Osttirol auf den Spuren von Leopold Kohr

Die Vordenker entdecken das „menschliche Maß“ und legen los.

Der Durst-Firmenchef in seinem Metier: Richard Piock gibt die große Richtung vor. Fotos: Brunner Images
Der Durst-Firmenchef in seinem Metier: Richard Piock gibt die große Richtung vor. Fotos: Brunner Images

Richard Piock bereitet seine Referate sorgfältig vor. Der Mentor und Initiator des Osttiroler Vordenkerprozesses war auch bei der Kickoff-Veranstaltung am 18. November exakt in der Rolle, die er sich selbst in dieser Initiative zuschreibt: der des Denkers und Philosophen auf der Metaebene des Prozesses, der sozusagen aus der Vogelperspektive auf das Werden eines Leitbildes blickt, das „die Osttiroler“ von unten nach oben – neudeutsch: bottom up – für sich entwickeln und entdecken.

„Wir werden Sie heute enttäuschen“, ließ Piock im übervollen Wirtschaftskammersaal gleich zu Beginn aufhorchen, „es wird eine nüchterne Veranstaltung werden. Es wird ernst mit der Arbeit.“ Im Saal lauschten rund 80 vorinformierte Vordenker und noch einmal so viele, die aus Neugier gekommen waren. „Wir werden heftig streiten“, erklärte Mastermind Piock, „es wird aber keine Sieger und Verlierer geben, sondern nur einen Gewinner, die Region“.

Einmal mehr erklärte der Durst-Chef, was ihm so wichtig ist: das Leitbild, expressis verbis schon eine Anleitung, ein Leitsystem hin auf ein Ziel, das als Bild der Zukunft in den nächsten sechs Monaten gezeichnet werden soll. Die Kunst werde sein, dieses Bild so zu entwerfen, dass es für alle zum Identifikationsmuster wird, Junge, Alte, Männer, Frauen, Arbeiter und Unternehmer. „Es wird ein einziges Bild sein, aber mit unterschiedlichen Projektionen“, erläuterte Piock und zitierte zuerst Immanuel Kant – „Der Ziellose erleidet sein Schicksal, der Zielorientierte gestaltet es“ – und dann den großen Laotse: „Jeder Marsch von tausend Meilen beginnt mit einem ersten Schritt“.

"Vordenker-Kick-off" in der Wirtschaftskammer. 160 Teilnehmer wollen mitkicken.
„Vordenker-Kick-off“ in der Wirtschaftskammer. Rund 160 Teilnehmer wollen mitmachen.

Diesen ersten Schritt machten Michael Hohenwarter (RMO), Oskar Januschke (Stadtmarketing Lienz) und Barbara Nussbaumer (TVBO) gemeinsam in der Vorarbeit zur Kick-off-Veranstaltung. Die drei operativen Manager der wichtigsten regionalen Entwicklungsinstitutionen hatten sich auf die Suche nach einem geistigen Fundament, einem ideologischen Ausgangspunkt für die Arbeit in den sieben Arbeitsgruppen gemacht und einigten sich nach einigem Nachdenken und einem „Aha-Erlebnis“ auf eine Reihe grundsätzlicher Maßstäbe und deren Summe:

  • Authentizität
  • Regionalität
  • Nachhaltigkeit
  • Fleiß + Engagement
  • Wertschätzung für Natur/Kultur/Mensch

=   DAS MENSCHLICHE MASS

Damit wurde der Salzburger Philosoph Leopold Kohr für Osttirol entdeckt, seine These vom „menschlichen Maß“ soll in allen Besprechungen der Arbeitsgruppen als Maßstab gelten. Die vorläufigen Leiter der Arbeitsgruppen wurden dann auf die Bühne gebeten:

  1. Landwirtschaft: Martin Diemling, Landwirtschaftskammer
  2. Tourismus: Barbara Nussbaumer, TVBO
  3. Bildung: Manuela Gritzer (Standortagentur) und Bezirksschulinspektorin Elisabeth Bachler
  4. Integrierte Raumentwicklung: Oskar Januschke, Stadtmarketing Lienz
  5. Wirtschaft/Arbeit: Reinhard Lobenwein, Wirtschaftskammer
  6. Energie: Michael Hohenwarter
Von links: Manuela Gritzer, Martin Duiemling, Barbara Nussbaumer, Elisabeth Bachler, Oskar Januschke, Reinhard Lobenwein und Michael Hohenwarter. Sie leiten die Arbeitsgruppen der "Vordenker für Osttirol".
Von links: Manuela Gritzer, Martin Diemling, Barbara Nussbaumer, Elisabeth Bachler, Oskar Januschke, Reinhard Lobenwein und Michael Hohenwarter. Sie leiten die Arbeitsgruppen der „Vordenker für Osttirol“.

Ein siebter Arbeitskreis soll noch gebildet werden. Diese Gruppenleiter – die ihr Amt später an gewählte Vertreter der einzelnen Arbeitskreise abgeben – scharten dann in den Seminarräumen der Wirtschaftskammer bis zu 20 Leute um sich, viele davon waren von der „Steuerungsgruppe“ rund um Piock dazu eingeladen worden, andere entschlossen sich spontan direkt bei der Veranstaltung zur Mitarbeit. Damit ist aus der Sicht der Vordenker der 1. Meilenstein gesetzt. Am 25. Februar und am 24. April sollen zwei weitere folgen, Ende Juni 2014 soll das Leitbild auf dem Tisch liegen.

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