Dolomitenbad: Energiewende und Rutschendetails

Stadt Lienz setzt jetzt auf Fernwärme statt Grundwasser-Wärmepumpe.

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Hallenbäder haben meist 30° Wasser- und 34° Lufttemperatur. Ihre Energieeffizienz ist ein wesentlicher Betriebskostenfaktor. Visualisierung: Machné Architekten

Bei ihrer turnusmäßigen Pressekonferenz nach dem Stadtrat ließ die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik heute mit zwei Details zum geplanten Zu- und Umbau des Dolomitenbades aufhorchen.

Zum einen wird die Energieversorgung des künftigen Hallenbades nicht – wie ursprünglich angedacht – über eine Grundwasser-Wärmepumpe erfolgen. Man setzt lieber auf Fernwärme. Die Stadtwärme will 50% Rabatt auf die Gesamtanschlusskosten von rund 104.000 Euro gewähren. Damit wird die Fernwärme konkurrenzfähig zur Wärmepumpen-Lösung, deren Anschaffungspreis sehr hoch wäre. ÖVP-Stadtrat Christian Zanon spricht von ca. 700.000 Euro.

Dennoch schlugen die Schwimmbad-Planer ursprünglich aus Effizienzgründen eine Wärmepumpe vor. Allerdings tauchte im Laufe der Planung ein Faktor auf, der nicht einkalkuliert war: das EKZ „Kaufhaus Lienz“ an der Dolomitenkreuzung. Der Gemeinderat hatte den Betreibern die Nutzung des Grundwassers zur Kühlung des Großkaufhauses erlaubt. Die Option läuft zwar Ende Juni aus, eine Verlängerung gilt aber als sehr wahrscheinlich.

Kommt das Kaufhaus und wird es über eine Grundwasser-Wärmepumpe klimatisiert, sind die benötigten Wassermengen sehr groß. Eine zweite Anlage in unmittelbarer Nähe wäre aus verschiedenen Gründen – unter anderem Grundwassererwärmung – nicht sinnvoll. Sehr wohl Sinn gemacht hätte eine Energiekooperation zwischen Kaufhaus und Bad, erklären sowohl Blanik als auch Zanon. Beide räumen aber ein, dass die Entwicklung des Kaufhauses derzeit nicht mit jener beim Bad Schritt hält.

Am 24. März endet bereits die Einreichfrist für die Teilnahme am Ausschreibungsverfahren für Zu- und Umbau des Hallenbades. Anfang April erfolgt voraussichtlich die Einladung zur Angebotslegung. Danach haben die Bieterinteressenten zwei Monate Zeit, ihr Angebot abzugeben.

Die Höhe dieser Anbote wird direkten Einfluss auf die heiß diskutierte Rutschenfrage haben. Blanik erklärte gegenüber den Medien, dass – wie von einer Gemeinderatsmehrheit in der letzten Sitzung gefordert – jetzt auch die Rutschenausschreibung vorliege.

Die Planungsexperten der Firmen Machné, Greiderer und Alpsolar errechnen Kosten von 942.075 Euro für einen Zubau im Osten an das Hallenbad, der 12 Meter hoch sein soll und eine neun Meter hohe und ca. 90 Meter lange Rutsche mit einem Durchmesser von 1,2 Metern samt Zeitnehmung und Ampelanlage beherbergen könnte.

Sie ist dann leistbar, wenn die Offerte der Generalunternehmer für das eigentliche Hallenbad weit unter den von Architekt Machné kalkulierten Gesamtkosten liegen. Er errechnete 14,74 Millionen Euro exklusive Umsatzsteuer, inklusive Indexsteigerung und “Reserve”. „Da ist aber wirklich alles enthalten, vom Handtuch bis zum Imbiss“, erklärt Bürgermeisterin Blanik. Die eigentlichen Baukosten müssten weit tiefer liegen, um eine Rutsche in realistische Reichweite zu rücken.

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7 Postings bisher
Churchill vor 4 Jahren

Jetzt, wo sich die Fr. Bgm.in auf den Rutschendeal eingelassen hat, kann es nicht mehr lange dauern, bis erste Stimmen aus der ÖVP kommen, die eine Rutsche kritisieren zwecks Anschaffungskosten, Dimension, Energieeffizenz und whatnot.

@Mentos: Eine 90m-Rutsche, mit der Mann eventuell noch unentschlossene Gäste ins Bad holen kann, rentiert sich wohl eher, als eine kleine Rutsche, die von den Schwimmbädern im Umkreis von wenigen Autostunden nur belächelt wird. Da könnte man doch gleich die blaue Elefantenrutsche vom Freibad ins Hallenbad versetzen ;-)

@Hallo: Das Außenbecken könnte auch eine (öffenbares) Glasdach erhalten. Würde das Badeerlebnis nicht beeinträchtigen, aber eine Kostenersparnis von gefühlten 10.000% bringen. Zumahl das Außenbecken meiner Erfahrung nach in der Regel leer ist oder maximal Person draußen ist, und die Heizkosten somit für den Ehschonwissen sind.

@Detektor: Leider ist es nicht so einfach, wie man denkt. Photovoltaik ist leider noch nicht so ausgereift, dass damit auch nur annähernd den Bedarf des Hallenbades abdecken könnte. Außerdem würden die Kollektoren am Dach genau dann am effizentesten arbeiten, wenn das Hallenbad geschloßen ist, im Hochsommer. Zur Nachlesen bezüglich Vor- und Nachteile von Sonnenenergie: http://www.welt.de/wirtschaft/energie/specials/sonne-solar/article8815308/Das-sind-die-Vor-und-Nachteile-von-Sonnenergie.html

karli8 vor 4 Jahren

Man könnte ja einfach alternativ zum Grundwasser als Wärmequelle einfach Erdwärme mittels Tiefenbohrungen verwenden. Da ist es dann relativ Wurst was beim Einkaufszentrum passiert. Die Effizienzeinbusen sind überschaubar und den erneuerbaren Energiegedanken würde es woll treffen.

mentos vor 4 Jahren

Mir hat am Entwurf von Arch. Machne das spärliche, oder besser gesagt, das "gar nicht Vorhandensein" eines Badezonen- und Spielbereichs für Kinder gestört. Jetzt fordert die Politik (vor allem ÖVP) doch noch eine Rutsche?

Was mich daran stört, ist wieder die Dimension, die bei den jetztigen Überlegungen in Betracht gezogen werden. Es scheint so, als ob man die längste Hallenbadrutsche im Südalpenraum haben möchte ... 90 Meter lang ... aus einem eigens dafür zu errichtenden Turm startend mit 12 m Höhe!!!

Ich glaube, den meisten Rutschen-Befürwortern, geht es vor allem darum, dass überhaupt ein Rutschen- oder Spielbereich für Kinder in die Hallenbadsanierung eingeplant wird. Da hätte man auch eine kleinere Rutsche – vielleicht halb so lang – viel kostengünstiger, vielleicht auch ohne Extra-Turm einbauen können. ES KOMMT NICHT IMMER AUF DIE LÄNGE AN!!!

Eine Rutsche die dreimal soviel kostet wie ein Einfamilienhaus ist warscheinlich schon wieder die absolute Luxusvariante. Aber vielleicht denken die Verantwortlichen schon weiter ... und wollen dann auch noch einen Rutschen-WELTCUP in Lienz haben ... oder ähnliches ;-) ... die Lichtschranke ist ja auch schon eingeplant.

Doch bevor überhaupt nichts für Kinder im Hallenbad NEU installiert wird ... kann ich mich als Familienvater auch mit der 90-Meter-Rutsche anfreunden ;-) ... auch eine "überteuerte Rutsche" werden dem zukünftigen Schwimmbadbetreiber mehr Besucherzahlen und Umsätze bescheren und somit langfristig wirtschaftlicher sein, als ein reines Schwimmbad in dem man den Eindruck hat, dass spielende Kinder ohnehin nicht erwünscht sind!!!

le corbusier vor 4 Jahren

aussenbecken/rutsche hin oder her, finde es eher seltsam, dass frau blanik, im bezug auf eine grundwasser wärmepumpe, privaten investoren vorzug über den eigenen projekten gibt. aus effizenzgründen (langfristige kostenersparnis?) sollten normalerweise eigene projekte bevorzugt werden.

hallo vor 4 Jahren

die meiste Energie würde man einsparen, wenn man das sinnlose Außenbecken weg lässt. Macht es Sinn, ein Wasservolumen von zig Hundert Kubiklitern zu heizen, nur dass man dann im Winter im Freien schwimmen kann? Aber die Rutsche sei ein energietechnisches Problem! Also - Außenbecken weg und dafür nochmals Gedanken über eine (kleine) Rutsche machen.

karli8 vor 4 Jahren

Tjo nur dass wenn die sonne nit scheint man a alternative Heizmöglichkeit benötigt.... den Deal mit der Fernwärme wirds wohl nicht geben wenn man nur gelegenltich drauf zugreift. Aber fürs Offensichtliche könnte man ja ein paar aufs Dach stellen.

Detektor vor 4 Jahren

Die für Jahrzehnte billigste Fernwärme ist die, welche uns die Sonne unmittelbar schickt - ohne Rechnung! Wo sind die Sonnenkollektoren am neuen Bad? Schon jeder Häuslbauer setzt sich solche auf das Dach.

"Sonnenstadt Lienz" - wo bleibt Deine Glaubwürdigkeit? Ein paar Liegestühle mit buntem Aufdruck sind da zu wenig!