. Mahlzeit!

Eure Petra Navara

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