„Als Sprintnasenbohrer muss ich mich strecken“

Langlauf-Shootingstar Johannes Dürr startet mit der Nr. 1 im Dolomitensprint. Das Interview.

Johannes Dürr in Lago di Tesero bei der FIS Tour de Ski. Foto: EXPA/Federico Modica
Johannes Dürr in Lago di Tesero bei der FIS Tour de Ski. Foto: EXPA/Federico Modica

Am 16. Jänner beginnt mit dem Romantiklauf in Lavant der Reigen der diesjährigen Dolomitenlauf-Veranstaltungen. Offiziell eröffnet wird das Langlaufspektakel am Freitagabend mit dem „Dolomitensprint“ auf dem Hauptplatz von Lienz. Mit der Nr. 1 geht Österreichs Olympia-Medaillenhoffnung Johannes Dürr an den Start. Beim Finale der Tour de Ski am letzten Wochenende auf der Alpe Cermis hat sich der 26-jährige Göstlinger endgültig in der Top-Liga der weltbesten Langläufer etabliert: Tagesdritter, erster Weltcupsieg und in der Gesamtwertung holte der Niederösterreicher den sensationellen dritten Platz. Sprinten ist eigentlich nicht ganz sein Ding, erklärt er im Interview.

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Du lebst als gebürtiger Göstlinger im Südtiroler Antholz, unweit von Osttirol. Kannst du dort ganz normal zum Bäcker gehen? Spürst du generell den Anstieg deiner Bekanntheit?

Es kennt mich mittlerweile schon jeder dort, aber ich empfinde es als sehr schöne Situation. Ich werde oft angesprochen und viele Leute gratulieren mir.

Durch deine Erfolge in diesem Jahr hast du dich unweigerlich auch als österreichische Medaillenhoffnung aufgedrängt. Belastet dich dieser Druck bei den Olympischen Spielen in Sotschi?

Für mich ist der Druck von außen völlig unentscheidend. Das hat keinen Einfluss auf meine persönliche Leistungsfähigkeit. Ich weiß, was möglich ist und ich kann realistisch meine Chancen einschätzen. Eine Medaille ist machbar, aber das gilt auch für 30 meiner Konkurrenten. An diesem Tag X muss alles 100% ig sein: von der Vorbereitungsphase bis hin zum Ski, zur Tagesverfassung. Aber die Strecke liegt mir sicher!

Wie gehst du in die finale Vorbereitung für die Olympiade?

In Toblach bestreite ich noch einen letzten 15 km Weltcup im klassischen Stil. Das wird ein Wettkampf auf höchstem Niveau. Wichtig ist mir die Wettkampfbelastung und natürlich geht es für mich auch um den Gesamtweltcup. Der ist mir persönlich sehr wichtig. Heuer war ich sehr konstant und im Weltcup vorne zu sein ist ein großes Ziel.

Ja, und dieses Wochenende startest du beim Dolomitensprint-Klassiker in Lienz. Was rechnest du dir dort aus? Schließlich ist es eines der wenigen Rennen, das du in der Heimat bestreitest.

Im letzten Jahr bin ich zum ersten Mal den Sprint gelaufen und es ist besser gelaufen als erwartet. Ich freue mich irrsinnig auf den Dolomitensprint am Freitag, weil es gerade auch eines der wenigen Rennen in Österreich ist. Es ist ein grandioses Event vor einer tollen Kulisse in der Lienzer Altstadt. Wir können stolz und froh sein, dass es so ein Rennen in Osttirol gibt. Wobei ich aber schon weiß, dass die Favoriten andere sind. Trotzdem werde ich alles geben.

Was macht für dich den Reiz von Volkslangläufen aus? Hier im speziellen der Dolomitenlauf? Es gibt ja wenige Sportarten, vielleicht noch das Marathonlaufen, wo man als Hobbysportler mit den ganz großen Stars sporteln kann.

Die Frage ist berechtigt: Ich als Profilangläufer empfinde es als wunderschöne Erfahrung, wenn man sieht, wie viele begeisterte Menschen unseren Sport ausüben; welche Massen sich in Bewegung setzen. Die Atmosphäre bei einem Volkslanglauf ist nicht mit einem Weltcup zu vergleichen, das habe ich letztes Jahr bei meinem Sieg über die 20 km auch genossen. Heuer kann ich keine Langdistanz wegen der Vorbereitung auf Olympia bestreiten, aber in den nächsten Jahren bin ich sicher wieder dabei!

Wird dein Fanclub auch nach Osttirol kommen?

Nein, leider nicht. Die waren aber in Italien beim Tour de Ski-Finale so grandios, dass sie jetzt eine Ruhepause brauchen.

Du startest beim Dolomitensprint mit der Startnummer 1. Wer sind die größten Gegner beim Dolomitensprint?

Das Starterfeld ist hochkarätig und für mich wird es nicht einfach, da ich mich mit den Spezialisten nicht wirklich anlegen kann. Als „Sprintnasenbohrer“ muss ich mich schon strecken, um halbwegs konkurrenzfähig zu sein.

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