Verantwortliche verteidigen das Projekt „Moderne Polizei“

Landespolizeidirektor Helmut Tomac: „Die Zeiten vom Drinnensitzen sind vorbei!“

Seit gestern ist es fix: Die Polizeidirektionen in Dölsach, Huben und St. Jakob im Defereggen werden ab 1. Juli geschlossen. Warum die Zahl der Polizeiposten im Bezirk Lienz halbiert wurde, erklärten Landespolizeidirektor Helmut Tomac und Bezirkspolizeikommandant Silvester Wolsegger am Mittwoch, 29. Jänner in der Bezirkshauptmannschaft.

Der Landespolizeidirektor Mag. Helmut Tomac ist sich sicher, dass die Reformen auch im Bezirk Lienz die Sicherheit weiter steigern. Foto: Michael B. Egger
Der Landespolizeidirektor Helmut Tomac ist sich sicher, dass die Reformen auch im Bezirk Lienz die Sicherheit weiter steigern. Fotos: Michael B. Egger

Mit dem Ziel, die Sicherheit in der Republik zu erhöhen, schufen die Experten in den Bundesländern ein Raster, bestehend u.a. aus der Einwohnerdichte, Fläche und Infrastruktur der Bezirke. „Die betroffenen Osttiroler Posten fallen klar in dieses System – es besteht kein Grund zur Diskussion“, stellt Tomac klar und erklärt sich auch für die Entwicklungen im Bezirk Lienz verantwortlich. Für den Chef der Tiroler Polizisten ist klar, dass für Sicherheit kein Gebäude zuständig ist, sondern die stetige Präsenz operativer Einheiten bei der Bevölkerung. „Die Menschen kommen nicht zur Polizei – die Polizei kommt zu ihnen“, ist Helmut Tomac überzeugt und prophezeit auch die besser werdende „Bestreifung“ des Bezirks. Nur 2,9 Prozent aller Delikte wurden zuletzt von den zehn betroffenen Tiroler Inspektionen bearbeitet. Für den Landespolizeidirektor Grund genug, die Türen zu schließen. „Da die Kündigungsfrist der meisten Räumlichkeiten von sehr kurzer Dauer sind, verlieren wir auch kaum Ressourcen“, informiert Tomac.

Bezirkspolizeikommandant Obstlt Silvester Wolsegger wird in Zukunft nur mehr drei verschiedene Inspektionen koordinieren müssen.
Bezirkspolizeikommandant Obstlt Silvester Wolsegger wird in Zukunft nur mehr drei verschiedene Inspektionen koordinieren müssen.

In den nächsten Tagen wollen die Verantwortlichen der Polizei Gespräche mit den Bürgermeistern der Gemeinden führen – Ziel ist es die Bedenken der Gemeindechefs zu mindern. „Unter anderem werden wir auch mit der Gemeinde St. Jakob i. D. verhandeln – dort ist ein sogenannter Polizeistützpunkt geplant“, berichtet Tomac. „Die Räumlichkeiten werden von der Gemeinde zur Verfügung gestellt – ein Notruftaster und ein Polizei-Schild werden selbstverständlich angebracht – allerdings wird es keine stationären Mitarbeiter geben“, führt der Nordtiroler fort. In der Entfernung zur nächstgelegenen Inspektion sieht er kein Problem, werden doch die Streifenwägen ordentlich koordiniert und bedarfsorientiert eingesetzt.

Bezirkshauptfrau Olga Reisner ist vor allem über die Personalentwicklung trotz der Postenschließungen erfreut: „Wir konnten alle Arbeitsplätze halten!“ Wie derzeit schon in Sillian, werden in Zukunft in Matrei i.O. 22 Polizisten beschäftigt sein. Die Inspektion Lienz stockt von 36 Mitarbeitern auf 44 auf. Außerdem sollte in Leisach eine Kontrollstelle, Schwerpunkt Verkehr entstehen. Der Landespolizeidirektor betont, dass bundesweit 100 Millionen Euro für Personalkosten aufgewendet werden, das sind 80 Prozent des Budgets. Was mit den einzelnen Kommandanten der Posten Dölsach, Huben und St. Jakob passiert ist noch nicht klar. „Wir werden mit jedem einzelnen Gespräche führen und auf dessen Bedürfnisse eingehen“, teilt Tomac mit. In Zukunft verzichtet man innerhalb der Polizei auf Führungsposten, um Fachexperten zu schaffen. „Durch konsequente Aus- und Fortbildung können wir fachorientierte Arbeit garantieren“, sind sich die Verantwortlichen einig.

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4 Postings bisher
tintifax vor 5 Jahren

Was die Führung von den "kleinen PolizistenInnen" hält, kann man seelenruhig aus den einzelnen politischen Kommentaren herauslesen. Nichts bzw. nicht viel. Langfristig gesehen werden mit dieser(en) Aktion(en) Planstellen sukzessive abgebaut. Mich wundert es, dass sich das die "kleinen Polizisten" alles gefallen lassen. Von der Gewerkschaft ist zwar ein Widerstand zu spüren aber der "verdampft" und ist im Großen und Ganzen nichts weiters als Schall und Rauch.

122 Wachzimmer weniger bedeutet weniger Miet- und sonstige Unterhaltskosten wie Strom, BK usw. Auch Dienstfahrzeuge werden dadurch eingespart. Ebenso Kommandanten- u. Stellvertreterzulagen können dadurch eingespart werden. Das ist wohl der einzige Grund warum diese Dienstposten- schließungen durchgezogen werden. Unser Land muss sparen,sparen,sparen! Wir wäre es einmal damit ein paar Politiker einzusparen? Braucht die irgendwer ?

vordenker vor 5 Jahren

Ständig fordert jeder Reformen, wenn eine durchgeführt wird, ist es auch nicht recht. Wer glaubt, dass Polizisten den ganzen Tag auf der Wache sitzen und auf Anrufe der Bevölkerung warten, stellt sich die Welt schon einfach vor.

spitzeFeder vor 5 Jahren

Zitat Tomac: „Die Menschen kommen nicht zur Polizei – die Polizei kommt zu ihnen.“ Zitatende.

George Orwell hätte es in seinem Science Fiction Roman "1984" nicht besser ausdrücken können. Kein Wunder, dass viele Menschen Angst haben - vor Tomac und Mikl-Leitner.

beobachter52 vor 5 Jahren

Hauptaufgabe des Polzeidirektors: Alle Anordnungen, die vom Inneneministerium kommen, verteidigen und gutheißen - auch wenn es der größte Blödsinn ist! Sonst ist er nicht mehr lange Polizeidirektor .... Immer mehr und ausführlichere Protokolle und Niederschriften werden verlangt - per Gesetz und vom Ministerium verordnet! Dann heißt es "Die Zeiten des Drinnensitzens sind vorbei!" - Werden die Polizeibeamten im Streifenwagen oder auf einer Parkbank (Laptop auf den Knien) ihre Berichte schreiben? Typische Vorgangsweise der Regierung: Zuerst alles von "Experten" in Wien festlegen lassen, dann "geheime" Infos an die Presse (damit sie Stimmung machen), dann die Reform verkündigen - und einige Tage, Wochen .... nachher mit den Betroffenen "verhandeln" .... "Schließungen in ganz Österreich gleich nach genauen Vorgaben..." - laut Innenministerium. Ist es wirklich gleich, die PI Matrei am Brenner zu schließen und Steinach anzuschließen (5 km Richtung Staatsgrenze) oder die PI St. Jakob i. D. und Matrei i O. anzuschließen (28 km, Staatsgrenze Staller Sattel in der "anderen Richtung" ....)?

Solche Ungleichheiten würde man vermeiden, wenn man vorher mit den Betroffenen reden würde ....