Pro und Kontra Wehrpflicht: Was sagen Jugendliche?

Zivildiener Tobias Tschurtschenthaler hat sich umgehört.

In keinem anderen Osttiroler Medium wird die kommende Volksbefragung über das Österreichische Bundesheer so intensiv und interessant diskutiert wie auf dolomitenstadt.at. Lesenswert sind dazu die Kommentare von Nanny und PdL unter unserer kleinen Dolomitenstadt-Abstimmung, die mit heutigem Stand für viele Beobachter überraschend knapp ausgeht. Nur um wenige Prozentpunkte liegen die Befürworter der Wehrpflicht vor deren Gegnern. Gevotet haben immerhin rund 1500 Dolomitenstadtler.

Ob sich dieses Bild auch nach der „echten“ Abstimmung ergeben wird, wissen wir am kommenden Sonntagabend. Im Laufe der Woche werden noch Dutzende offizielle Statements in den Redaktionen eingehen. Erst kürzlich haben sich beispielsweise die Schützen zu Wort gemeldet, wenig überraschend mit einer Stellungnahme Pro-Wehrpflicht.

Wir haben uns bewusst auch einmal unter jene gemischt, die keine Presseaussendungen verfassen oder Pressekonferenzen zum Thema Bundesheer geben, unter die Jugendlichen des Bezirkes. Sie sind die direkt Betroffenen der Volksbefragung. Tobias Tschurtschenthaler, selbst gerade Zivildiener beim Roten Kreuz in Lienz und deshalb ein kompetenter Reporter, hat sich mit der Kamera auf Meinungsumfrage begeben.

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3 Postings bisher
Churchill vor 5 Jahren

@atomsix

ich bin zwar ein beherzter Verfechter des Rechtes auf freie Meinungsäußerung, das heißt:

"Jeder darf (ohne Konsequenzen befürchten zu müssen) sagen, was er denkt".

Aber das setzt auch voraus, dass man überhaupt mal denkt. Oder nicht? Die unten genannten Punkte, sind ziemlich wichtige Argumente (wenn auch leicht tendenziell formuliert) in dieser komplexen Diskussion!!

atomsix vor 5 Jahren

@ minerva

ich darf zitieren ...

"3) Was lernen die jungen Rektruten denn beim Bundesheer? Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass man nichts lernt, ausser bedingungslos zu gehorchen, bedingungslos zu töten und bedingungslos zu saufen."

... könnte fast stimmen, mir scheint, da ist tatsächlich auch etwas hintengeblieben, oder? ;)

Minerva vor 5 Jahren

Nichts für Ungut, aber Jugendliche zu dieser äußerst komplexen Thematik zu befragen find ich ein wenig paradox. Irgendwie so, also würde man Senioren zum Internet befragen. Kaum jemand durchblickt die Die Jugendlichen wiederholen, wie es scheint, eh nur die hohlen Phrasen, die sie von ihren Eltern oder favorisierten Politikern übernommen haben. "Das hat noch niemanden geschadet" ist kein Argument FÜR die Wehrpflicht, denn die Kernaufgabe des Bundesheeres liegt nicht darin jungen Burschen (oder zumindest jenen, die es nicht geschafft haben, sich Mittels einem Stapel an Attesten erfolgreich davor zu drücken) Disziplin bei zu bringen! Die Kernaufgabe des Bundesheeres liegt in der militärischen Landesverteidigung, aber: 1) 60% der Wehrpflichtigen sind sog. Funktionssoldaten, also reine Systemerhalter (wie zb. Köche, Kellner, Kanzleigehilfen, etc) 2) Die Zwangsrekrutierung per Strafandrohung (lt. § 8 MilStG bis zu 6 Monate Haft für Deserteure) ist ein massiver Eingriff in das Selbstbestimmungs- sowie das Freiheitsrecht dieser Burschen. Die aktuelle militär-politische Lage zeigt aber keinesfalles die Notwendigkeit an, dermaßen viele Bürger einzuziehen und auf einen Kriegsfall hin auszubilden 3) Was lernen die jungen Rektruten denn beim Bundesheer? Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass man nichts lernt, ausser bedingungslos zu gehorchen, bedingungslos zu töten und bedingungslos zu saufen. 4) Alleine schon die Volksbefragung per se bietet genug Stoff um wochenlang zu diskutieren: Warum jetzt? Weil das "Superwahljahr 2013" ansteht? Schon mal ein "Stimmungsbarometer" erstellen? Das ginge auch billiger!

Das Bundesheer in seiner jetzigen Form kann auf keinen Fall so weiterbestehen. Aber welche Alternativen gibt es? Es gibt keine konkreten Pläne (wenn doch, dann sollte man sie vielleicht VOR der Volksbefragung veröffentlichen), wie ein Berufsheer aussehen sollte und auch keine Vorstellungen wie man die Wehrpflicht reformieren würde. Die Bürger stehen vor der Wahl ob sie die Katze im roten Sack oder die Katze im schwarzen Sack kaufen wollen..

Noch interessanter ist, dass bis vor ein paar Jahren die Wehrplficht noch unantastbar für die Sozialdemokratie war (muss wohl an jenem Trauma aus der Ersten Republik liegen, als das Berufsheer auf protestierende Arbeiter geschossen hat). Aber als die Kronen Zeitung begann, das Berufsheer zu propagieren wollte man natürlich gleich auf den Zug aufspringen. Hingegen die Volkspartei artikulierte spätestens zur Ära Schüssel, dass die allgemeine Wehrpflicht längst nicht mehr zeitgemäß sei. Aber eh klar, wenn man den Schwenk der Roten unkommentiert gelassen hätte, dann hätten alle geglaubt, dass es ihre Idee sei, also muss man ja nun wieder felsenfest auf die Wehrpflicht pochen (Besonders ironisches Zuckerl: Auf die einst von der ÖVP als "Verweigerer" abgestempelten Zivis will man nun nicht mehr Verzichten - wer würde schon gerne seine billigen Arbeitskräfte verlieren)