Bäuerliches Angebot sucht gastronomische Nachfrage

Eine Kontaktanzeige. Markus Kiniger antwortet auf die Osttirol-Vordenker.

Foto: Ramona Waldner
Foto: Ramona Waldner

Der Wunsch der Landwirte nach dem Verkauf des von ihnen Angebauten an die Wirte ist ebenso alt wie das Gastgewerbe selbst. Historisch betrachtet standen am Anfang Gasthöfe, die noch selbst über eine eigene Landwirtschaft verfügten und deren Produkte verarbeiteten. Was nicht selbst erzeugt werden konnte, wurde zugekauft, vorzugsweise günstig.

Aktuell gibt es in Osttirol für diese Praxis nur noch wenige Beispiele, die aber durchaus Vorbildwirkung für andere vornehmlich touristisch ausgerichtete Anbieter haben könnten. Je entkoppelter Produktion, Verarbeitung und Konsum sind, desto höher ist der Kommunikationsbedarf, schlussendlich auch mit dem Gast, der lokale Produkte wertschätzt. Der Konnex zwischen Alpen, gesunden, authentischen und wertvollen Genusserlebnissen wird nicht umsonst selbst von Discountern gern und oft zur Vermarktung genutzt. Kulinarik spielt im touristischen Angebot eine immer bedeutendere Schlüsselrolle.

Auf Basis von Rohstoffen eine Liefer- und Versorgungssicherheit bei auf saisonale Spitzen ausgerichteten Tourismusbetrieben aus der an Ackerflächen armen Osttiroler Produktion sicher zu stellen, ist ein hochgestecktes Ziel und wahrscheinlich das falsche. Der Anspruch, mit vornehmlich heimischen Produkten die Versorgung des gastronomischen Alltagsbedarfs gewährleisten zu können, dürfte schwer zu erfüllen sein, selbst wenn anstatt von Canaroli Reis zukünftig nur noch Rollgerstenrisotto, an Stelle von Hummercreme- Gerstensuppe und statt der Bofrost Krokette „Plente“ in einer ihrer vielfältigen Erscheinungsformen auf den Osttiroler Speisekarten zu finden sein sollte. Die Masse an Beilagen und hotelleriegerechten Convenienceprodukten kann die heimische Landwirtschaft nicht bereit stellen. Fertig geputzter, portionierter Brokkoli aus Osttirol? Pommes vom Steilhang? Zwiebel aus dem Lienzer Talboden?

Den Mangel an Kooperation hat nicht nur der Arbeitskreis der Vordenker festgestellt. Wer zum Beispiel nach Hartkäse aus Osttiroler Produktion sucht, der wird nicht nur bei -> dieser Lektüre auf eine harte Probe gestellt. Blickt der Suchende hingegen ins Mölltal oder nach Toblach, so wird er dort fündig. Die allzu enge Fokussierung auf den politischen Bezirk Lienz kann dem Erreichen des gesteckten Ziels interregionaler Wertschöpfung vielleicht auch im Weg stehen.

Doch warum alles wollen, wenn sich mit wenig viel erreichen ließe. Denn schon jetzt steht eine für die gastronomische Verwertung geeignete Produkt-Palette zur Verfügung. Fleisch und daraus veredelte Spezialitäten aus heimischen Metzgereibetrieben – auch wenn das Fleisch nicht zu 100% aus Osttirol stammt – beziehen schon jetzt viele heimische Gastronomen, vorausgesetzt Preis und Qualität bilden sind dem Gast zu vermitteln. An Destillaten wie auch an Produkten aus der Früchteküche mangelt es ebenfalls nicht, im Süßwarenbereich gibt es international wettbewerbsfähige wie auch erfolgreiche Produkte, Honig heimischer Imker ist ein knappes, aber vorhandenes Produkt. Wild ist saisonal verfügbar, wenn auch nicht ganzjährig, wie die großteils aus Neuseeland stammende Tiefkühlware. Ein prämierter Wirt lässt bei einem Bauern Mangalitza-Schweine züchten, die er dann selbst verarbeitet. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Die Idee, eine eigene Osttiroler Marke zu kreieren ist nicht neu. Unter dem Link www.lebensmittel-osttirol.at ist nachzulesen, wie ambitioniert der letzte bekannte Versuch war. Wie mir berichtet wurde, hat der Trägerverein seine Tätigkeit Ende 2013 eingestellt. Das Angebot, Gastronomie und Landwirtschaft zu vernetzen, wurde offenbar nicht wahrgenommen. Warum eigentlich? Wenn beklagt wird, Verhandlungen mit Einzelanbietern seien mühsam, dann empfiehlt sich als Abhilfe die Einkaufsgenossenschaft. Ein Akt, der Kooperationsbereitschaft voraussetzt, die auch bei touristischen Anbietern oft nicht allzu sehr ausgeprägt ist.

So wie Horst Lukasser in seinem Artikel das Problem schildert, drängt sich mir als am Vordenker-Prozess Unbeteiligter eine mögliche Antwort auf: Information über den gastronomischen Bedarf wie auch die Kreation von Spezialitäten in enger Zusammenarbeit mit Köchen und berglandwirtschaftlichen Produzenten könnten der Schlüssel zur Positionierung sein. Auf die Gefahr hin, Eulen nach Athen zu tragen: www.tla-euregio.info bietet einen guten Überblick vielfältiger regionaler Bemühungen. Aus Erfolgsgeschichten wie aber auch dem Scheitern von Versuchen lässt sich viel lernen. Wer den Tourismusverband als Vehikel zur Vermarktung der gastronomischen Besonderheiten benutzen will, der kann dies bereits tun. Unter dem Menüpunkt „Kulinarik“ eröffnet sich auf osttirol.com ein repräsentativer Überblick über Gastronomiebetriebe, die schon jetzt Osttiroler Genuss transportieren.

In den letzten Tagen kontaktierte mich ein alter Freund, der plant aus einer Mischung von Osttiroler Produkten, seinem gastronomischen Know-How und seiner Osttiroler Herkunft ein für das Wiener Publikum genussvolles Angebot zu präsentieren. Sein Projekt steckt noch in den Kinderschuhen, ähnlich wie manches andere auch, und es werden noch viele Informationen zu sammeln und zu bewerten sein, es wird gerechnet und prognostiziert und ausgewählt werden, um sich eine reelle, wirtschaftliche Chance zu erarbeiten.

Seine Idee hätte in meinen Augen noch größere Chancen auf Erfolg, wenn der Plan, eine Osttiroler Dachmarke zu kreieren, gelingt. Den Wert heimischer Erzeugnisse zu erkennen und damit anzuerkennen, Selbstwirksamkeit zu erfahren und miteinander Produkte zu schaffen, die von anderen hoch geschätzt werden, scheint das Ziel des Vordenker Prozesses zu sein. Mit realistisch gesetzten, erreichbaren Zielen und der schnellen Umsetzung von Ideen kann eine regionsinterne Wertschöpfung erreicht werden, wenn das berglandwirtschaftliche Angebot die gastronomische Nachfrage trifft. Dazu wünsche ich viel Erfolg, in Osttirol, Wien und wo immer Osttirol genossen werden kann.

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